Nachtrag Dschungel
Also, ein kurzer Nachtrag zu unserem kleinen Ausflug in den Amazonas – oder wie ich ihn inzwischen nenne: die Reality-Show „Guides gegen den Müll“. Wirklich beeindruckend, was...

Veröffentlicht: 29.04.2025
Wir sind morgens direkt ins Buffet gebrettert, als gäbe es kein Morgen. Und ja, das Buffet war anders als gestern. Was eine absolute Überraschung war, weil man ja fest davon ausgeht, dass Hotelküchen einen Eintrag ins Guinness-Buch der Eintönigkeit anstreben. Aber nein – heute haute der Koch einen raus. Wahrscheinlich auf Koks oder frisch geschieden. Jedenfalls: fantastisch. Wir haben reingeschaufelt wie ein Bauarbeiter-Trupp nach 12 Stunden Schicht – sehr, sehr lecker. Ich kann es nicht anders sagen. Es war so lecker, dass mein Cholesterin spontan einen Samba getanzt hat.
Danach: Sport. Eine ganze Stunde im Fitnessstudio. Betonung auf „sehr groß“, weil Brasilianer anscheinend Fitnessstudios wie Fußballstadien bauen. Ich hatte zum Glück noch meine Stirnlampe aus dem Dschungel dabei – man weiß ja nie. Vielleicht liegt ein Alligator zwischen den Hantelbänken oder der Trainer ist eigentlich ein Serienkiller auf Diät. Vorbereitung ist alles. Wer keine Stirnlampe hat, hat im Leben eh verloren.
Im Anschluss: Lesen. Also pseudo-intellektuelles Blättern in einem Buch, um zu rechtfertigen, dass man nicht sofort ins Fresskoma gefallen ist. Dann Auto abgeholt am Flughafen. Kleiner Funfact: brasilianische Minuten sind wie Hundejahre. 5 Minuten bedeuten 55, wenn man Glück hat. Trotzdem lief alles glatt, obwohl wir kurz davor waren, 1.100 Euro Kaution in der Kreditkarten-Nirwana zu verlieren. Fast ein Desaster, aber eben nur fast. Wir sind halt Profis im Glück haben.
Dann auf in Richtung Galinhas, also dahin, wo wir gestern geschnorchelt sind. Über Nebenstraßen ging’s nach Maragogi, wo wir unsere Unterkunft fanden. Direkt am Strand, Palmen wie im Katalog, diese Strohdach-Sonnenschirme, bei denen man nie weiß, ob sie aus Schilf, Rehhaar oder Einhornfell bestehen. Traumhaft. Und das Beste: 40 Euro. Dank Booking-Upgrade. Genius Level 3, Baby. Jahrelang durchgehaltene Scheinhotels und Fake-Rezensionen haben sich endlich ausgezahlt.
Vor Ort direkt Smalltalk mit dem Chef. Touren für morgen? Gekauft. Aber erst, nachdem wir noch schnell eine Nacht dazugebucht haben – mit Rabatt natürlich, weil wir nach 5 Minuten so tun, als würden wir hier wohnen. Der Strand? Weiß wie der Hintern eines privilegierten Skandinaviers. Abends ragen die Palmen wie Designer-Deko in den Himmel, mit warmen Lampen dran, als hätte jemand versucht, einen Katalogtraum künstlich nachzubauen. Zu perfekt, um nicht irgendwie falsch zu wirken.
Ach ja, morgen Massage am Strand. Endlich. Der Plan ist wasserdicht. Sollte die Massage morgen wieder nicht stattfinden, lassen wir’s endgültig bleiben. Brasilien hat dann offiziell im Wellnessbereich versagt, Portugiesisch triumphiert wie ein arroganter Latein-Fetischist, und Englisch stirbt einen leisen, würdelosen Tod im Sand. Ende der Debatte.
