Solotrip Part 3: Singapur (24.-31.07.)
Mein Flug aus Saigon startete bereits um 7 Uhr morgens, somit war ich um 10 Uhr bereits aus dem Flughafen ausgecheckt und konnte in die Stadt fahren. Wäre ich in einem Hostel...

Veröffentlicht: 03.10.2018























































































































































Nach meiner dreiwöchigen Reise ging es für stattliche vier Tage zurück nach Osaka, bevor ich mit einer guten Freundin weiter nach Taiwan fliegen sollte. Durch den ganzen Reisestress hatten wir uns ja auch ein bisschen Strandurlaub verdient, viel mehr war für Taiwan eigentlich nicht geplant. Deshalb hatten wir auch nicht großartig vorbereitet, nur das erste Hostel in Taipei haben wir noch schnell am Flughafen gebucht, bevor wir mit der schicken, violetten Maschine unserer Lieblingsairline losjettetten. In Taiwan angekommen, war es nicht schwierig den richtigen Bus in Richtung Innenstadt zu finden, zumal sogar der Busfahrer vernünftig Englisch sprach. Auch unser Hostel war im Endeffekt sehr leicht zu finden und wir luden unsere Rucksäcke ab und stürzten uns nach einer Mittagspause wieder in die sengende Hitze der Stadt. Wir erkundeten die ersten Tage lang die taiwanesische Hauptstadt, von der ich behaupten würde, dass sie eine der vielseitigsten Städte ist, die ich je gesehen habe. Trotz der Hitze liefen wie viel herum, total begeistert von der Sauberkeit und der Offenheit der Menschen und deren Fähigkeit, auf Englisch mit uns zu kommunizieren. Das U-Bahnsystem ist hier um einiges neuer und moderner als das in Osaka, sehr übersichtlich und angenehm zu nutzen. Am Abend entschieden wir uns, das Partyviertel Ximending, das genauso verrückt aussieht, wie es sich anhört anzuschauen, Musik und blinkende Lichter überall, ähnlich wie in Tokio, aber etwas ausgelassener und verrückter. Streetfood gibt es hier auch, ebenso wie offene Geschäfte bis in die Nacht hinein, sowie Souvenirshops mit den verrücktesten Mitbringseln und Restaurants. Wir entschieden uns für ein taiwanisches Lokal, das sich in einem Keller befand und Dekorationen aufwies, die an ein Wohnzimmer der 80er Jahre erinnerten, wo wir allerdings positiv von der Menge und der Qualität der taiwanischen Küche überrascht wurden. Lustigerweise begegnete uns in Ximending eine japanische Dreiergruppe, die im Flugzeug neben uns gesessen hatte.
Am nächsten Tag besuchten wir einige Tempel von Taipei und stellten fest, dass der Flughafen in unmittelbarer Nähe sein musste, da die Flugzeuge so tief über die Wolkenkratzer flogen, dass ich dachte, sie würden sie bald streifen müssen. Wir besuchten als kleine Erholungspause einen größeren Park und fuhren danach zu Taipeis Wahrzeichen, dem 508 m hohen, gefächerten Turm Taipei 101. Der Eingang zur Aussichtsplattform war nicht leicht zu finden, da es durch eine unfassbar große Mall ging, deren Pläne auch nicht so ganz einleuchtend waren, da sie alles andere als symmetrisch aufgebaut war. Der Besuch auf dem Turm war relativ teuer, hat sich aber definitiv gelohnt, von jeder Seite konnte man eine andere atemberaubende Aussicht genießen. Nach dem Besuch wurde man über hundert Umwege durch Jadegeschäfte oder andere Luxusläden geführt, bis man schließlich den Ausgang erreichte, das war fast etwas nervig, unsere Bedürfnisse waren sehr viel simplerer Natur: wir hatten Hunger und so haben wir uns in dem großen Foodcourt noch etwas zu Essen geholt. Gut, ein bisschen hat der umgebende Luxus wohl doch abgefärbt, wir haben bei einem Koch gegessen, der sich einen Michelinstern verdient hatte und es war wirklich sehr lecker. Danach liefen wir noch weiter durch die Stadt, deren Viertel sich teilweise so sehr von einander unterscheiden, dass man sich manchmal fragen könnte, ob man noch im selben Land ist.
Der nächste Tag sollte unser Wandertag werden, wir fuhren mit dem Bus und anschließend mit der Gondel, die wundervolle Aussichten bot, in einen Naturpark bei Taipei, der überall mit kleinen Teehäusern gespickt war. Auf unserem Weg durch die Natur, die uns total begeisterte, waren wir komplett allein, wir konnten alle Geräusche und Gerüche des Urwaldes aufnehmen und genossen unseren Wandertag in vollen Zügen, obwohl wir fürchterlich schwitzten. Es stellte sich heraus, dass wir zum perfekten Zeitpunkt wieder heruntergondelten, da wir dabei den beeindruckendsten und wunderschönsten Sonnenuntergang über Taipei bewundern konnten, den wir je gesehen hatten. Die Stadt zeichnete sich in verschiedenen Grautönen ab, während der Horizont eine knallrote Farbe aufwies, die sich in zunehmender Höhe in ein Blassorange bis zu einem Graublau wandelte, was diese Gondelfahrt einfach nur verzauberte. Wieder in der Stadt angekommen hatten wir noch nicht genug von den schönen Aussichten, weshalb wir noch auf den Elephant Mountain klettern wollten, der eine tolle Aussicht auf das beleuchtete Taipei versprach. Bei nicht abnehmender Hitze war es selbst in der Nacht eine Herausforderung, die vielen Stufen bis zur Aussichtsplattform heraufzukraxeln, aber uns wurde nicht zu viel versprochen und wir konnten tolle Fotos von dem sich uns bietenden Panorama machen und wir waren im Endeffekt sehr zufrieden mit uns, dass wir so viel gelaufen und geklettert waren heute.
Am folgenden Tag ging unsere Reise nach Jiufen, einer kleinen, niedlichen Stadt nahe der nordöstlichen Küste auf einem Berg, die das Vorbild für das Zauberland aus "Chihiros Reise ins Zauberland" war. Als Studio Ghibli-Fans mussten wir das natürlich sehen und so ging es mit dem Zug in Richtung Küste und von dort aus mit dem Bus hinauf auf den Berg. Hier wurde es schon etwas touristischer, es war viel los, aber gelohnt hat es sich dennoch, da es kleine Gassen voller winziger Läden, Teehäusern und Souvenirshops gab, die ausnahmslos von zwei Reihen roter Lampions geschmückt waren, was einen gemütlichen Flair erzeugte, der uns in seinen Bann zog. Auch die Aussicht von hier oben war fabelhaft, wir fühlten uns tatsächlich, als wären wir im Zauberland angelangt, als wir auf der Bergseite das wunderschön rot beleuchtete Teehaus und auf der Talseite die Küstenarme vorfanden, die wie grün bewaldete Tentakel ins Meer ragten.
Auf dem Rückweg nach Taipei machten wir noch Halt in einer kleinen Stadt, deren Wasserfall wir uns noch ansehen wollten, aber wir hatten nicht bedacht, dass der Weg dorthin abends geschlossen wurde, und so sahen wir uns ein bisschen in dem Örtchen um, der lauter Restaurants und Souvenirshops hatte. Letzterer ist berühmt für die großen, roten Lampions, die man mit Wünschen beschreiben und dann in den Himmel steigen lassen kann. Gerade in der Dämmerung, sahen die tiefrot leuchtenden Laternen sehr schön aus. Wir beobachteten das Schauspiel von einem kleinen Lokal aus, spazierten in dem niedlichen Bahnhofsviertel herum und stiegen schließlich wieder in den Zug nach Taipei.
Am folgenden Tag fuhren wir mit dem Bus in eine nahe gelegenes Wandergebiet, da uns die letzte Wanderung schon so gut gefallen hatte. Wir liefen durch den Urwald, kletterten auf einen Berg, von dem man sicherlich eine herrliche Aussicht gehabt hätte, wenn es nicht bewölkt gewesen wäre. So machten wir uns wieder an den Abstieg und suchten nach einer Bushaltestelle, als wir den Wald hinter uns gelassen hatten. Wir waren mitten im Nirgendwo gestrandet und hatten keine Ahnung wo wir waren, geschweige denn, wie wir zurück nach Taipei kommen würden. Aber hey, die Bushaltestelle hatten wir schnell gefunden, nur sah sie sehr verlassen aus und hatte auch keine Fahrpläne ausgehängt, also blieb uns nichts anderes übrig, als zu warten. Und wir wurden belohnt, ein Bus kam und wir waren so dankbar darüber, dass es uns völlig egal war, wo uns der Bus hinbringen würde. Unserer Überlegung nach musste er ja irgendwo hinfahren und wir hatten die Hoffnung, von dort aus weiterzukommen. Also stiegen wir ein und ließen uns überraschen. Ein wenig Abenteuer hat uns ja auch noch nicht geschadet. Und zu unserem Erstaunen kamen wir an der Metrostation Tamsui raus, die Endstation einer der Metrolinien Taipeis. Das hat also ziemlich gut funktioniert.
Am folgenden Tag ging es weiter in den Nationalpark. Wir fuhren mit dem Zug Richtung Süden, nach Hualien County. Da wir keine Sitzplätze mehr reservieren konnten, machten wir es uns zwischen den Abteilen auf dem Boden gemütlich, schrieben Postkarten, hörten Musik und waren trotz unseres unbequemen Platzes ziemlich happy, da diese Erfahrung auch ein tolles Abenteuerfeeling aufkommen ließ. Als wir angekommen waren, suchten wir erst einmal unser Hostel und litten ziemlich unter der brütenden Hitze und unseres Gepäcks. Als wir uns ein wenig erholt hatten, machten wir uns auf, das Meer anzusehen. Ein schöner Steinstrand wartete auf uns, an dem wir bestimmt drei Stunden zubrachten, bis es dunkel wurde und wir auf den Nightmarket begaben, der Ähnlichkeit mit einem riesigen Jahrmarkt hatte. Überall roch es nach unfassbar gutem Essen, es gab Kleidung, Spielzeug und allerhand anderes Zeug zu kaufen, wir entschieden uns für ein Eis, gefolgt von ein paar Bieren, womit wir den Tag ausklingen ließen.
Am folgenden Tag ging es los in den Taroko Nationalpark. Wir kauften uns eine Hop-on-hop-off-Karte, mit der wir durch den ganzen Park fahren konnten und uns die schönsten Stellen raussuchen konnten. Der Park war einfach atemberaubend. Tiefe Schluchten mit großen Steinen, gefüllt mit türkisfarbenen Bächen und Flüssen und wunderschön bewaldete Hänge. Wir sind weit in den Urwald hineingewandert und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus, so toll war es. Die Wanderwege waren auch wirklich sehr schön angelegt, so dass man die besten Blickwinkel in den Park erhaschen konnte. Ich bin sehr froh, dass wir in diesen Park gefahren sind, das hätte ich nicht verpassen wollen.
Am nächsten Tag machten wir nun endlich den verdienten Strandtag an einem sehr leeren Küstenabschnitt konnten wir mal ausspannen. Aber auch hier faszinierte uns die Natur ziemlich, der Sand am Strand war pechschwarz und die Wellen im Meer so stark, dass sie den metallenen (!) Träger meines Bikinis abrissen. Aber naja, der Neckholder macht ja sowieso Bräunungsstreifen. Das Schwimmen in den hohen Wellen war ordentlich anstrengend und deshalb setzten wir uns ins knöcheltiefe Wasser direkt am Übergang von Strand zu Meer und genossen das Wetter und das kühle Meer, bis wir anfingen uns gegenseitig mit dem schwarzen Sand zu bewerfen, bis wir aussahen, als hätten wir uns in einem Haufen Kohle gewälzt. Wir alberten ziemlich lange herum, hatten den Sand im Endeffekt überall kleben, aber dafür hatten wir großen Spaß, mal wieder kindisch herumzualbern.
Am nächsten Tag, der schon der letzte Tag meiner Freundin war, schauten wir uns den Hafen Taipeis und das zugehörige Viertel an. Mit einem Bootsshuttle fuhren wir zu den Bootsanliegern und bummelten gemütlich durch die hübsche Gegend und ließen einen tollen Urlaub entspannt ausklingen. Am nächsten Tag hatte ich noch ein Wanderziel für mich rausgesucht, das ich mit dem Bus erreichen konnte. Ich fuhr an die Küste und ging dort entspannt wandern. Die Wege führten auf Berge, umgeben von wild wachsenden Bäumen und Blumen und als ich ein wenig an Höhe erreicht hatte, konnte ich das Meer und die wunderschöne Küstenformation bestaunen. Hier machte ich ein wenig Pause, weil mich der Blick so sehr fesselte. Nach dem Abstieg wollte ich zu einem anderen Ort laufen, wo man sehr schön wandern konnte, zu meinem Bedauern schien der allerdings ziemlich weit weg zu sein. Jedoch hatte ich Glück, und ein Taiwanese in meinem Alter, den ich bei der vorigen Wanderung schon gesehen hatte, hielt mit seinem Auto neben mir an und fragte, ob ich mitwollte. Jemand, der die Natur mag und nett aussieht, kann ja kaum böse sein, also stieg ich ein und lernte den 23-jährigen Leo kennen, der aus Taipei kommt. Mit ihm kraxelte ich dann noch über die Felsformationen an der Küste und danach fragte er mich, ob er mich zum Essen einladen könne, ich hatte nur gefrühstückt, also kam mir das sehr gelegen. Wir fuhren mit seinem Auto in eine andere Stadt, die er mir zeigen wollte, da er hier studiert hatte. Und wir aßen sehr, sehr leckere Sachen in einem kleinen, unscheinbaren Lokal auf roten und blauen Plastikstühlen. Zudem trank ich dort das leckerste Getränk der Welt: einen Wassermelonenlatte. Klingt pervers, war aber ultra lecker. Danach wollte er mit mir noch Kuchen essen gehen, aber ich war hoffnungslos vollgefressen und so machten wir uns nach einem Stadtbummel zurück auf den Weg nach Taipei. Bevor es auf die Autobahn ging, hielt er das Auto an und bat mich, kurz auf ihn zu warten. Zurück kam der liebe Junge mit einer Tüte aus einer offenbar recht guten Konditorei, von der er mir zwei taiwanische Kuchen mitgebracht hatte, die ich mit nach Japan nehmen und mit meinen Freunden essen sollte. Ich war von dieser Geste sehr gerührt und fand das einfach unfassbar nett von ihm. Er brachte mich sogar noch zurück in mein Hostel und dann verabschiedeten wir uns und ich ging bald schlafen, da ich früh zum Flughafen musste. Asiaten sind einfach so nette Leute.