soweit6beinetragen
soweit6beinetragen
vakantio.de/soweit6beinetragen

Schymkent - letzte Tour mit Schrotti

Veröffentlicht: 05.01.2020

Zur Abwechslung gibt am Freitagvormittag, den 03. Januar 2020, für Schrotti die Gelegenheit mal einem Blechkollegen Starthilfe zu geben. Das Auto des Hostelmanagers wollte von allein nicht anspringen, unser Moskvich hingegen lässt sich trotz kühler Nacht nicht lumpen. Für alle Beteiligten ungewohnt, mussten wir ja bisher selbst immermal nach Hilfe irgendeiner Art Ausschau halten. Nachdem wir dann fertig gefrühstückt haben, ist unser Krempel schnell in der Karre verschwunden und wir machen uns auf den Weg nach Norden. Wir haben für das Wochenende einige Kaufinteressenten nach Schymkent bestellt und hoffen unseren Russen dort an den Mann zu bekommen. Am Grenzübergang ist dann recht viel Betrieb, vorallem am Durchgang für Fußgänger. Ich fühle mich an die guten alten Zeiten erinnert, in denen ich des Nachts vorm Fuchsbau in Chemnitz auf Einlass in den Partykeller gewartet habe. Damals war sicher der Großteil der Drängelnden schon leicht angetrunken und definitiv in der Sturm- und Drangphase ihres Lebens. An der usbekisch-kasachischen Grenze ist der Großteil mutmaßlich nüchtern und eigentlich alt genug für geordnetes Anstehen. Aber nein, es wird gedrängelt, geschoben und teils wütend herumgeschrien. Je oller je doller könnte man meinen. Rango bleibt trotzdem recht gelassen und sorgt zumindest dafür, dass mir etwas mehr Raum bleibt, als den meisten anderen Wartenden. Periodisch öffnet sich die Tür zum Stempelzimmer und ein Grenzer lässt ein paar Menschen in die Halle flutschen, bevor er die Tür wieder schließt. Nach einem Weilchen haben auch wir es geschafft und können ab da ganz entspannt die Grenze passieren. Wir sind am Ende sogar etwas schneller als Marcus mit Schrotti und müssen auf der kasachischen Seite noch ein Weilchen warten. Dann fahren wir weiter gen Norden, organisieren ein paar frische Tenge, tanken Gas und erreichen am Nachmittag das Dream Hostel, wo wir schon letzten Herbst abgestiegen waren. Nach einem Käffchen und etwas Schokobrot, räumen wir Schrotti leer und Marcus fährt zur nächsten Waschanlage. Ich sichte unterdessen die Dinge die sich in unserem Moskvich AZLK 2141 über die letzten Monate so angesammelt haben. Kann dann doch so einiges in den Müll. Nachdem Marcus unser frisch gewaschenes Schmuckstück wieder in der Einfahrt geparkt hat, essen wir einen Happen zu Abend. Währenddessen kündigt sich auch der erste potenzielle Käufer an. Omar möchte sich die Karre noch am selben Abend anschauen und steht kurze Zeit später auf der Matte. Der junge Mann schaut sich das Auto an, dreht eine Proberunde mit uns und will das Gerät dann auch gleich mitnehmen. Wir einigen uns auf 200000 Tenge, wobei er erstmal nur hundertfünfzigtausend Bar dabei hat. Er bietet an, sein Telefon und seinen Personalausweis als Sicherheit zu hinterlegen. Der Perso reicht uns erstmal, Omar macht einen ganz redlichen Eindruck. Zeit für ein letztes Bild mit Schrotti und seinem neuen Besitzer. Etwas Wehmut schwingt schon mit, als wir Schrottis Rücklichter wegfahren sehen, trotzdem gibt es am Abend zur Feier des Tages ein Bierchen. Wir sind mit dem Verkaufspreis durchaus zufrieden. Jetzt heißt es Daumen drücken, dass Schrotti seinem neuen Besitzer weniger Probleme bereitet, als uns in den ersten Tagen. Über den Abend stellen wir dann fest, dass ich noch den Schlüssel von der Karre habe, ist bei der Übergabe glatt unter den Teppich gefallen. Omar kann kein Gas tanken, kommt in der Nacht also nochmal vorbei und klingelt Marcus raus. Auch ich muss des Nachts aufstehen, Rangos Jammern weckt mich. Es regnet und der Unterstand den ich gebaut habe, schützt nicht zuverlässig vorm Wasser. So evakuiere ich den Dicken, der Schrotti sicher am meisten vermissen wird. Immerhin hat er den Großteil der letzten vier Monate in der Karre gepennt.

Über den Samstag entspannen wir im Hostel und ich nähe an ein paar Klamotten herum. Ab und an geht es mit Rango raus, ob des nieseligen Wetters sind wir aber beide wenig motiviert. So bleibt genügend Zeit für für das ein oder andere Schachspiel gegen die Wochenendbesetzung des Hostels. Am Abend kommt Omar nochmal vorbei, leider erstmal ohne restliches Geld. Er berichtet von einigen Problemen und das ihn seine Mutter bereits verflucht. Schrotti macht es einem nicht einfach. Das meiste davon ist aber sicher auf Bedienfehler zurückzuführen, ist halt kein Neuwagen und der Moskvich hat so seine Eigenheiten. Viel zu lernen der junge Mann noch hat. Wir werden sehen ob wir die Restsumme noch bekommen, zugesagt hat es uns Omar jedenfalls erneut.

Sonntagvormittag entscheiden wir uns für eine weitere Nacht in Schymkent. Wir latschen zum Busbahnhof und erkundigen uns nach Tickets für die Rückfahrt nach Taschkent und können die Tenge vom Autoverkauf in Dollar tauschen. Nach einem Käffchen geht es zurück ins Dream Hostel und ich packe meinen Rucksack. Ab morgen muss ja wieder alles an Besitzstand auf meinem Rücken Platz finden. Besonders die zugekauften Winterklamotten nehmen mehr Raum ein als gedacht, ich bekomme trotzdem alles unter. Wird auf jeden Fall Zeit, dass der Dicke wieder seinen Teil zum Transport beiträgt.

Antworten

Kasachstan
Reiseberichte Kasachstan