Ein Museumstag
Heute schlagen wir uns mit einer leichten Antriebsschwäche herum. Die Insel ist so voll von Amis. Und der Blick auf Google Maps zeigt morgens um 9:00 Uhr schon rote und g


Veröffentlicht: 05.08.2026




















Die Nacht war kurz, denn während Schahaatz neben mir leise vor sich hin schnarcht hält mich der Espresso oder der Espresso Martini wach.
Heute spulen wir das nächste Voll-Programm ab.
Lagoa da Fogo, Teeplantage, nach Furnas und abends im, durch das Fernsehen, berühmte, Restaurant Tony‘s essen gehen.
Das Wetter ist schlecht. Grau in grau, neblig-regnerisch. Die besten Voraussetzungen um sich irgendwas anzuschauen. Lustlosigkeit macht sich breit und uns einen Strich durch die geplante Abfahrtszeit.
Mit einer Stunde Verspätung starten wir. Die Fahrt hoch zum Lagoa Fogo lässt es schon erahnen, wie schön die Aussicht werden wird.
Und auch der Tipp aus dem Internet bis zu den Masten hoch zu laufen, macht sie nicht besser.
Beim Hochfahren haben wir uns schon gefreut, das hier auf der Straße so wenig los ist, nur ein paar große Reisebusse und ein weiterer PKW vor uns rumschleichen, bis wir dann beim Runterfahren das Schild gesehen haben, das von 9-20 Uhr nur berechtigte Fahrzeuge hier fahren dürfen.
Aber auch wenn wir nicht hätten hochfahren dürfen, so haben wir wenigstens ordnungsgemäß auf dem PKW-Stellplatz geparkt.
Durch den dichten Nebel kämpfen wir uns wieder vom Vulkan runter und fahren zu einer der beiden einzigen Teeplantagen Europas. Seit fast 180 Jahren wird hier, auf den Azoren, Tee angebaut.
Fakten:
Durch den Niedergang des Orangenanbaus, wollte die Gesellschaft zur Förderung der Landwirtschaft in São Miguel, die Flächen anders nutzen und pflanzten 1848 aus Brasilien mitgebrachte Samen auf verschiedenen Ackerflächen an, was den Beginn der Teeproduktion auf den Azoren markierte. Trotz der anfänglichen Begeisterung fehlte es an technischem Wissen für den effizienten Anbau von Tee. Um diese Herausforderung zu meistern, wurde der chinesischen Teemeister Lau-a-Pan und seinen Assistenten und Dolmetscher Lau-a-Teng eingeschifft, um die uralte Weisheit der Teeproduktion zu vermitteln.
Ende des neunzehnten Jahrhunderts galt Tee bereits als wichtige Wohlstandsquelle für die Azoren, da mehrere Fabriken in Betrieb waren. Die Herausforderungen des zwanzigsten Jahrhunderts, darunter die Massenauswanderung und die Änderungen der Arbeitsgesetze nach der Revolution vom 25. April.1974, führten jedoch zur Schließung aller Teefabriken mit Ausnahme der Gorreana-Teefabrik, die seit 1883 ununterbrochen produziert.
Allerdings ist das hier eine Touristen-Massenabfertigung. Nix romantisches, keine Teepflücker die leichthändig die zarten Blätter abpflücken. Das einzige was hier noch von Hand gemacht wird, sind die Strünke aus den Tee zu sortieren - bei dem Premium-Tee.
Der Rest - von der Ernte bis zum Teebeutel - ist alles maschinell.
Nach ein paar Bildern verlassen wir das hektische treiben und fahren Richtung Leuchtturm Farolim dos Fenais da Ajuda. Warum gerade der, werdet ihr euch jetzt bestimmt fragen. Weil die Bilder im Internet gut aussahen und er ja eigentlich gut in die Route passte.
Nur ein kurzer Stopp am Leuchtturm, denn der Terra-Nostra-Park in Furnas mit dem Wasserbecken mit natürlich braunem eisenhaltigen Thermalwasser schließt um 16:30 Uhr und wir sind schon etwas im Zeitverzug.
Ist der Park geöffnet herrscht in diesem beschaulichen Ort Furnas der Ausnahmezustand. Überall parkende Autos und strömende Menschenmassen. Wir müssen auch lange nach einem Parkplatz suchen, denn die ausgewiesen Parkplätze sind alle voll.
Fakten:
Der Terra-Nostra-Park („Unsere-Erde-Park“) ist ein botanischer Garten. Der Park enthält eine der größten Sammlungen von Kamelien in der Welt mit über 600 verschiedenen Arten und auch Europas größte Sammlung von Sagopalmfarnen.
Die Gründung des Gartens geht auf das Jahr 1780 zurück, als der damalige Konsul der Vereinigten Staaten von Amerika auf der Insel São Miguel, hier seine Sommerresidenz erbaute, die dann als Yankee Hall bekannt wurde.
Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs die Fläche von zwei Hektar allmählich an. Eine der größten Attraktionen ist das Wasserbecken mit natürlich braunem Thermalwasser und einer Temperatur von 38 °C.
Noch schnell 17€ pP abgelatzt und ab in die braune Brühe - den Melzer nach machen.
(Nur kurz zum Hintergrund: Tim Melzer, bekannt von Kitchen Impossible musste mal hier das traditionelle Gericht nachkochen und er war vorher hier und hat sein übliches Arbeiter-Dekolleté in diesem Pool gezeigt.)
Das Becken an sich ist garnicht so voll, aber die Umkleide und die Toiletten sind eine Katastrophe.
Aber wir sind drin. Und es ist herrlich warm - zumindest für mich.
Leider mussten wir den Park uns im Schnelldurchlauf anschauen, denn die wollten dann doch irgendwann schließen.
Nächstes Highlight das hier typische Gericht Cozido à portuguesa bei Tony‘s.
Es bestehend hauptsächlich aus Gemüse, Fleisch, Würstchen und Reis oder Kartoffeln.
Die traditionelle Methode der Zubereitung besteht darin, den Topf in ein Erdloch zu stellen und das Gericht von vulkanischer Hitze 6 Stunden garen zu lassen.
Das wir einmal am Tag gemacht und zur Mittagszeit rausgeholt. Abends bekommt man dann das warmgehaltene. Ich hatte im Internet von einigen Kommentare gelesen, die bemängelt dass das Essen nicht heiß war und das Fleisch trocken. Und so war es auch, aber mit der beigestellten Jus war es total lecker.
Die Portion war riesig und wir papp satt. Da kommt ein kleiner Spaziergang zu den Fumarolen am Lagoa de Furnas gerade recht.
Fakten:
Im Tal entspringen insgesamt 23 warme bis heiße Mineralquellen und Caldeiras genannte Fumarolen mit bis zu 98 Grad Wassertemperatur. Die Vulkanaktivitäten zeigen sich hauptsächlich in den sogenannten Caldeiras. Dabei handelt es sich um dampfende Stellen kochenden Wassers. Sie sind die, von weitem sichtbare, Hauptattraktion von Furnas.
Die kurvenreiche Strecke nach Hause, es ist mittlerweile 20:10 Uhr, bei schönstem Sonnenschein lässt in uns die Hoffnung erwachen wir könnten heute noch legal (ihr erinnert euch an den Anfang des Berichtes?) den Lagoa Fogo sehen und so war es auch
und mit Sonnenuntergang.
Ein toller Abschluss.
