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Offroad durch die Wüste

Veröffentlicht: 17.04.2023

Wir starten von Merzouga unseren für 3 Tage veranschlagten Trip durch die Wüste bis Zagora. 280km - davon 200km offroad; die Route soll eine der schönsten Marokkos sein und führt durch die Sandsahara, immer in der Nähe der algerischen Grenze. 

Die Region wird auch als Petit Sahara bezeichnet, weil sie alle Landschaftsformen vereint: Steinwüste, Wadis, Wüstengebirge, Dünenlandschaften und Tafelberge. 

Laut unserem Pistenguidebook Schwierigkeitsgrad 3  - mehr wollen wir uns und unserem Auto auch nicht zutrauen. 

Angeblich soll die Strecke recht populär und gut befahren sein…wir treffen in den 2 1/2 Tagen exakt 3 kleine Reisegruppen mit Jeeps, Unimog & Co.  und ansonsten nur einige Nomaden, Ziegenhirten und diverse wilde Kamele 🤩.

Durch unser Guidebook sind wir darauf vorbereitet, dass die schwierigste Passage eine 3,5km lange Weichsandfläche sowie einen Flussbettdurchquerung (trocken) mit steilem Anstieg ist. 

Vor genau dieser Passage (an einem kleinen Dorf)  - diesmal wissen wir es vorher - kommen einige Jungs und Jugendliche auf unser Auto zu, rufen uns zu und hängen sich sogar hinten an die Kabine. 

Wir lassen uns diesmal nicht aus der Ruhe bringen bzw. ‚schütteln‘ sie im wahrsten Sinne des Wortes ab bis auf zwei kleine Jungs, die aber nur sehr interessiert zuschauen, wie wir für den Weichsand die Luft aus den Reifen lassen. Wir schenken ihnen etwas Brot und Orange und sie sind happy und winken uns nach. 

Der Amarok ‚surft‘ (zumindest fühlt es sich so an) recht kontrolliert durch den Sand und wir kommen gut durch, bis zur Qued-Durchquerung, an deren Ende der steile Aufstieg ist. Da sich vorher wohl ein Auto an zwei Stellen fast festgefahren hat, sind zwei tiefe Kuhlen in dem schrägen Anstieg, die uns doch etwas Sorge machen. 

Wir gehen auf Nummer sicher und während ich mit der (echt optimal geeigneten!) Lawinenschaufel die Löcher zu schaufele, macht Basti unsere Sandbleche zu einer Rampe. 

Ich hab so ein Herzklopfen, ob alles klappt, dass ich leider das Filmen vergesse 🙈, aber es klappt alles und wir sind sehr erleichtert…und komplett eingestaubt 🤣. 

Wir fahren weiter und die Landschaft wechselt…es geht Kilometer über ‚Wellblech-Piste‘ die wir mit der Kabine nur mit 10km/h erträglich finden. Von weitem sehen wir eine Staubwolke…3 große Unimogs kommen und entgegen (natürlich Deutsche 😉) und wir halten kurz nebeneinander …sie machen das Fenster auf und begrüßen uns mit ‚Kölle Alaf!‘ 🥳 …witzige und zugleich surreale Situation.

Die Unimogs brettern weiter und wir arbeiten uns Kilometer für Kilometer anhand unseres Tracks weiter. 

Bis auf wenige Auberges findet man in der Wüste wirklich nichts und eine von ihnen ist in der Nähe unseres angepeilten Übernachtungsplatzes - kaum stehen wir dort  kommt der Besitzer uns auf einem Moped hinterher und bietet uns in bestem Englisch ein Frühstück für den nächsten Morgen in seiner Auberge an…sehr freundlich und auch nicht beleidigt als wir ablehnen - wir bewundern seinen Geschäftssinn und das Engagement. Ein Ziegenhirte kommt vorbei, begrüßt uns sehr freundlich und zieht …auch mit Moped…weiter. 

Wir übernachten traumhaft schön an einer Düne, trinken unseren durchgeschüttelten Weißwein und genießen den unglaublichen Sternenhimmel…zeitgleich haben wir beide das Gefühl, jetzt erst richtig in Marokko angekommen zu sein. 

Am nächsten Morgen geht es früh weiter und wir durchqueren die unterschiedlichsten Landschaften, kommen nur an Nomaden vorbei, die zurückhaltend wirken. Einer signalisiert uns, dass er Durst hat und wir geben ihm eine Flasche Wasser. 

An anderer Stelle machen an einem (eigentlich dem einzigen auf weiter Flur) Baum eine kurze Pause und zwei Jungs - völlig verdreckt und ohne Schuhe - kommen vorsichtig auf uns zu. Sie sind vielleicht 7 und 9 Jahre alt und bieten selbst gemachte Wollkamele an.

Wir geben ihnen etwas Wasser und unsere letzten Orangen und sie fragen mich, ob ich Schuhe für sie habe. Tatsächlich habe ich bei den mitgebrachten Spendenklamotten auch ein paar alte Vans von Basti … sie sind natürlich zu groß, aber ich gebe sie den beiden dennoch (sie könnten sie zumindest tauschen) und sage ihnen, dass sie sie sonst ihrem Vater geben können. Sie lachen freundlich und nehmen sie gerne mit. 

Diese Momente sind wirklich nicht einfach, weil so schwer einzuschätzen ist, was jetzt ‚richtig‘ wäre und wirklich hilft und es einfach sehr berührend ist, (gerade) Kinder so zu sehen und erleben. 

Wir fahren weiter und auf einer endlosen Fläche, die vor Hitze flimmert, sehen wir von weitem etwas dunkles, das wir nicht zuordnen können. Beim näher kommen erkennen wir ein wildes Kamel und als wir auf der gleichen Höhe sind, steht die Kamelkuh plötzlich auf und mit ihr ein ganz junges Kamel…wir bleiben kurz stehen und sind alle drei hin und weg.

Kurze Zeit später begegnet uns eine Truppe aus 5 Geländewagen …eine geführte Tour mit (natürlich Deutschen 🤣) und wir halten auch hier kurz nebeneinander an und quatschen. 

Unsere Tour geht weiter und wir passieren einen Militärposten, der unsere Pässe kontrolliert. Laut Guidebook ist es bis zum nächsten Militärposten nicht erlaubt, in der Region zu übernachten…blöderweise sind wir zu früh dran, um in der Hitze schon zu halten und werden es - bei unserem Tempo - aber auch nicht im hellem bis zum nächsten Posten schaffen. 

Wir gehen auf Risiko und fahren weiter und suchen uns am Abend auf einem ruppeligen Bergpass eine verstecke Ecke. Die felsige Piste aufwärts zwingt uns zum Kriechen und wir setzen etwas auf den ‚Kinderbonus‘, falls doch jemand uns verjagt…was aber nicht passiert. 

Am nächsten Morgen geht es in dem Tempo den Pass wieder runter und als wir an dem Wegpunkt vorbei kommen, wo der Militärposten sein sollte, ist dieser verlassen und auch nicht mehr in Betrieb…alles gut gegangen also 😅. 

Bis zum Mittag haben wir die ganze Strecke geschafft und sind zurück in der Zivilisation. Wir fahren auf einen kleinen Campingplatz in Zagora, umgeben von Palmen und - das ist das Großartige nach der Wüste - der gegen Aufpreis erlaubt, in den tollen Pool eines wunderschönen Boutique-Hotels nebenan zu gehen. Der kleine Campingplatz hat fast nur Offroader als Gäste und eine total angenehme und besondere Atmosphäre. 

Wir stehen nahe bei einer total netten Familie aus Bayern mit 2 Kindern (Mia 2 und Max 5) und alles matcht sofort. 

Wir verbringen Zeit am Pool, die Kinder verstehen sich super und als sie schlafen, trinken wie gemeinsam noch ein Glas Wein und entscheiden alle, noch einen Tag an diesem schönen Ort dran zu hängen. 

Wir kommen aus entgegen gesetzten Richtungen und können viele Tipps für die jeweilige Weiterreise austauschen und so beschließen wir, einen weiteren Trip Richtung Wüste zu unternehmen, auf dem wir die ganze Zeit herumdenken und der für uns gut machbar sein sollte. 


Antworten (4)

Manuel
Ihr Lieben, es macht so Spass, Eure Berichte zu lesen. Irgendwie surreal, sich Euch so nah zu fühlen, während man hier auf dem Sofa sitzt. Ich wünsch Euch, dass weiterhin alles son gut läuft, und freue mich auf viele weitere Berichte. Wirklich schön geschrieben! Liebe Grüsse von allen Meisters und ein dickes Bussie von Clara an Basti 😘

Corinna
Ihr Lieben Abenteurer, es ist großartig an euren Erlebnissen teil zu haben und eure Geschichte zu hören!!! Ganz dicke Knutschis aus Bonn!

Carolina
Meine Lleben! Du schreibst so schön bildlich und emotional… als könnte ich dabei sein! Ich freu mich soooo riesig für euch und dieses einmalige Erlebnis 🫶 Genießt es! ❤️

N.
😘

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