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„Tanz auf dem Vulkan“ – Letzte Drehung auf dem Parkett im Yellowstone NP

Veröffentlicht: 08.07.2023

Nach einer erholsamen Nacht in unserer Komfort-Lodge, in der das Motto lautete: „weniger ist manchmal auch nicht mehr“, einem Gang zur Toilette bei kuschligen 5 Grad, was schon eine Steigerung zur Nachttemperatur von 2 Grad bedeutet, gab’s mal wieder leckere Bagels (wir fragen uns, wann wir selbst wie ein Bagel aussehen, nach dem häufigen Konsum? … na ja, ein Loch im Bauch haben wir ja schon 😉 …)

Frisch gestärkt machen wir uns also gegen 8 Uhr auf den Weg, den Rest des Nationalparks zu entdecken, weil wir uns noch eine Reihe Besonderheiten ansehen wollten. Wir wollten schlau sein und früh einen der raren Parkplätze an dem Grand Prismatic Spring, einem Top-Highlight des Nationalparks ergattern. Leider hatten wir die Rechnung ohne die Natur gemacht, denn "wie sie sehen, sehen sie nichts": Aufgrund der kalten Nacht-/Morgentemperatur und somit des noch größeren Temperaturunterschieds zum Geysir als tagsüber, entwickelt dieser so viel Dampf, dass das komplette Areal eingenebelt war und man ohne Licht am Auto gar nichts gesehen hätte und schon gar nicht den Grand Prismatic Spring… Also, Planänderung! Unsere erste Anlaufstelle war somit das Biscuit Basin … hier finden sich mehrere Hot Springs und Geysire, die in der Kühle des jungen Tages zwar auch noch mehr als sonst dampften und uns ein wenig die Sicht „vernebelten“. Dennoch hatten wir tolle Springs und Geysire zu sehen bekommen. Am meisten hat uns der Sapphire Pool beeindruckt. Das klare blaue Wasser, durch das man in die Tiefe sehen konnte, war fantastisch. Aber auch die anderen Pools und Geysire waren eine Wanderung durch das Areal über die Stege den frühen Besuch wert.

Übrigens, das Biscuit Basin ist Teil des Upper Geyser Basin, in dem sich 25 % aller Geysire der Welt befinden. Mit den vielen weiteren Geysiren, die wir außerhalb des Upper Geyser Basin gesehen haben, müssten sich gefühlt 80 % aller Geysire im Yellowstone befinden. Nachweislich soll es um die 500 Geysire im Yellowstone geben. Nicht ganz unwahrscheinlich, auch wenn wir sie nicht gezählt haben.

Unser nächstes Ziel war das südlich gelegene West Thumb Geyser Basin. Erneut, wunderschöne farbenprächtige Hot Springs, die direkt am Ufer des Yellowstone Lake gelegen sind. Das sprudelnde Innere der Erde läuft dort direkt in farbigen Spuren in den riesigen See.

Dass es nicht nur klare Pools gibt, sondern auch weniger schöne, eher „Muddy Pools“, zeigte uns dann das Mud Vulcano Basin. Hier sprudeln die Geysire eher dreckige und graue Flüssigkeiten aus. Völlig überraschend fand sich an einem der grauen Pools ein Bison, der es sich am Rand gemütlich machte und sich dort den Besuchern als Foto-Model zur Verfügung stellte.

Auf dem Weg zum Canyon of the Yellowstone durchfuhren wir das Hayden Valley, in dem es die versprochenen Bisonherden zu sehen gab. Im Canyon selbst gab es beeindruckende Sichten auf den Yellowstone River, der hier in den Canyon stürzt und sich seinen weiteren Weg gebahnt hat. Imposante Farbgebung und Felsgestaltung im Canyon selbst … sollte man gesehen haben.

Unser Highlight des gesamten Aufenthaltes im Yellowstone wartete jetzt auf uns: der Grand Prismatic Spring im Midway Geyser Basin. Wir wussten ja, dass es IMMER schwierig ist gerade hier einen Parkplatz zu bekommen, aber der Versuch macht klug … und tatsächlich, wir bekamen einen Platz am Straßenrand. Immer ein gewagtes Unterfangen, denn das Bodenniveau von Straßenbelag zum Straßenrand ist für die amerikanischen fetten Normalwagen kein Problem, aber mit einer Limousine ist da schon mal schnell der Abstand zwischen Boden und Unterboden zu gering. Egal, hat ohne zu kratzen geklappt und jetzt los.

Einige schöne, aber weniger spektakuläre Springs führen zum Highlight. Der Grand Prismatic Spring ist der größte Hot Spring der USA und der drittgrößte auf der Welt. Hier strömen etwa 2000 Liter 70 Grad heißes Wasser aus der Quelle. Um die ganze Schönheit des etwa 75 x 90 Meter großen Sees mit seiner Farbgebung zu sehen, muss man über einen anderen Parkplatz etwa 1 Meile auf eine Anhöhe laufen. Von dort hat man einen genialen Blick auf den Grand Prismatic Spring.

Den Tag beendete unser Besuch beim „Hausgeysir“, dem Old Faithful Geyser, Anziehungspunkt für alle Besucher des Parks. Das Besondere an diesem Geysir ist, dass man die Ausbruchszeit ziemlich genau voraussagen kann, was bei anderen Geysiren nicht möglich ist. Funfact: Der Old Faithful hat sogar einen eigenen Twitter-Account 😊. So sammeln sich zur angeschlagenen Zeit viele Besucher mit einer Kamera bewaffnet rund um die „Ausbruchsstelle“ und es sieht aus, als wäre man am roten Teppich in Hollywood. Die Länge seiner Ausbruchszeit ist unterschiedlich, von 1,5 bis 5 Minuten ist der Schnitt. Die Fontäne ist etwa 60 Meter hoch.

Wir waren zeitig am Versammlungspunkt und der Old Faithful war auch fast pünktlich. 19:10 Uhr war angeschlagen, 19:05 Uhr ging's los. Allerdings spie der Alte nur etwa 2 Minuten, dann war das Spiel vorbei. Aber wer nicht genug hatte, konnte nach etwa 1 bis 2 Stunden später sich noch einmal das Spiel ansehen.

Mit dem Ausbruch des Old Faithful Geyser war unsere Erkundung des Yellowstone NP dann auch abgeschlossen.

Mein/unser Fazit für den Besuch im Yellowstone Nationalpark:

Der Yellowstone NP ist für uns mit Abstand der schönste und interessanteste sowie abwechslungsreichste Nationalpark der USA. Wir haben im Laufe der Jahre so viele National- und State-Parks besucht und haben das für uns so festgestellt. Die beiden Tage waren voller wunderschöner Erlebnisse, aber auch absolut anstrengend. Man muss bedenken, dass der Yellowstone auf etwa 2500 Meter liegt, und das Wandern in der dünnen Luft eine zusätzliche Anstrengung bedeutet. Auch wenn wir nicht ausgesprochen Wanderungen unternommen haben, so sind wir doch jeden Tag mehr als 15 km gelaufen, und das bergauf und bergab. Über die Basins von Geysir zu Geysir oder an den vielen Hot Springs oder was es sonst noch zu sehen gab.

Anstrengend und nervenaufreibend ist aber auch die Parkplatzsituation im Park. Jedes Jahr besuchen etwa 4,5 Millionen Menschen den Park, der witterungsbedingt z.B. im Winter nur auf der Hälfte der Straßen befahrbar ist. Für all diese Menschen und damit verbundenen Autos ist viel zu wenig Parkplatz vorhanden. Lange Wartezeiten muss man ggf. in Kauf nehmen, bis man einen Parkplatz bekommen kann.

Was uns aufgefallen ist, dass wir hier – im Gegensatz zu vielen anderen Nationalparks – keine deutschen Besucher bemerkt haben. Neben den Amerikanern waren viele Chinesen und Inder anzutreffen. Wir nehmen mal an, dass es für ausländische/europäische USA-Besucher nicht so lohnenswert ist, hier her zu fahren. Wenngleich der NP auch wunderschön ist, ist man hier immer 2 bis 3 Tagesreisen von einer Großstadt mit internationalem Flughafen entfernt und außer dem Yellowstone NP gibt es hier weiter nichts Besonderes zu sehen.

Und wenn man nur auf den Jahresurlaub zurückgreifen kann, dann überlegt man sich das sicher zwei Mal.

Zum Glück müssen wir uns nicht an ein derartig enges Zeitkorsett halten 😉

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Antworten (1)

Thorsten
Was für ein Erlebnis. Ein weiterer Tag wäre sicher sinnvoll gewesen. So waren die 2 Übernachtungen im Nationalpark zwar ausreichend, um sehr viel aber dennoch nicht alles zu sehen. Allerdings hätte uns ein weiterer voller Tag sicher auch weiter an unsere körperlichen Grenzen gebracht... Somit war es ein perfektes Erlebnis, was man nur jedem ans Herz legen kann...👍👍👍

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