31.05.2019 Wien und die politische Jugend

Niemand, wirklich niemand hatte die Absicht, eine rebellische Jugend heranzuziehen. Sollten sie doch bräsig und ich-bezogen bleiben wie sie waren. Desinteressiert an allem und unverbindlich. Das ist doch viel bequemer. Die Alten regieren weiter in ihrem Interesse und alles geht seinen Lauf.

Und dann passiert auf einmal etwas Unglaubliches: Die Jugend begehrt plötzlich auf, organisiert sich, übernimmt Verantwortung und demonstriert massenhaft. Und das überall in Europa. Ich finde das großartig! Wurde auch mal Zeit. Die (19)68er sind lange vorbei. Die (20)18er haben das Potenzial ähnlich in die Geschichte einzugehen. Gerade weil so viele mitmachen. Und es werden immer mehr. Bei uns zu Hause ist das noch ausbaufähig, was die Anzahl betrifft. Was wir aber hier in Wien erleben durften, war schon eine andere Dimension. Und das in Österreich, das ja stramm rechts politisch geführt wurde. Aber auch das ist ja, zumindest aktuell, nicht mehr der Fall. Von Wien aus betrachtet, überschlagen sich hier gerade die Ereignisse. Erst die Ibiza-Affäre, die Kanzler Kurz das Amt gekostet hat. Dann die Europawahl mit historischer Wahlbeteiligung von über 60%. Auch wenn natürlich die Rechten weiterhin viel Zuspruch erfahren, haben doch gerade die Jungen endlich mal reagiert. Mittels Wahlkreuzen, Protesten und Mahnwachen sind sie in der Masse deutlich politischer als noch vor einigen Jahren. So wurde hier in Wien zum Beispiel die Fotoausstellung "Gegen das Vergessen", die Opfer des Holocaust zeigt, mehrfach von Rechten zerstört. Jetzt gibt es Mahnwachen von diversen Jugendorganisationen, die sich abwechseln und die Fotos beschützen. Darunter zum Beispiel auch die Muslimische Jugend Österreichs (MJÖ). Das sind doch mal Signale.


https://www.instagram.com/p/ByKisTIosM6/?igshid=ybrskyv67omq


Aber natürlich waren wir am meisten beeindruckt von der riesigen Demonstration für den Klimaschutz. Angeführt wurde diese von durchweg sehr jungen Rednern und heute war zusätzlich noch Greta Thunberg mit dabei. Dass diese mit demonstrieren würde, war überall angeschlagen. Wir wurden schon auf dem Weg zu U-Bahn darauf aufmerksam gemacht. 

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Also Politiker aufgepasst. Heutzutage kann man nicht nur über versteckte Kameras sein Gesicht verlieren, sondern auch wenn man die Jugend nicht ernst nimmt.Übrigens gerade kam folgende Nachricht rein: Österreich hat seine erste weibliche Kanzlerin, nämlich Brigitte Bierlein.

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