Die Katakomben von Paris waren einmal Kalksteinbergwerke und versorgten über eine Zeitspanne von fast 2000 Jahren die Stadt mit Baumaterialien.
Nun gibt es diverse Stollen bzw. ein ganzes Netz unter der Stadt. Nicht wenige nutzen das auch heute noch für illegale Erkundungen. Der für uns aber sensationellste Teil ist der des Beinhauses.
Könnt ihr euch vorstellen, dass es einmal eine Zeit gab, in der es in Paris mehr Leichen als Lebende gab? Die Friedhöfe waren übervoll. Über zehn Jahrhunderte lang wurden die Toten immer nur übereinander beerdigt, sodass eine Höhe von über 2,5 m erreicht wurde. Zum Schluss wurden die Verstorbenen nur noch in Leichengruben gekippt. Der Gestank in der Nähe soll unerträglich gewesen sein. Es heißt, dass in der Nähe die Milch sauer und der Wein zu Essig wurde. Als im Mai 1780 die Stützmauer eines überfülltes Massengrabes aufbrach und sich Leichenberge in die Keller der umliegenden Häuser ergossen, wurde per königlichen Erlass nach einer Lösung gesucht. Diese bestand am Ende darin, die Leichen unterirdisch in den Katakomben zu bestatten. Ohne Ansehen des Standes wurden alle Toten in nächtlichen Aktionen unter Begleitung von Priestern in die Stollen verbracht und übereinander gestapelt. Vorne wurde dekorativ aufgestapelt, der Rest wurde nach hinten geworfen. Innerhalb von 30 Jahren sollen so insgesamt ca. 6 Millionen Tote umgebettet worden sein.
Schon seit 1809 kann ein bestimmter Teil davon besichtigt werden. Es fand seinerzeit auch ein Konzert hier unten statt und für neuzeitigen Grusel sorgte das Angebot von Airbnb hier zu übernachten.
Uns hat die ganz normale Besichtigung gereicht und da habe ich jetzt einen konkreten Tipp für euch: Da immer nur maximal 200 Personen in die Katakomben gelassen werden, muss man in der normalen Schlange Minimum 2 Stunden warten. Dafür war uns dann doch unsere Zeit zu kostbar, deshalb haben wir uns ausnahmsweise für ein Ticket mit bevorzugtem Einlass entschieden. Das kostet je nach Anbieter ca. 30 €. Dafür geht man aber auch wirklich an der Schlange vorbei und kommt sofort hinein. Und ein Audioguide ist bei diesem Angebot auch inklusive.
Mehr als 100 Stufen auf einer Wendeltreppe und einem Drehwurm später ist man dann unten. Für die ca. 1.5 km Strecke braucht man ungefähr 45 Minuten. Erstaunlicherweise ist man auf den Wegen dann ziemlich alleine, naja mehr als 200 Personen dürfen ja auch nicht hinunter. Man will halt die zerbrechliche Kunst erhalten. Anfassen verboten gilt sowieso. Es sollen aber schon Diebe erwischt worden sein, die sich ein Souvenir mitnehmen wollten. Übrigens ist dieses Beinhaus nichts Außergewöhnliches. Früher war es üblich die Verstorbenen nach einer gewissen Zeit aus ihren Gräbern umzubetten. Das Beinhaus in Paris ist aber das mit Abstand größte. Ich könnte jetzt nicht sagen, dass ich es wirklich gruselig fand. Mir war ja bewusst, was mich erwartet. Aber spaßig, wie manch anderer, fand ich es auch nicht. Eher interessant und absolut neu und noch einmal mehr mit dem Gefühl verbunden, das wir heute doch wesentlich besser als im Mittelalter leben.
Wer nun auch Interesse hat, dies einmal anzuschauen, dem gebe ich den Rat auf jeden Fall eine Jacke mitzunehmen. Es ist dort konstant 14 Grad kalt. Und eine Toilette gibt es auch nicht!
Nun noch ein kleiner Tipp von mir für den oberirdischen Rückweg: Man verlässt ja die Katakomben an einem anderen Ausgang als beim Hineingehen. In der Regel wird euch eure App zur nächsten Metrostation, nämlich nach Mouton-Duvernet führen. Kurz davor in der Rue Sophie Germain gibt es die wunderbare Patisserie "Isabelle et Jean Alexandre". Wir haben uns hier mit etwas Kuchen und einem leckeren Baguette eingedeckt und später gemütlich gegessen.
In meinem nächsten Bericht geht es dann um einen ganz zauberhaften Ort....