Woche 5: 2.-8. Februar
Montag, 2. Februar:
In dieser Woche verbrachten wir den ersten Tag in der alten Schule, denn dort stand eine Parlamentssitzung an, natürlich von den Kindern nachgespielt und inszeniert. Das Thema war Künstliche Intelligenz und obwohl die Schüler*innen erst 9-10 Jahre alt waren, haben sie mit ihrer Performance wirklich überzeugt. Die Argumente hatten sie sich zwar vorher überlegt und sie durften nebenbei etwas spicken, aber trotzdem mussten sie diese ja glaubhaft und mit Nachdruck rüber bringen, was jedem einzelnen Kind gut gelang. Anschließend besuchten wir einige erste Klassen und schauten uns ein bisschen Tanz, Mathematik, EVS (Sachunterricht) sowie Englisch an, bevor es Mittagessen gab. Später warteten wir auf die Familie und lasen währenddessen unsere Bücher. Ich hatte nur noch wenige Seiten übrig und wollte mein Buch unbedingt fertig lesen, bevor es für uns ab Mittwoch auf einen Ausflug gehen sollte. Dies gelang mir auch und tatsächlich schaffte ich es trotzdem, kurz einen Mittagsschlaf zu machen. Danach war die Zeit endlich gekommen und ich konnte auch mal mit ins Fitnessstudio fahren. Während die anderen aber alle vor allem Krafttraining machen, hat sich meine Schwächlichkeit dazu entschieden, nur Kardio (also Laufband und sowas) zu trainieren. Als Belohnung gab es Pizza und Nudeln zum Abendessen, was mich persönlich sehr freute, weil beides mein Lieblingsessen ist und ich geboren worden bin, um Nudeln zu verspeisen. Natürlich war es nicht ganz wie daheim, aber trotzdem enorm lecker. Am Abend begann ich dann ein neues Buch.🏫
Dienstag, 3. Februar:
Nava Raipur wartete auf uns mit einem leckeren Frühstück, aber vorher fuhren wir noch mit unserer Fahrgemeinschaft zur Tankstelle. Aufgrund der vielen Arbeitskräfte im Land übernimmt selbst dort jemand den Job und tankt das Auto. Nach dem Frühstück trennte man uns wieder, sodass ich einerseits eine Mathestunde der Schulleiterin anschaute und danach viel Computer-Unterricht sah, mal theoretisch und mal praktisch. Die letzte Stunde vor dem Mittagessen verbrachte ich im Computerkabinett, um noch meine eigenen restlichen Nachforschungen für die verschiedenen Bundesländer und deren Bedingungen für das Referendariat anzustellen. Nach dem Mittagessen ging es für uns mit dem Bus nach Hause, wo wir unsere Sachen für die kommenden Tage packen mussten. Ansonsten verlief der Abend recht unspektakulär und während ich duschte, kauften die anderen noch einen Sari als Geschenk für die Braut der Hochzeit, die wir besuchen würden. Dann ging es auch schon ins Bettchen.🖥️
Mittwoch, 4. Februar:
Morgens wurde das Auto gepackt und anschließend fuhren wir zur alten DPS, damit sich Raghunath und Yashoda noch um ein paar wichtige Anliegen kümmern konnten. Gegen Mittag ging es dann los in Richtung Jabalpur, wo sich auch die Mitte Indiens befindet, da es im zentralsten Staat des Landes liegt. Mit ein wenig Musik im Ohr ließ sich die lange Fahrt (7 Stunden) gut aushalten. Währenddessen überquerten wir eine Berglandschaft, sahen Indische Languren sowie eine Eidechse (siehe Fotos) und nahmen einen leckeren Mittagsimbiss zu uns. Die Fahrt an sich war allerdings ein bisschen turbulent, denn die Straßen sind nicht so genormt wie in Deutschland. Als wir dann bei Raghunaths großem Bruder ankamen, begrüßte uns freundlichst der kleine Hund "Cookie", was ich ganz toll finde, denn das war für mich einfach "Keks die II". Nach einigen Streicheleinheiten bezogen wir unser Zimmer und nahmen ein paar Leckereien sowie Chai zu uns, bevor wir uns fertig machten, um anschließend zur Hochzeitslocation aufzubrechen. Tatsächlich war dieser Ort aber nur für die Familienhälfte des Bräutigams, was also auch Raghunaths Familienmitglieder sind. Grundsätzlich wohnen einer indischen Hochzeit mindestens 500-1000 Gäste bei. Wir begrüßten alle, hielten Smalltalk und aßen zu Abend. Danach bekamen wir noch Henna aufgemalt, was total cool aussah und so viel Mühe kosten muss, und bekamen etwas Karaoke mit. Allerdings waren wir alle sehr müde, denn wir waren ja zeitig aufgestanden und recht weit gereist, sodass wir gegen 00:30 Uhr nach Hause fuhren, uns dort bettfertig machten und schlafen gingen.🐶
Donnerstag, 5. Februar:
Ihr müsst wissen, dass deutsche Pünktlichkeit nicht mit der indischen Pünktlichkeit gleichzusetzen ist, denn die gibt es hier eher weniger. Man weckte uns um dreiviertel 10 (was sehr nett war, denn ich wollte doch so gerne mal wieder ausschlafen) und dann starteten wir ganz gelassen in den Morgen. Das Haus verließen wir erst gegen Mittag und fuhren zur Location des Bräutigams. Dort schauten wir uns ein Ritual an, bei welchem der Mann mit Kurkuma beschmiert wird, was antiseptisch ist und eine hautreinigende Wirkung zeigen soll. Auch wir beteiligten uns am Spaß und schmierten einem Fremden Gewürzpaste ins Gesicht, während wir etwas peinlich berührt "Sorry!" und "Hello!" sagten. Einige Leute tanzten, darunter auch Tina. Kurz darauf gab es Mittagessen, bevor wir uns auf den Heimweg machten, um uns dort ein wenig auszuruhen. Bis wird dort jedoch ankamen, galt es, verschiedene Zusatzmissionen zu meistern. Dazu gehörte unter anderem das Aussuchen von Bettwäsche und Teppichen in einer Schneiderei sowie das Anschauen eines indischen Buchladens (mein Verschulden, aber mich interessieren eben Buchläden in unterschiedlichen Ländern). Zuhause angekommen, wurde jedenfalls etwas entspannt und Chai geschlürft. Dann zogen wir uns um und stylten uns für die Hochzeitszeremonie (eine von vielen) und schon ging es los. Der Abend begann für uns damit, uns mit den anderen Familienmitgliedern des Bräutigams in einen Straßenzug einzureihen. Er selber ritt ein weißes Pferd und folgte uns. Bei diesem Ritual wird laute Musik gespielt, gefeiert und Feuerwerkskörper erhellen den Himmel. Man bringt den Bräutigam somit quasi zur Hochzeitslocation, wo die Familienhälfte der Braut wartet. Alle Gäste dürfen sich aus einer riesigen Auswahl von Speisen etwas zum Essen nehmen. Dann kam die Braut. Sie wurde mithilfe eines Blumenbettes von ihren Brüdern gebracht und dann auf halber Strecke von ihrem Bräutigam abgeholt. Auch dabei gab es Feuerwerk sowie einen Regen von Seifenblasen. Die Braut sah wunderschön aus. Nur kurze Zeit später entdeckten wir noch mehr Essen, obwohl wir eigentlich schon voll waren, aber es gab Pizza, also wurde der letzte Platz im Magen daran vergeben. Anschließend tanzte Tina noch ein bisschen mit den anderen und dann verabschiedeten wir uns von allen, denn es war schon reichlich spät und die Zeremonie würde sowieso bis 4 Uhr morgens gehen, wo aber normalerweise nur die engeren Familienmitglieder beiwohnen. Auf dem Rückweg lernten wir noch auf Hindi zu zählen und verschwanden dann flink im Bettchen.👩🏽❤️👨🏽
Freitag, 6. Februar:
In der Nähe von Jabalpur gibt es Marmorfelsen, welche aus dem Gestein in fünf verschiedenen Farben bestehen (gelb, grau-blau, pink, weiß, schwarz). Diese kann man besichtigen, indem man eine Bootstour über einen Fluss macht, dessen Wasser sogar trinkbar ist (aber Raghunath sagte uns trotzdem, wir sollten es lassen, wahrscheinlich weil unsere Mägen nicht bereit für eine solche Challenge wären). Im Fluss leben wohl außer Fischen auch ein paar wenige Krokodile, aber das wurde uns vom Guide lediglich erzählt, denn gesehen haben wir sie nicht. Trotzdem war der Ausblick atemberaubend, als wir zwischen den Marmorfelsen entlang ruderten (also nicht direkt wir, sondern zwei Angestellte der Bootsgesellschaft). Des Weiteren war es ein sehr friedlicher Ort, da es dort herrlich ruhig war und die Luft sowie die Atmosphäre sehr erfrischend gewesen sind. Anschließend fuhren wir noch ein Stück höher, denn dort gab es einen Wasserfall, der Teil des Flusses ist, auf dem wir vorher gerudert waren. Auch dieses Naturschauspiel war total beeindruckend. Gegen Nachmittag wurde es allerdings Zeit, zurück in die Stadt zu düsen, denn die Hochzeitsgesellschaft wartete auf uns. Dort angekommen, gab es, wie sollte es anders sein, erst einmal Mittagessen, also bedienten wir uns alle am Buffet und begrüßten die anderen (uns mittlerweile bekannten) Gäste (von Seiten des Bräutigams). Man glaubt es kaum, aber tatsächlich lernten wir an Tag 3 unserer Anwesenheit bei einer fremden Hochzeit auch endlich das Brautpaar gemeinsam kennen. Den Bräutigam hatten wir ja am Vortag bereits mit Kurkuma beschmiert, aber seine Braut hatten wir lediglich bei der abendlichen Zeremonie zu Gesicht bekommen und da konnten wir nicht interagieren. Wir stellten uns also in Ruhe vor und bedankten uns bei den beiden dafür, dass wir deren Hochzeit überhaupt beiwohnen durften. Später sollten wir erfahren, dass es Indien üblich ist, sich gegenseitig auf die Hochzeiten einzuladen. Verstößt man gegen diesen Brauch, so bricht das Verhältnis zu einander. Es sieht also so aus, als wüsste ich bereits, welche zwei Gäste ich zu meiner Hochzeit in Zukunft einladen sollte. Jedenfalls war das eine wirklich nette Begegnung. Anschließend verließen wir die Location und fuhren zurück zum Haus von Raghunaths Bruder, um dort etwas zu entspannen und Chai zu schlürfen. Am Abend trafen wir dann einen Familienfreund sowie dessen Frau zum Essen. Tinas Papa ist sogar mit dem Mann befreundet. Gemeinsam gingen wir in ein Restaurant und aßen dort. Der ganze Ausflug brachte sehr viel leckeres Essen mit sich, sowohl bei der Hochzeit als auch in eben jenem Restaurant. Und irgendwie verspeiste ich vergleichsweise viel Eiscreme in den drei Tagen. Bevor es Zeit für die Nacht wurde, fuhren wir noch einmal zur Hochzeit, hörten Karaoke und verabschiedeten uns von Raghunaths Familie.🚣🏾
Samstag, 7 Februar:
Der Heimweg stand auf dem Programm. Dementsprechend wurde das Auto gepackt und dann ging es los. Erster Halt: frisches Gemüse vom "Markt" kaufen. Hier gibt es keine Märkte in dem Sinne, sondern die Leute haben halt ihre Stände am Straßenrand, aber von der Qualität des Gemüses könnt ihr es euch ungefähr so vorstellen, wie wenn man in Deutschland zum Markt geht, anstatt es im Laden zu kaufen. Dann fuhren wir wirklich los in Richtung Raipur und hielten nur einmal beim Restaurant auf halber Strecke. Zu sehen gab es wieder einige Tiere wie Kühe, Hunde, Ziegen, Affen, aber auch einen Indischen Fuchs. Leider war dieser zu flink als dass ich ein Foto hätte machen können. Dennoch war es sehr cool, ihn zu sehen. Nach sieben Stunden erreichten wir endlich unser Zuhause und entluden das Auto. Zitat Yashoda: "Bei all dem Gepäck könnte man denken, wir haben ganz Jabalpur mitgenommen." - Ganz so viel war es nicht, aber doch schon echt nicht wenig Zeug, was wir nach oben transportieren mussten. Zum Glück gibt es den Fahrstuhl. Zusätzlich kam Radhika und begrüßte uns freudig. Wir zeigten ihr unser Henna und erzählten vom Ausflug. Danach schauten wir alle gemeinsam Cricket (Weltmeisterschafts-Gruppenspiel gegen die USA, was wir gewonnen haben, juhuuu!), duschten und aßen zu Abend. Ansonsten las ich noch ein wenig mein Buch.🦊
Sonntag, 8 Februar:
Nach solch einer ereignisreichen Woche gehört es sich, dass man in Ruhe ausschläft. Genau das taten wir bis 10:30 Uhr. Anschließend lümmelten wir noch im Bett bis 12:00 Uhr, bevor wir frühstückten. Danach hieß es wieder: Referendariatsbewerbungen, aber aus verschiedenen Gründen fliegen viele Bundesländer vorerst aus unserer Liste. Zwischendrin gab es Mittagessen, sodass wir frisch gestärkt aufgaben, nachdem wir uns für eine weitere Stunde erkundigt und zu bewerben versucht hatten. Nach einer kurzen Krisensitzung entschlossen wir uns, das Leben kurz Leben sein zu lassen und verrotteten im Bettchen. Danach schauten wir ein weiteres Cricket-Spiel, denn nun ist ja Weltmeisterschaft, zwischen England und Nepal, welches noch wirklich spannend wurde am Schluss. Außerdem wurden ein paar Seiten gelesen, bevor das nächste Match anstand. Dieses Mal zwischen Irland und Sri Lanka. Sonst passierte nicht mehr viel, außer dass ich den Blogbeitrag hier postete.🫠
➡️ Soweit für diese Woche, bis bald!