Veröffentlicht: 01.02.2026
Woche 4: 26. Januar - 1. Februar
Montag, 26. Januar:
Wie angekündigt, war an diesem Tag der Republik-Tag und während die neue Schule den Kindern frei gegeben hatte, gab es in der alten Schule ein Programm. In Indien dürfen die Schulen selber entscheiden, was an den Feiertagen gemacht wird und was nicht. Aufgrund meines körperlichen Verfalls am Sonntag, nahm ich mir heraus, den Morgen daheim zu verbringen und der Veranstaltung nicht beizuwohnen. Stattdessen schlief ich bis 9 Uhr, duschte und fuhr später mit Yashoda zur Schule, um dort, gemeinsam mit Tina, eine Person vom Management zu treffen. Wir unterhielten uns ein wenig mit ihm und wurden anschließend zurück nach Hause gebracht, wo unser Mittagessen schon bereit stand (also Tinas, weil ich ernährte mich von Schonkost). Danach ging es um die sogenannte Wurscht, denn wir versuchten Karten für das kürzlich angekündigte Harry Styles Konzert zu ergattern. Zur Auswahl standen Amsterdam und London, doch ich sah meine Chancen schwinden, als ich in der Warteschlange auf Platz 143000 landete. Mit Nummer 68000 hatte auch Tina wenig Glück, was wirklich unschön war, denn Harry ist schließlich ihr Lieblingssänger. Allerdings hatten wir die besagte Mission nicht nur zu zweit ins Auge gefasst, sondern waren gemeinsam mit Anna und ihrer besten Freundin Chiara angetreten. Mit Platz 5000 hatten wir durch Anna realistische Chancen, aber leider stürzte ihre Seite beim Checkout ab (was böse Erinnerungen bei mir hochholte, Stichwort: Eras Tour), sodass wir nun alle Hoffnung in Chiaras Nummer 7000 legten. Und dort war sie gut aufgehoben, denn Chiara schaffte es, uns vier zusammenhängende Sitzplätze mit (hoffentlich) hervorragendem Blick auf die Bühne zu ergattern. Die Mission verlief also erfolgreich für uns und wir sehen uns dann alle Vier in Amsterdam. Nach dem obligatorischen Chai am Nachmittag machte nun auch ich mich auf, um endlich Schuhe für das Fitnessstudio zu finden, da die anderen am Sonntag ausgeflogen waren und sogar Erfolg hatten. Leider sah es bei mir anders aus. Entweder waren die Schuhe sehr teuer, oder sehr hässlich. Etwas dazwischen gab es in jener Mall irgendwie nicht und da war mir mein Geld zu schade, hatten wir doch eben erst die Karten für Harry Styles gekauft. Auch beim Abendessen verzehrte ich nur Schonkost (Reis und Dal, also Linsen - und selbst das ist für einen deutschen Magen, der kaum Gewürze gewöhnt ist, gar nicht mal so schonend). Danach fuhren wir noch los, um uns kurz mit zwei von Raghunaths Familienmitgliedern zu treffen. Das war auch sehr nett.🎤
Dienstag, 27. Januar:
Ein weiterer Tag in Nava Raipur an der Schule und dieses Mal brachte ich mein eigenes Essen mit, um mich um meinen Magen zu kümmern. Allerdings waren die uns bewirtenden Lehrkräfte so lieb und hatten sich mit leichten Mahlzeiten an die Gegebenheiten angepasst. Daraufhin kam es wieder zur Trennung unserer Wenigkeiten, sodass es für mich in die Vorschulgruppe ging. Dort addierten die Kinder schriftlich. Anschließend war ich in Klasse 5, wo einige Schüler*innen ihre Projekte für einen Wettbewerb über umweltfreundliche Produkte vorstellten. Irfana (Ma'am) und ich mussten diese bewerten und die besten vier Beiträge herausschreiben. Wichtig war, dass jeweils ein Kind jedes Hauses vertreten war. Das könnt ihr euch wie in Harry Potter vorstellen. Im Schulsystem ist vorgesehen, dass es vier "Häuser" gibt. Die Kinder werden zufällig zu einer dieser Gruppen zugeordnet und alle Häuser sind in einer Klasse vertreten. Dadurch entsteht ein schulinterner Wettkampf, an dem sich allerdings verschiedene Alterklassen untereinander unterstützen können, wenn sie demselben Team angehören. Des Weiteren sah ich eine Grammatikstunde in Englisch und spielte am Ende noch ein kleines Auflockerungsspiel mit der Klasse, bevor mein nächster Weg danach in die 8. Klasse führte, wo ich eine Menge deutscher Phrasen unterrichtete. Außerdem wollten die Kinder das Alphabet sowie unsere Zahlen lernen und anschließend hatten sie Zeit, mir Fragen zu stellen. Von "Was ist Ihr Lieblingssport?" bis "Hat Deutsch wirklich so lange Wörter?" war alles vertreten. Ich habe mir also den Spaß nicht nehmen lassen und ihnen das Wort "Eierschalensollbruchstellenverursacher" beigebracht (ein wirklich deutsches Hilfsmittel, wenn man sein Ei perfekt pellen möchte). Daraufhin folgten das Mittagessen und die Busfahrt nach Hause. Dort gab es erstmal einen ausgiebigen Mittagsschlaf für eure Lieblingsomas (der Tina später den Nachtschlaf rauben sollte - ups). Wie jeden Tag gab es auch an diesem Chai (lecker) und dann kam Disha, die Tochter von Anita (unserer Köchin) und wir halfen ihr mit ihren Hausaufgaben, bis es Zeit zum Abendessen war. Danach ging es für Familie Mukherjee und ihre adoptierten deutschen Töchter ins Einkaufszentrum, um - ihr ahnt es - Schuhe für diese junge Dame (also für mich) zu finden. Und ihr werdet es nicht glauben, aber wir wurden fündig! Ich habe ganz wunderbare Turnschuhe mitnehmen können, die mir tatsächlich gefallen und die mich kein Vermögen gekostet haben. Darüber freue ich mich riesig! Die anderen kauften dann noch 1-2 Kleidungsstücke oder Dinge pro Person in weiteren Läden. Wir waren also wirklich erfolgreich und hatten noch dazu viel Spaß. Auf der Autofahrt machten es sich Yashoda und Raghunath zur Aufgabe, uns die Wörter für Kuh (gaay - "gei" gesprochen, von Tina aus Versehen "gay" genannt), Bulle (bail - "behl") und Hund (kuttā) beizubringen, was nun Teil unseres Alltagsvokabulars ist.👟
Mittwoch, 28. Januar:
Auch den 3. Tag dieser Woche verbrachten wir an der DPS Nava Raipur, wo wir unser Frühstück einnahmen. Danach kam die alltägliche Trennung und ich landete an jenem Tag in der Nursery (gleichzusetzen mit der kleinsten Kindergartengruppe), wo die Kinder circa 3 Jahre alt sind. Das ist die jüngste "Klasse", die es in der Schule gibt und deren Tag beginnt um 9 Uhr und geht bis 11:30 Uhr. Als ich im Zimmer ankam, waren die Kleinen gerade damit beschäftigt, Hindi-Buchstaben (ich meine, es waren einige der Vokale) nachzuspuren und schreiben zu üben. Anschließend durften die Mäuschen ein bisschen spielen, bevor es Zeit für die Tagesaktivität wurde. Es galt, bunte Pompons (kleine flauschige Kugeln aus Wolle) mit dem Löffel aus einem mini Wasserbecken zu fischen und jeweils ein Pompon auf einen umgedrehten Becher der gleichen Farbe zu legen. Gleichzeitig sollten die Kinder die englische Farbe nennen. Nachdem damit alle fertig waren, gab es die Mittagspause, bevor der Rest des Tages bis 11:30 Uhr für eine ausgiebige Bewegungspause genutzt worden ist. Ganz schön bewundernswert, was die klitzekleinen Mäuse alles mit 3 Jahren lernen und bereits können. Nachdem ich der Nusery-Klasse beigewohnt hatte und es für die Kinder Zeit wurde, zu gehen, führte mich der nächste Weg in die erste Klasse, in welcher ich in der Woche zuvor schon einmal war. Dort unterrichtete der Kunstlehrer. Die Schüler*innen mussten Tontöpfe mit Blumen abzeichnen und bunt anmalen. Anschließend folgte ich dem Kunstlehrer in die beiden zweiten Klassen, wo jeweils Landschaften gezeichnet wurden, welche es auch anzumalen galt. Nebenbei wurde ich von den Kindern wieder neugierig ausgefragt und verteilte fleißig mein "Autogramm" - auf Zettel, Hefte, Flaschen und sogar Hände. Die Kinder sind verrückt nach unserer Unterschrift, das ist ganz niedlich. Man fühlt sich wirklich wie ein Star. Außerdem schenken sie einem immer ganz putzige Sachen, wie kleine Notizen, oder Lesezeichen. Daraufhin gab es Mittagessen für Tina und mich, bevor uns der Bus nach Hause brachte. Dort traf ich den Kunstlehrer wieder, denn auch er reist stets mit Bus 110, was bedeutet, wir wohnen in seiner Nähe. Nach einem (dieses Mal verhältnismäßig) kurzen Mittagsschlaf, damit Tina nicht wieder Schlafprobleme bekommen würde, gab es Chai für uns alle und dann fuhren die anderen 3 ins Fitnessstudio. Obwohl ich zukünftig mitkommen möchte und werde, habe ich mich für diese Woche entschieden, vernünftig zu sein und meinen Körper zu schonen. Also schrieb ich an meinem Blogeintrag von letzter Woche, schaute das Staffelfinale von Percy Jackson, machte einige Lektionen auf Duolingo, um mein Hindi zu trainieren, und gönnte mir eine erfrischende Dusche. Nach dem Abendessen schauten wir alle unser liebstes Abendprogramm: Cricket.🖍️
Donnerstag, 29. Januar:
Diese Woche stand ein weiterer Sporttag an der alten Schule an und zwar jener der Vorschulkinder. Zuerst gab es eine kleine Yoga-Vorführung der Kleinen sowie eine Performance mit Reifen. Anschließend folgten sportliche Wettbewerbe, wie Hürdenlauf, Entenrennen, Häschenhüpfen und Sprint. Es war ganz niedlich anzuschauen, wie sich die Mäuse große Mühe gegeben haben. Die Gewinner*innen wurden mit Medaillen (unter anderem von uns beiden) und selbstgebastelten Trophäen geehrt, welche uns sehr gut gefallen haben. Gegen Mittag gab es dann Essen, bevor wir mit dem Bus (dieses Mal Nummer 1) nach Hause gefahren sind, wo das Bettchen natürlich schon auf uns wartete. Nachdem ich meine Äuglein wieder ans Tageslicht gewöhnt hatte, schrieb ich endlich den Blogbeitrag von letzter Woche fertig. Eine nette Freundin von Yashoda und Raghunath war zu Gast für den Nachmittags-Chai und dann gingen die anderen ins Gym, während Disha vorbeikam, damit wir gemeinsam den Rest ihrer Hausaufgaben (Examensvorbereitungen) erledigen konnten. Übrig war noch "Computer" und nachdem sie fleißig alles notiert und skizziert hatte, durfte sie das Neugelernte in der Praxis mithilfe unserer technischen Geräte anwenden. Anschließend tauschten wir unsere Rollen, sodass sie zur Lehrerin wurde und mir etwas Hindi beibrachte. Auf dem Plan standen die Begriffe für Familienmitglieder. Kurz darauf kamen die anderen zurück, sodass wir gemeinsam zu Abend aßen, bevor wir den Tag mit Duolingo und Lesen ausklingen ließen.🏆
Freitag, 30. Januar:
Der Tag startete chaotisch und das sollte sich nicht wirklich ändern. Ein Fleck auf Tinas Hose, verursacht von weißender Zahnpasta, bleichte diese, sodass unser kleines Reisehandwaschmittel zum Einsatz kam. Des Weiteren bekamen wir unseren heißen Chai um 7:50 Uhr und um 8 Uhr hätten wir das Haus verlassen sollen: Findet den Fehler. Waren wir jedoch in der Schule angekommen, so hatten wir einen sehr schönen Tag, denn den verbrachten wir mit der Tanzlehrerin. Sie hatte Frühstück für uns vorbereitet, bevor sie uns bis mittags einen indischen Tanz beibrachte. Spannend ist, dass diese Tänze sehr kleinschrittig sind und aus viel Fuß- und Armarbeit bestehen, da es vor allem Solotänze sind, während wir in Deutschland eher Paartänze praktizieren. Deswegen lernten wir erst einmal nur den Anfang, der aber schon eine Menge Übung erforderte. Wir hatten großen Spaß und haben uns gefreut, dass sich die Lehrkraft die Zeit für uns nehmen konnte und wollte. Sie meinte, sie wünschte, ihre Schützlinge wären genauso motiviert und lernwillig wie wir und dass es ihr auch viel Spaß machte. Danach genossen wir noch ein gemeinsames Mittagessen, bevor es nach Hause gehen sollte. Mit dem Bus...der ohne uns fuhr. Wir hatten uns natürlich vorher schon von allen verabschiedet und so liefen wir beschämt zurück ins Gebäude. Aber wir schwören, dass es nicht ganz unsere Schuld war! Es ist nämlich so: Normalerweise kündigt jemand dem Busfahrer an, wenn wir mitfahren wollen und das ist nicht passiert. Des Weiteren gab es für uns verspätet Mittagessen und das Dessert war noch nicht serviert worden. Wie unhöflich sollen wir denn sein, einfach ohne Nachtisch aufzubrechen? Das Glück war jedoch mit uns, denn Irfana kam gerade um die Ecke, auf dem Weg zu ihrem Auto, fragte, was unsere Mission sei und lud uns dann dazu ein, mit ihr und ihrer Familie nach Hause zu fahren, da sie sowieso in die Richtung mussten. Glück im Unglück. Zuhause stand das Bett frisch gestriegelt bereit für unseren Mittagsschlaf, bevor wir anschließend einen Chai zu uns nahmen und mit Disha Housie spielten. Zusätzlich brachte sie uns, gemeinsam mit ihrer Mama, etwas Hindi bei.🕺🏽
Samstag, 31. Januar:
Wie üblich handelte es sich auch bei dieser Woche um eine 6-Tage-Woche. Da lernt man die zwei Tage Wochenende in Deutschland ganz anders zu schätzen. Morgens brachen wir auf Richtung Nava Raipur, wo uns ein leckeres Frühstück erwartete, bevor es für die Grundschulkinder (Klassen 1-5) Zeit für einen Wettbewerb wurde, welcher ganz unter dem Motto "Werbeanzeige für ein umweltfreundliches Produkt" stand. Die Vorauswahl war bereits in den vorangegangenen Wochen getroffen worden, sodass dies die Endrunde war. Gemeinsam mit einer weiteren Lehrkraft durfte Tina die ersten beiden Klassen beurteilen und Punkte für verschiedene Kategorien verteilen. Anschließend folgte meine Wenigkeit ihrem Beispiel für die Klassen 3-5. Obwohl wir in Deutschland nicht so viel Wettkampfkultur innerhalb der Schulen haben (was wir beide nicht als schlecht ansehen, sondern eher als positiv, weil es das Konkurrenzdenken lockert), muss ich an der Stelle aber zugeben, dass sich die Kinder hier scheinbar mehr Mühe geben als deutsche Schüler*innen, sobald es zu einer solchen Projektarbeit kommt. Außerdem sind sie super kreativ und können schon in einem sehr jungen Alter ganz wunderbar frei sprechen. Das war jedenfalls ein toller Vormittag, welcher uns viel Freude und Spaß bereitet hat. Danach durften die Kinder an ihrem kurzen Tag auch schon nach Hause, aber wir blieben noch aufgrund von organisatorischen Terminen von Yashoda und Raghunath und vertrieben uns dementsprechend lesend unsere Zeit. Nach dem Mittagessen fuhren wir alle gemeinsam nach Hause, aßen leckeres Eis und ruhten danach. Außer einem Cricket-Spiel am Abend passierte sonst auch nicht mehr viel, außer dass wir Nati anriefen, da es ihr Geburtstag war.♻️
Sonntag, 01. Februar:
Nachdem ich den letzten Sonntag (aka den einzigen freien Tag der Woche) aussetzen musste, weil ich ihn im Bett verbracht hatte und es mir schlecht ging, freute ich mich riesig auf diesen. Obwohl der Plan war, dass wir uns um unsere Referendariatsbewerbungen kümmern würden, startet man trotzdem viel besser in den Tag, wenn man mal gediegen bis 10 Uhr ausschlafen darf. Danach frühstückten wir ganz in Ruhe mit Yashoda und sie hatte uns eine Köstlichkeit mitgebracht, die mich an die Schillerlocke beim Ottendorfer Mühlenbäcker erinnerte und welche auch tatsächlich genauso schmeckte (nur eben ohne Schokolade). Himmlisch! Danach machten wir uns an die Arbeit, aßen Wassermelone und schmierten uns Masken ins Gesicht. Alles lief gut, bis mir auffiel, dass meine Datenübertragung vom Laptop zum Tablet vor Reiseantritt wohl nicht ganz funktioniert hatte, weswegen ich in voller Maskenmontur meinen Eltern einen riesigen Schrecken einjagte, als ich sie anrief und darum bat, mir jene Dokumente über meinen Laptop zukommen zu lassen. Tatsächlich lachten sie eher über mein Aussehen, als dass sie sich erschraken, aber man darf ja wohl noch bisschen übertreiben, oder? Daraufhin gab es Mittagessen, bevor wir uns wieder in die Arbeit stürzten. Zusätzlich schrieb ich diesen Blogbeitrag, aber meine neue Strategie ist, dass ich den Eintrag nach jedem Tag schreibe, anstatt mich immer einer kompletten Woche auf einmal zu widmen, denn das kostet eine Menge Zeit. Ansonsten nutzten wir den freien Tag zum Lesen, Planen, Wassermelone verspeisen, Kleidung von Yashoda mopsen, Aufräumen und Kreuzworträtseln sowie Musik hören und duschen. Also mal zur Abwechslung ein ganz entspannter Tag, der mir als Introvertierter aber echt gut tat.🛏️
➡️ Soweit zu dieser Woche, bis zum nächsten Mal!
