Woche 8: 23. Februar - 1. März
Montag, 23. Februar:
Eine neue Woche stand an und aufgrund der bald stattfindenden Examen gab es einen neuen Plan, der kürzere Tage vorsah, sodass wir bis 8:30 Uhr schlafen konnten. In der Annahme, dass man uns an diesem Tag kein Frühstück servieren würde, weil wir erst um 10 in der Schule sein sollten, aßen wir daheim. Tja, falsch gedacht. Sobald wir die DPS erreichten, fing man uns ab, um uns etwas Essbares zu servieren. Wir kämpften uns also durch ein zweites Frühstück, was zwar sehr lecker war, aber nicht nötig gewesen wäre. Danach verbrachten wir jeweils eine halbe Stunde in unterschiedlichen Nursery-Gruppen. In meiner malten wir mit den Fingern und spielten ein Spiel. Anschließend wurde es Zeit für die Vertretung, doch alles war verwuselt, jedenfalls bei mir, denn der Plan ging einfach nicht auf, was ja aber mal passieren kann. Zuerst befand ich mich in einer ersten Klasse. Nach 5 Minuten kam jedoch eine Lehrkraft und teilte mir mit, sie müsse diese Klasse abholen und zum praktischen Computerexamen bringen. Also war die Vertretungsstunde schneller vorbei als ich gucken konnte und so gesellte ich mich ins Zimmer gegenüber zu Tina, welche gerade ein Englischquiz zur Wiederholung mit den Kindern machte. Plötzlich fing es draußen an zu regnen und das war total besonders, da es der erste Regen in Indien war, den wir seit unserer Ankunft im Januar mitbekommen hatten. Daraufhin war der Tag auch viel frischer als sonst und das tat gut. Die zweite Vertretungsstunde begann ich dann in einer 5. Klasse. Dort wollte ich EVS-Wiederholung mit den Schüler*innen machen, aber auch dort kam nach 5 Minuten eine Lehrkraft und berichtete mir von einer Verwechslung. Diese Lehrerin wollte nämlich in die Klasse in der Tina gerade war, sodass Tina meine 5. Klasse übernehmen sollte und ich wurde zurück in die 1. Klasse von davor geschickt. Man zeigte mir den Vertretungsplan, da wir normalerweise nur unsere Stunden zu Gesicht bekommen, und ich stand tatsächlich zweimal für die 4. Stunde drinnen. Na gut, was soll's? Die letzten Minuten des verkürzten Unterrichts wiederholte auch ich etwas Englisch mit der Klasse. Danach aßen wir im Konferenzraum zu Mittag mit Yashoda und Raghunath, was sehr angenehm war. Anschließend gingen wir ein bisschen in der (tatsächlich mal) frischen Luft auf dem Schulhof spazieren und trafen beim Hinterausgang einen süßen Welpen (siehe Foto), welcher aber keine Lust auf Kekse hatte und etwas scheu war (verständlich). Daraufhin fuhren wir heim und es passierte nicht mehr viel, außer dass wir auf dem Weg einige Besorgungen machten.🌧️
Dienstag, 24. Februar:
Nach einem kurzen Stau, in den auch unser Bus geraten war, erreichten wir die Schule, wo es mit dem Frühstück los ging. Danach verbrachte ich eine halbe Stunde im KG 1 und schaute mir an, wie die Kinder bereits addieren und subtrahieren konnten. Sie schrieben einen kleinen Wiederholungstest (ja, auch mit 4-5 Jahren machen sie das schon) und ich kontrollierte diesen, wobei ich nicht nur die Punktzahl dazu schrieb, sondern jeweils auch einen kleinen Kommentar ergänzte, in welchem stand, welcher Bereich dem jeweiligen Kind noch Probleme bereitete. Mein Tag setzte sich in Klasse 4 zusammen mit Tina fort. Wir brachten den Kindern etwas Deutsch bei. Anschließend unterrichtete ich noch eine dritte Klasse (meine erste), aber dies ging schief, weil meine Stimme durch die Erkältung nach den ersten 10 Minuten brach, weshalb ich den Schüler*innen nur am Anfang Deutsch beibrachte und sie dann Galgenmännchen spielen ließ, weil dort meine Stimme nicht so gefragt war. Im Anschluss an die Stunde fuhren wir kurz in ein Dorf, wo eine unserer Didis aus der Schule wohnt. Ihre Tochter hatte im Februar geheiratet und da wir der Einladung damals nicht nachkommen konnten, beglückwünschten wir sie dieses Mal bei unserem Kurzbesuch. Nach dem anschließenden Mittagessen fuhren wir nach Hause und folgten der gewohnten Routine. An sich passierte also nicht viel Besonderes an jenem Tag, wobei ich euch noch von meiner neusten Mission berichten möchte: immer, wenn wir in der Schule nach dem Essen Zeit haben, gehe ich auf Chamäleon-Suche. Bisher war ich nicht erfolgreich, aber ich gebe nicht auf und werde mein Zielobjekt irgendwann sichten.🔍
Mittwoch, 25. Februar:
Es sind noch genau 2 Monate bis wir Raipur verlassen, was bedeutet, wenn man die Woche Thailand raus rechnet, dann ist jetzt Halbzeit in Indien. Die Tage vergehen so schnell, das ist wirklich verrückt. Bald schauen wir auf dieses Vierteljahr zurück und es wird Geschichte sein, dabei hat es doch eben erst angefangen...
Aber nun zum Mittwoch: Die Nursery-, KG 1- und KG 2-Kinder hatten ihren letzten Tag in der Schule, welchen sie genutzt haben, um noch schöne Klassenfotos und -videos aufzunehmen. Das bedeutete, wir saßen draußen im Schatten, schauten zu und ließen die Seelen baumeln. Vertretungen standen an diesem Tag auch so gut wie keine an, sodass wir tatsächlich nur eine Stunde in einer vierten Klasse verbrachten und das zusammen. Tatsächlich war dies ein Hoch, denn nach all den lauten Klassen, war diese eine sehr ruhige und aufmerksame Klasse. Dadurch konnten wir die Zeit tatsächlich nutzen und den Schüler*innen etwas Deutsch beibringen - wer hätte es gedacht? Diese Stunde hat jedenfalls viel Spaß gemacht und anschließend haben wir richtig gemerkt, dass wir voller Energie waren und nicht so ausgelaugt wie sonst, wenn wir die Kinder ermahnen mussten. Bis abends war alles wie immer. Dann kamen wir Poonam Ma'ams Einladung nach und gingen zu einer Babyparty ihrer Familie. Dort schmeckte das Essen wirklich sehr lecker und es war ganz nett. Auf dem Rückweg setzten wir Radhika zuhause ab und dann begann ich eine neue Routine: 5 Minuten am Tag Hindi lesen mit Yashoda.👩🏽🍼
Donnerstag, 26. Februar:
Zu vertreten waren an diesem Tag zwei Stunden, jeweils in einer 2. Klasse. Da Tina die 3. Stunde übernehmen sollte und ich die 4., teilten wir uns in beide rein. Die Erste hat wirklich Spaß gemacht, denn die Klasse war leise und lernwillig. Am Ende wurden sie nach all dem Deutsch-Lernen zwar unruhiger, aber das konnten wir mit einem Bewegungsspiel schnell lösen. Danach kamen wir in die andere 2. Klasse, welche wirklich kaum zu bändigen war. Obwohl wir trotzdem etwas Deutsch beibrachten, hörten die Kinder leider nicht darauf, dass sie sich hinzusetzen hatten und sich leise melden sollten. Was die Vertretung anging, hatten wir also einen durchwachsenen Tag. Auch die anschließende Chamäleon-Suche blieb erfolglos. Mittlerweile sind wir übrigens bei 30+ Grad, es müssten so 32° gewesen sein. Nach meiner Erkältung schaffte ich es an diesem Tag aber trotzdem endlich mal wieder mit ins Gym und abends schauten wir alle zusammen Cricket, denn Indien spielte und gewann mit sagenhaften 256 Runs gegen Zimbabwe, die aber auch echt gut gespielt hatten.🚴🏻♀️
Freitag, 27. Februar:
In der Schule standen zwei Vertretungen an, welche mich lehrten, das jede Klasse unterschiedlich ist und Voreingenommenheit immer zu hinterfragen ist. Mein Zettel sagte mir, dass ich in einer 1. und einer 5. Klasse vertreten sollte. Dementsprechend urteilte ich innerlich nach meiner bisherigen Erfahrung und ging davon aus, dass die 1. Klasse anstrengender werden würde als die 5. Doch ich sollte mich irren. Die Kleinen waren total ruhig und leise im Vergleich zu den meisten anderen ersten und zweiten Klassen, welche ich bisher unterrichtet hatte. Außerdem waren die Kinder wirklich aufmerksam und haben toll mitgemacht beim Deutsch-Lernen und "Simon says"-Spielen. Tatsächlich überraschte mich das sehr, denn daraufhin ging ich in die 5. Klasse und diese war aufgedrehter als erwartet. Es kam also genau anders als ich gedacht hätte. Andererseits sollte man nicht vergessen, dass dies ihre letzte Stunde bei 33 Grad war (auch wenn der Ventilator an war), ab Montag Examen sind und dieses Wochenende Samstag und Sonntag frei für die Kinder war. Kurz und knapp zusammengefasst: Wir spielten Galgenmännchen und "Errate das Wort anhand der Smileys". Danach ging ich auf Chamäleon-Suche, fand stattdessen aber diese wunderschöne für mein Foto posende Libelle. Aufgrund bürokratischer Sachen kamen wir nach dem Mittagessen vergleichsweise spät nach Hause, sodass wir nur Zeit für einen Powernap und eine kleine Tasse Chai hatten, bevor uns die Lehrkräfte aus Nava Raipur für einen Ausflug abholten. Das Ziel war "Choker Dhani", was ein Ort in Raipur ist, wo man die Kultur und Aktivitäten Rajasthans kennenlernen kann. Rajasthan ist ein Staat im Nordwesten Indiens, wo es unter anderem viel Wüste gibt. Leider konnten nicht alle Lehrkräfte kommen, weil am nächsten Tag das erste Examen anstehen würde, aber mit denen, die da waren, hatten wir großen Spaß. Wir sahen traditionelle Tänze, fuhren Eisenbahn, durften auf einem Kamel reiten, bekamen für Rajasthan typisches Essen serviert und vieles mehr. Eins meiner Highlights war das "Schlangen und Leitern"-Spielfeld, welches auf dem Boden aufgemalt wurde, sodass wir es als Spielfiguren überqueren durften. Tina wäre beinahe unter den ersten drei gelandet, hat sich dann aber dank der Leitern leider wieder als Schlusslicht verkaufen müssen. Es war also ein wunderschöner Abend, aber danach waren wir sehr müde.🐫
Samstag, 28. Februar:
Um 7 Uhr war die Nacht weg, denn dieses Mal ging es für uns zurück nach Nava Raipur, wo gerade die Examenszeit begonnen hat. Dementsprechend hatten wir vorerst auch nicht viel zu tun, außer den mündlichen Examen der Vorschüler beizuwohnen. Anschließend brauchte man Tinas Hilfe in der Nursery und meine in den ersten Klassen, die aufgrund der Neuaufnahmen von zusätzlichen Schüler*innen, zusammengelegt worden waren. Kinder, die ein Examen hinter sich haben, sind schwer zu bändigen und das find ich auch verständlich, weil an deren Stelle würde ich auch lieber nach Hause wollen. Man brachte den Tag also hinter sich und war danach wirklich erschöpft. Ein kleines Erfolgserlebnis konnte ich für mich dennoch verzeichnen, denn es gelang mir, mich mit einem Kind, das meist schwieriges Verhalten an den Tag legt, auseinanderzusetzen und es dazu zu bringen, sein wahres Ich zu zeigen, indem es weniger störte und sich mehr bemühte. Nach dem Mittagessen legten wir uns daheim jedenfalls schlafen und brachen abends dann in ein nahegelegenes Resort auf. Zugegebenermaßen hielt sich unsere Lust in Grenzen, denn wir waren wirklich fertig und wollten lieber einen freien Samstagabend genießen, vor allem mit der Aussicht auf den nächsten Tag, wo man uns mit auf eine Verlobungsparty von einem Familienmitglied einer Lehrkraft nehmen wollte. Irgendwann brauchen wir eben auch mal Zeit für uns. Tatsächlich handelten wir dann aber aus, dass wir am Abend mitkommen würden, den Sonntag jedoch für uns selbst haben wollten. Generell klingt das jetzt nach Pflichtprogramm, was es nicht ist. Gezwungen werden wir zu gar nichts. Nach anfänglicher Erschöpfung stellte sich der Abendausflug dann aber tatsächlich als sehr cool heraus. Ein Schulleiter einer anderen Schule hatte uns eingeladen, denn er und seine Besetzung feierten dort das vergangene Schuljahr. Dementsprechend war auch seine Tochter dabei. Zu dritt spielten wir also "Mensch ärgere dich nicht" (was ich gewonnen hätte, wenn wir nicht für das Essen unterbrechen hätten müssen) und konnten uns danach am Buffet bedienen und ich sag's euch: Vorher hab ich schon vermutet, dass es ein 5-Sterne-Resort ist, aber beim Abendessen wurde es mir wirklich bewusst. Die Auswahl war riesig und die Teller waren voll. Es gab verschiedene Küchen und Gerichte und sogar eine Pastabar, wo sie einem die Nudeln live und nach Wunsch zubereiteten. Fast hätte ich widerstanden, denn ich hatte schon so viele andere Köstlichkeiten gefuttert, darunter auch einen Teller voller Kuchen und Torten (huch), aber dann gewann mein Herz gegen meinen Verstand und nach einem kurzen Spaziergang schnabbulierte ich eben noch eine kleine Portion Pasta. Da störte mich nicht mal die Chili, so lecker waren die Nudeln! Auf dem Weg nach Hause war ich dann aber wirklich reichlich übermüdet und Tina, Radhika und ich lachten über alles, vor allem über meinen Traum, den ich in der vorherigen Nacht gehabt hatte. Während er da angsteinflößend gewesen war, konnte ich mich später kaum halten vor Lachen, denn im Traum war ich Opfer eines berüchtigten Mörders geworden, nämlich des sogenannten "Katzenmörders von Oslo". Dieser tötet aber keine Katzen, sondern hat es auf Menschen abgesehen - verkleidet als Katze. Was das mit Oslo zu tun hat? Keine Ahnung, fragt mein Unterbewusstsein. Ich würde viel dafür geben, jetzt in eure Hirne klettern zu können, um eure Vorstellungen vom Katzenmörder von Oslo zu sehen. Zuhause fielen wir nur noch ins Bett.🐈⬛
Sonntag, 1. März:
Sonntag! Ausschlafen stand also auf dem Plan, sowie ein langsamer Morgen mit einer ausgiebigen Dusche, etwas Früchten und Rätselblöcken. Tina kümmerte sich zudem um ein paar To-Dos von ihrer Liste, während ich las. Nach dem Mittagessen machten wir uns fertig, denn im Einkaufszentrum, wo sich auch unser Fitnessstudio befindet (welches Sonntag geschlossen ist), hat ein kleines süßes Café vor Kurzem geöffnet. Das ist ganz toll, denn dort gibt's sonst nur Starbucks und das unterstützen wir auch bei der größten Lust auf Kaffee nicht. Jedenfalls gingen wir dorthin, bepackt mit einem Spiel und dem Kreuzworträtselblock, und wir wurden nicht enttäuscht. Die Auswahl war riesig und wir entschieden uns jeweils für ein Stück Kuchen. Tina nahm einen Iced Latte zu sich und ich trank einen Himbeer-Matcha, das war echt lecker. Aufgrund der Neuheit baten uns die Mitarbeitenden um ein Review, welches sie auch aufnahmen (wahrscheinlich als Werbung für Instagram). Sie gaben uns sogar drei selbstgemachte Pralinen zum Probieren, was wirklich freundlich war. Wir hatten also eine gute Zeit und brachten ein paar Pralinen nach Hause für alle zum Kosten. Zurück daheim lasen wir und kümmerten uns um Duolingo, dies das eben. Außerdem schrieb ich diesen Beitrag fertig und hier ist nun das Update für diese Woche. Oh und Indien spielt gerade um den Einzug ins Halbfinale, also die Familie ist angespannt.🍰
➡️ Inwiefern ich nächsten Sonntag updaten kann, weiß ich nicht, denn da brechen wir auf nach für eine Woche in Thailand, aber das werdet ihr ja sehen und irgendwann kommt dann auch wieder ein Update. Ich wünsche euch einen schönen März.☺️