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#59 Granada – eine faszinierende Stadt mit bezaubernden, arabischen Palästen und mit Menschen, die in Höhlen wohnen

Veröffentlicht: 02.02.2022

22. – 23. Januar 2022: Granada


J. Granada war für mich die bisher beeindruckendste Stadt auf unserer Reise. Von der Alhambra hatte ich schon lange gehört und daher wollte ich unbedingt nach Granada. Aber nicht nur die Alhambra, eine arabische Stadtburg, mit einer Festung und bezaubernden Palästen, sondern die ganze Stadt ist beeindruckend und wunderschön.
Es gibt eine Innenstadt mit riesiger Kathedrale und ein ehemaliges jüdisches Viertel, aber besonders beeindruckend ist das ehemalige arabische Viertel Albaicín.
Noch heute leben hier viele Muslime aus Nordafrika und der Stadtteil ist voller Souvenirläden, in denen man marokkanisch aussehende Lampen und Teppiche kaufen kann. Die engen Gassen in Albaicín schlängeln sich durch die weißen Häuser den Berg gegenüber der Alhambra herauf. Hin und wieder öffnen sie sich auf Plätze, auf denen Flamencogruppen Tänze voller Leidenschaft zu Livemusik präsentieren und es wunderschöne Aussichten auf die Alhambra gibt.

Flamenco Tänzer
Albaicín
Albaicín
Albaicín
das ehemalige jüdische Viertel

Granada wurde vom Jahr 711 bis 1492 von den Mauren und Nasriden (Muslime) regiert. Nachdem die Christen die Stadt erobert hatten, zwangen sie die Bewohner der Stadt sich taufen zu lassen. Viele Muslime verließen daraufhin die Stadt. Die damalige Innenstadt, Albaicín war dadurch so leer geworden, dass sich die wenigen übrig gebliebenen Reichen riesige Häuser im Stil eines Landhauses mit großem Garten drumherum bauten, sogenannte Cármenes. So erhascht man in den engen Gassen zwischen den vielen weißen Häusern immer wieder üppige Gärten hinter hohen Mauern. Das größte Carmen der Stadt wurde kürzlich für einen zweistelligen Millionenbetrag an einen Unbekannten verkauft (man munkelt der Besitzer von PSG).

Aussicht von Sacromonte auf Albaicín mit einigen Cármenes

Weiter den Berg hinauf kommt der Stadtteil Sacromonte. Als die sogenannten Zigeuner, das fahrende Volk durch eine Reform gezwungen wurden sesshaft zu werden, ließen sie sich hier nieder und bauten sich Höhlen in den Felsen. Diese Höhlen existieren auch heute noch, auch wenn die meisten von außen nicht mehr wie eine Höhle aussehen. Es wurden eine Fassade und ein Dach, oft auch noch mehrere Stockwerke hinzugefügt, sodass sie nun wie ganz normale Häuser aussehen. Wenn man aber durch eine offenstehende Tür oder ein Fenster einen Blick hineinwerfen kann, sieht man, dass mindestens das Erdgeschoss zum Teil eine Höhle ist. Im oberen Teil des Stadtteils, der nie richtig erschlossen wurde und zu dem nur Trampelpfade den Berg hinaufführen, wohnen die Menschen noch in Höhlen, die aussehen wie bei den Hobbits, nur ohne runde Tür. Oben auf die Höhle werden meistens Kakteen gepflanzt. Sie saugen bei Regen das Wasser aus dem Boden, sodass es in der Höhle möglichst trocken bleibt und hält andere Menschen davon ab, auf dem Dach der Höhle spazieren zu gehen. Für mich war es sehr beeindruckend, wie die Menschen hier leben. Oft sah es sehr gemütlich aus. Außerdem haben sie die beste Aussicht auf die Stadt und die Alhambra.

Sacromonte
Höhle in Sacromonte
Höhle direkt unterhalbb der ehemaligen Stadtmauer in Sacromonte
Höhle in Sacromonte
Höhlen am Berghang in Sacromonte
Aussicht von Sacromonte
Aussicht von Albaicín auf die Alhambra
Aussicht von Albaicín auf die Alhambra


Den ganzen nächsten Tag haben wir in der Alhambra verbracht. Die Alhambra ist eine mittelalterliche Stadtburg, die über der Stadt thront und erstaunlich gut erhalten ist. Sie wurde größtenteils von den Muslimen im 13. bis 15. Jahrhundert gebaut und gilt als eines der bedeutendsten Beispiele des maurischen Stils und der islamischen Kunst. Sie ist eine der meistbesuchten Touristenattraktionen Europas.


Eingangstor in die Stadtburg Alhambra

Die Alhambra ist allerdings nicht nur eine Burg. Sie ist zugleich Festung und Palast und beherbergt riesige Gärten.

Im vorderen Teil gibt es eine Art Festung mit mehreren Türmen von denen man die ganze Stadt überblicken kann. Hier bauten die Christen, als sie die Stadt einnahmen, Kanonenplätze und richteten die Kanonen direkt auf die Stadt. So konnten sie die Bewohner zu allem Möglichen zwingen, zum Beispiel sich taufen zu lassen.

Aussicht auf Albaicín
Aussicht auf Albaicín
Kathedrale

Hinter der Festung liegt ein großer Platz an dem gleich mehrere Paläste liegen. Der Palast Karls V. wurde nachträglich von den Christen ergänzt und erinnert mit seiner kreisrunden Form und den vielen Säulen etwas an die alten römischen Bauten. Im Vergleich zu den Nasriden Palästen nebenan, ist er aber total langweilig, eigentlich nicht mal erwähnenswert.

Palast Karls V.
Palast Karls V.

Die Nasriden Paläste sind das Highlight der Alhambra und der Grund dafür, dass sie so berühmt sind. Sie wurden von mehreren muslimischen Emiren gebaut und sehen daher sehr arabisch aus.

Diese Paläste sind wunderschön. Es gibt viele verschiedene Räume, die alle beeindrucken. Die Wände sind meistens im unteren Meter mit bunten Mosaik-Mustern und darüber mit Symbolen, Ornamenten oder arabischen Schriftzügen aus Stuck verziert. Die Türen und Torbögen verlaufen oben alle spitz zu, ähneln in der Form her etwas an eine Zwiebel, aber viel eleganter und sind im oberen Bereich alle mit unglaublich filigranen Mustern verziert. Auch die Fenster sind ähnlich aufwendig dekoriert und bieten herrliche Aussichten auf die weißen Häuser des Stadtteils Albaicín. Oft haben die Fenster aber hübsche Holzgitter davor, sodass zwar Licht, aber keine Sonne und somit auch keine Hitze hereingelassen wird. Die Fenster sind manchmal auch nur sehr weit oben, kurz unter der Decke oder Kuppel angebracht. Durch das hereinströmende Licht und den Übergang von einer achteckigen Kuppel zu einem viereckigen Raum, wirken die Kuppeln manchmal als würden sie über dem Raum schweben. Überall sind sehr dünne, fast schon filigran wirkende Säulen platziert. Besonders im Löwenhof dominieren die unzähligen Säulen die Ästhetik des Raumes und machen ihn zu einem der schönsten Orte innerhalb der Nasriden Paläste.

Die Schönheit dieser Paläste ist unbeschreiblich und lässt sich nicht in Worte fassen. Wir schlenderten durch die Räume und die Höfe und wussten vor Staunen kaum wo wir hingucken sollten. Jede Tür, jede Ecke, jede Wand, jede Nische, jede Decke, jedes Fenster war wunderschön. Es gab gigantische Fassaden, herrliche Spiegelbilder in Wasserbecken, große Torbögen und ganz kleine, filigrane Kunstwerke an den Wänden. Ich war so beeindruckt von dieser Schönheit, dass ich allein in den Nasriden Palästen fast 300 Bilder machte. Davon eine für diesen Blog geeignete Anzahl an Fotos auszuwählen, war sehr schwierig. Hier unsere kleine Auswahl.


Blick nach oben Kupel in den Nasriden Palästen
Löwenhof in den Nasriden Palästen
Löwenhof in den Nasriden Palästen

Hinter den Palästen erstreckte sich eine weitläufige Gartenanlage in der auch heute noch Gemüse angebaut wird. Außerdem gibt es noch einige Reste der ehemaligen Stadt, der Medina, die hier auf der Alhambra war. Hinter den Festungsmauern führte eine Brücke zu weiteren Gartenanlagen die den Weg zum Sommerpalast verschönerten. All dies kann auch heute noch bewundert werden.

Gemüsegarten
Sommerpalast
Sommerpalast
im Sommerpalast
eine der Kuppeln der Nasriden Paläste von außen
Blick vom Sommerpalast auf die Alhambra

Die Alhambra ist in ihrer Gesamtheit beeindruckend. Aber die Stadt Granada wäre auch ohne die Alhambra eine Reise wert, denn auch sie hat mit ihrem Charm, ihrer Geschichte und ihren verschiedenen Stadtteilen viel zu bieten.

Nun noch ein kleiner Fun-Fakt zum Schluss: Für Touristen wurde Granada erst durch Bill Clinton im Jahr 1997 so richtig interessant. Er hatte in jungen Jahren eine gute Zeit in Granada verbracht und bestand darauf, während seines Präsidentenbesuchs in Spanien auch Granada zu besuchen. Nachdem er die Alhambra besichtigt hatte, stand er zum Sonnenuntergang an einem Aussichtspunkt in Albaicín und sagte vor laufenden Kameras zu Hillary, dass er sie hergebracht hatte, um ihr hier den schönsten Sonnenuntergang der Welt zu zeigen.

Bis dahin bestand der Tourismus in Granada hauptsächlich aus Tagestouristen aus Málaga oder Sevilla, um die Alhambra zu besichtigen. Nun mussten aber alle mindestens eine Nacht in Granada verbringen, um den Sonnenuntergang zu sehen. Die Tourismusbranche in Granada ist Bill Clinton auf Ewig dankbar.


Tag 100 – Gesamttour 6.423 km


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