Salamis - Geschäfte machen auf dem Klo
Die im 11. Jahrhundert v. Chr. gegründete antike Stadt Salamis spielte etwa ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. eine bedeutende Rolle auf Zypern. In ihr lebten zeitweise circa 120.000...

Veröffentlicht: 02.11.2023
Famagusta ist eine hübsche Stadt, nur ein paar Kilometer von Salamis entfernt. Im sogenannten Othelloturm, eigentlich ein Kastell, spielt das Eifersuchtsdrama von Othello und Desdemona. Ob in echt oder nur ein Shakespeares Fantasie, ist nicht belegt. Das Stadtbild wird beherrscht von der Lala-Mustafa-Pasa-Moschee, einer ehemals gotischen Kathedrale.
Außerhalb der Stadt an der Küste wird es bizarr. Varósha, ein von Nichtmuslimen bewohnter Vorort Famagustas, stieg in den 60er und 70er Jahren zu einem mondänen Ort des Massentourismus auf. Er beherbergte circa 40.000 Einwohner sowie zahlreiche Luxushotels und Apartments. 1973 erwirtschaftete der Ort über 50 % der Tourismuseinnahmen der Insel. Promis wie Sofia Loren urlaubten dort.
Mit der Besetzung durch das türkische Militär 1974 wurde der Ort zum militärischen Sperrgebiet erklärt. Und das ist er noch heute. Ein Teil der Anlage wurde mittlerweile für Besichtigungen geöffnet, ansonsten haben ausschließlich türkische und UN Soldaten Zutritt. Die Folge ist, dass der Ort bis heute unbewohnt und total verfallen ist.
Insgesamt finde ich es beklemmend, wie oft wir auf unserer Reise über Folgen des Kriegs von 1974 und der Teilung des Landes stoßen. Die Präsenz von türkischen und UN Militärs ist enorm, und wir fahren immer wieder an Kasernen und militärischem Sperrgebiet vorbei. Für die Einwohner augenscheinlich mittlerweile normal, für uns doch sehr ungewohnt. Nachdem bei der Volksabstimmung 2004 die griechischen Zyprioten mehrheitlich gegen eine Wiedervereinigung stimmten, scheint auch keiner eine wirklich gute Idee zur Lösung der Zypernfrage zu haben. Immerhin sind seit 2003 die insgesamt neun Grenzübergänge geöffnet.
Reichlich trostlos wirkt vielfach auch die Landschaft. Bei 320 Sonnentagen im Jahr ist naturgemäß das Wasser ein Problem. Dieses wird im Norden über Pipelines aus der Türkei importiert. An Landwirtschaft sehen wir vor allem Oliven- und Granatapfelbäume. Die meisten Artikel des täglichen Bedarfs kommen aus der Türkei oder aus England und sind entsprechend teuer. Die Preise sind in etwa auf deutschem Niveau. Wie man da mit einem nordzypriotischen Einkommen über die Runden kommt, ist mir schleierhaft.
