Kartenfresser und Feigen
Tag #59 Sonntag, der 28.06. Von Librazhd bis Tirana Land: Albanien Alles passt, das Schaukeln der Hängematte war herrlich und ich bin bereit für einen frühen St


Veröffentlicht: 01.07.2026
Tag #60
Montag, der 29.06.
Pausentag in Tirana
Land: Albanien
Aufgabe eins - Bank.
Das wird auch noch vor dem Frühstück erledigt. Wer weiß, welche Optionen sich ergeben.
In der Filiale wird mir dann mitgeteilt, dass die Kreditkarte vernichtet werden wird. Alternativlos.
Ärgerlich und muss ich mit umgehen.
Immerhin kenne ich die notwendigen Zahlen auswendig und kann weiterhin online bezahlen und Unterkünfte buchen.
Dann geht's zu ner anderen Bank für Bargeld.
Klappt problemlos.
Es gibt einen mir bekannten Drogeriemarkt und so kann ich erstmal neue Zahnpasta und Elektrolyte besorgen.
Gegenüber ist ein Stand, an dem unter anderem frische Feigen verkauft werden.
Da bin ich auf den Geschmack gekommen und esse sie gemütlich am zentralen Skanderbeegplatz.
Irgendwie lande ich immer wieder dort.
Nach einem Einkauf im Supermarkt wird es dringend Zeit für ein Frühstück, wofür ich mir zur Abwechslung ein schattiges Plätzchen im Park suche.
Während ich esse bearbeite ich die kommende Strecke, die in Etappen unterschiedlicher Länge bereit gestellt wurde.
Zudem muss ich die Richtung umkehren und sie dann von einer App in die nächste übertragen.
Dabei fällt mir ein Spanner auf, der hinter einem Baum drei Jugendliche beim Volleyball beobachtet.
Achso Nein, der klaut denen die Handys aus den Rucksäcken.
Den stelle ich zur Rede, sofern das bei der Sprachbarriere möglich ist, und er wird aggressiv.
Ist auch blöd, wenn er von der Arbeit abgehalten wird.
Die Jugendlichen, die unsere Auseinandersetzung mitbekommen, missverstehen leider mein Winken, dass sie mal rüber kommen sollen.
Als die Handys auf dem Rasen landen checken sie, dass es ihre Geräte sind und holen sich diese schnell.
Sie haben ihre Handys wieder und ich den Typen immer noch an der Backe, der immer aggressiver wird.
Sonderbares Verhältnis zu Solidarität.
Meine größte Sorge gilt in der Situation allerdings meinem Fahrrad.
So groß scheint seine Not nicht zu sein, mein Brot lehnt er ab.
Schlussendlich kann ich meinen Kram zusammen packen und entferne mich.
Alles gut gegangen.
An einem anderen Ort kann ich dann weiter die Streckenabschnitte des TransDinarica organisieren.
Und gebe sie grob in der regulären App ein, für eine ungefähre Übersicht zum Streckenverlauf.
Parallel übertrage ich die Etappen mit den Kilometerangaben in mein Notizbuch.
Klingt kompliziert, ist es auch.
Am Ende habe ich dann ein gutes Gefühl, was die Strecke, Entfernung und meine verbleibende Reisezeit angeht.
Viel Aufwand, viel Entspannung.
Im Gegensatz zum Trubel um mich herum.
Tirana ist eine hektische Großstadt, wie auch schon Istanbul und Thessaloniki.
Immerhin gibt's im Zentrum, wo ich die meiste Zeit unterwegs bin, auch einige schmale Radwege und entsprechend mehr Radfahrende. Was wieder dafür spricht, dass die Infrastruktur geschaffen werden muss, und sie wird genutzt.
Nach einem Iced Coffee ist dann Kette reinigen angesagt.
Schnell habe ich Gesellschaft und es gibt einen interessierten Blick in meine Seitentaschen, als wäre es ein Supermarkt.
Mir fallen große Kontraste zwischen arm und reich auf.
Halbstarke in dicken Autos und mehr Obdachlose, als ich es anderswo gesehen habe.
Dann geht's in die Unterkunft, denn um Luft nachpumpen zu können, muss ich erst ein Ventil austauschen.
Macht Spaß, bei den Temperaturen den reifen komplett zu füllen.
Dankbar bin ich für Daves Luftpumpe, die eine Druckanzeige hat.
Das ist Gold wert, am Ende wurde ich sonst noch zu viel arbeiten.
Als ich am Abend, dann zu Fuß, in die Stadt gehe bin ich erst noch irritiert, denn überall läuft Fußball.
Irgendwann dämmert es mir, dass die WM angefangen haben muss.
Scheinbar spielt auch Albanien, denn viele tische sind besetzt und es wird gespannt auf die Mattscheiben geschaut.
Nach dem Abendessen werden die meisten Sachen eingepackt, morgen will ich früh starten.
Solange es noch kühl ist. Oder so.
Die Klimaanlage verschafft Linderung, denn jede Bewegung ist schweißtreibend und mein Appartement ist direkt unter dem Dach.
So kann ich dann immerhin entspannt wegdämmen.
Song des Tages:
Dying Fetus - Wrong One to Fuck With
