Kein Zurück
Tag #45 Sonntag, der 14.06. Von Beyciler bis Istanbul Land: Türkei Kurz nach Sonnenaufgang wache ich auf, im Zweifelsfall geweckt durch das Hundegebell in mittl


Veröffentlicht: 16.06.2026





















Tag #46
Montag, der 15.06.
Pausentag I
Istanbul
Land: Türkei
Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages. Leider fehlt mir der Clown, doch Müsli tut's auch.
Dann ist es eine Notwendigkeit den ersten Teil meiner Klamotten zu waschen, bevor es mein Plan ist nach Asien überzusetzen.
Und dann kommt alles anders, da das Leben nun mal eigene Pläne hat.
Während ich noch darauf bedacht bin in dem beträchtlichen Verkehr von keinem Auto überfahren zu werden schramme ich an einer Bordsteinkante entlang, die mehr oder weniger plötzlich auftaucht und lande prompt auf dem Bürgersteig.
Abgesehen von Schrammen am Knie und Ellbogen geht's mir gut.
Viel schlimmer ist, dass die Schaltung von meinem Rad was abbekommen hat und der Umwerfer defekt ist.
Die Kette bleibt auf dem kleinen Kettenblatt.
Fuck!
Erstmal zurück zur Unterkunft, die noch recht nah ist und sammeln.
Da ist zum einen mein Werkzeug, doch schnell muss ich feststellen, dass meine Fähigkeiten für das Problem unzulänglich sind.
Telefonieren geht ja aktuell nur über Internet, in dem Fall W-Lan, und ich erreiche Dave.
Gemeinsam suchen wir einen Fahrradladen raus, den ich dann ansteuere.
Auf dem Weg dorthin haue ich mir noch den Seitenspiegel ab.
Der hält, bis ein Auto drüber fährt.
Läuft heute richtig gut.
Der Mechaniker im Laden spricht sehr gut deutsch und will mein Rad noch heute reparieren und so habe ich Glück im Unglück, dass ich in Istanbul bin.
Meinen Wunsch das Rad abzuschließen, da er es für den Übergang an der Straße abstellt, belächelt er.
Zitat: Das ist die Türkei, nicht Italien ...
Dennoch schließe ich es ab, da bin ich zwanghaft, und lasse ihm den Schlüssel da.
Statt also nach Asien zu fahren, laufe ich durch die Altstadt und komme erstmal zum Gewürzmarkt.
Die Vielzahl an Gerüchen ist so vielfältig, dass wahrscheinlich nur Patrick Süskind (Das Parfüm) sie annähernd beschreiben könnte.
Bei einem Obsthändler finde ich Yesil Erik, die grüne säuerliche Frucht, die ich vorgestern geschenkt bekommen habe und hole mir eine Tüte davon.
Ebenso umwerfend wie die Gerüche ist das herrschende Gewusel und so lasse ich mich durch die Gassen treiben.
Im Viertel der Elektroläden mache ich mich auf die Suche nach einer neuen SD-Karte, was sich als Herausforderung herausstellt.
Entweder sie haben keine, oder es gibt keine Kartenzahlung.
In Elektronikladen hätte ich was anders erwartet.
Kurz kommt der Gedanke, dass ich wahrscheinlich der Einzige bin, der in Istanbul an der Aufgabe scheitert, doch schlussendlich gibt es eine Lösung.
Der Preis passt zu meinem verbleibenden Bargeld.
Gegen Abend ist mein Fahrrad repariert und wir unterhalten uns noch was.
Kein Wunder, dass er so gut deutsch spricht, er hat in Issum am Niederrhein studiert.
Nach einer kurzen Testfahrt und einer kleinen Korrektur bin ich wieder mobil und entscheide mich kurzentschlossen doch noch die Fähre nach Asien zu nehmen.
Effektiv ist es nur ein kleines Stück weiter, doch es aus eigener Kraft auf einen anderen Kontinent geschafft zu haben ist ein krasses Gefühl und so genieße ich jeden Moment.
Auf dem Weg zur angesteuerten Promenade komme ich an einem Friseur vorbei und lasse mir nochmal den Kopf scheren.
Gegenüber ist ein Tabakladen und ich kann meine Vorräte auffüllen.
Läuft also doch noch.
Und dann fahre ich glückselig am Meer entlang und bin Teil des bunten Treibens.
Es ist ein schönes Gefühl mit dem eigenen Fahrrad fahren zu können.
Zum einen, weil es meins ist, zum anderen, weil es wieder funktionstüchtig ist.
Im Supermarkt versorge ich mich mit Essen und mit Blick auf das Marmarameer, vorgelagerte Inseln und die Lichter auf der anderen Seite der Bucht gibt's zum Sonnenuntergang Wraps.
Dann wird es Zeit zur Fähre zurückzukehren, damit ich wieder auf die europäische Seite der Stadt gelange.
Doch dort, wo ich gelandet bin, ist der Betrieb für heute eingestellt.
Obwohl ich andere Zeiten gelesen habe.
Echt jetzt?
Kurzzeitig sehe ich mich schon eine neue Unterkunft buchen.
Ein Austausch mit Jenni ergibt, dass es von anderen Stadtteilen aus doch noch Fähren gibt.
Sehr gut, so habe ich also noch Chancen rüber zu kommen.
Habe ich schon erwähnt, dass ich keine Fähren mag, weil man so fremdbestimmt ist?
Da der Anlegeplatz auf der anderen Seite des goldenen Horns ist, das ist ein Meeresarm, der vom Bosporus abzweigt, fahre ich heute doch noch über die Galatabrücke, was ein fest geplanter Programmpunkt war.
Gegen Mitternacht komme ich endlich wieder in der Unterkunft an und schon bald bin ich eingeschlafen, völlig fertig vom Gefühlschaos des Tages.
Song des Tages:
Igorrr - Blastbeat Falafel
