Der Herbst ist da
Tag #44 Samstag, der 13.06. Von Beypinar bis Beyciler Land: Türkei Was ist das denn so kalt? Irgendwie hab ich mir die Türkei anders vorgestellt und sta


Veröffentlicht: 15.06.2026
























Tag #45
Sonntag, der 14.06.
Von Beyciler bis Istanbul
Land: Türkei
Kurz nach Sonnenaufgang wache ich auf, im Zweifelsfall geweckt durch das Hundegebell in mittlerer Entfernung.
Hoffentlich bleiben die weg, auf eine Horde wilder Hunde kann ich verzichten.
Optimistisch was das angeht kümmere ich mich erstmal gemütlich in meiner Hängematte liegend um den Bericht von vorgestern, bevor der Tag so richtig beginnt.
Die Sonne scheint und es fängt an warm zu werden.
Das ist nach meinem Geschmack.
Und dann die Erkenntnis, die Route endet abrupt.
Und zwar an der Abbruchkante eines Sandwerks.
Doch zurück bis zur Straße fahren ist keine Option und so suche ich mir einen Weg über irgendwelche Buschwege und Tierpfade.
In der Annahme, dass hier im Zweifelsfall sowieso bald alles den Baggern geopfert wird.
Und so komme ich wieder zur Route zurück und dann lande auf dem Gelände des überdimensionierten Sandkastens.
Auf jeden Fall stelle ich fest, dass hier auch sonntags gearbeitet wird, wobei die Einzigen, die was gegen meine kurzzeitige Anwesenheit haben, die beiden großen Wachhunde sind.
Langsam fahre ich, auf alle hektischen Bewegungen verzichtend, über das Gelände und rede ihnen ruhig zu.
Funktioniert und so komme ich unbehelligt wieder auf die Straße.
Zumindest kurzzeitig habe ich Asphalt unter den Rädern, ab dann gibt's vor allem Schotterpisten und Sandwege.
Es ist ein mühsames vorankommen, wenn man auch bergab bremsen muss.
An einer Wasserstelle, von denen es recht viele gibt, habe ich Kontakt mit vier Kurden. Einer der beiden Jungs spricht gut englisch und kann dolmetschen und es gibt einen netten Austausch.
In erster Linie viele Fragen zu meiner Tour.
Die Route führt mich dann über die nächste Baustelle, was bedeutet, dass der eigentliche Weg teilweise weggebaggert wurde.
Das Motto lautet, es muss weiter vorwärts gehen und so suche ich mir einen Weg einen Abhang hinauf, sodass ich meine Reise fortsetzen kann.
Oder so, denn der Weg hat wieder unnormale Fahrrinnen und schieben ist angesagt.
Unbedingt muss ich den tschechischen Routenplaner recherchieren, von dem das österreichische Pärchen geschwärmt hat. Selbst auf dem kurzen Stück das wir zusammen gefahren sind, ist deren Route auf der Straße geblieben, wo mir kleinste Pfade als Route vorgegeben wurden, nur um vielleicht drei Meter zu sparen. Dafür dann trotzdem doppelt so viel Zeit in kosten.
Alle Widrigkeiten überwindend nähere ich mich Istanbul.
Zwar fahre ich nun über Asphalt, doch die Anreise bleibt abenteuerlich, da es gefühlt eine Autobahn ist, die ich fahre.
Ganz besonders spannend wird es immer bei den zweispurigen Abfahrten.
Also ich muss geradeaus.
Wo die Autos hin wollen die von hinten angerast kommen, keine Ahnung.
Blinken scheint ebenso verpönt wie bremsen und so heißt es immer auf eine Lücke warten und dann schnell rüber.
Weiter über den Seitenstreifen.
Und je naher ich komme, um so voller wird es.
Und um so mehr staut es sich auch.
Da schlängel ich mich dann irgendwie durch, muss ja weiter gehen.
Eigentlich Pässe ich mich auch nur der Fahrweise der Roller an.
Die Hauptstraße in Gladbach wirkt gegen den Verkehr hier wie eine verkehrsberuhigte Zone.
Beschleunigen und Bremsen ist das Motto und mit Völker Konzentration schaffe ich es bis zum Bosporus.
Was für ein Gefühl.
Erstmal hinsetzen, die letzten paar Essensreste verdrücken und die Eindrücke aufnehmen.
Hatte ich zuvor noch Sorgen wegen des eincheckens, muss ich feststellen, dass diese unbegründet sind.
Für den Vermieter ist es bei der persönlichen Übergabe wie selbstverständlich, dass mein Fahrrad mit ins Appartement kommt und er ist mir behilflich beim tragen.
Als erstes nutze ich wieder die Vorzüge der Zivilisation.
Fließendes, warmes Wasser. Ein Traum.
Dann gehts los in die Stadt und erstmal an der Promenade entlang.
Alles ist so unglaublich lebhaf.
Überall sitzen Menschen zusammen.
Es wird sehr viel gegrillt, und noch mehr geangelt.
Glücklich es tatsächlich bis hierher geschafft zu haben mache ich mich auf die Suche nach Essen.
Zunächst bin ich etwas unsicher, ob ich bei meiner Bestellung übertrieben habe.
Nein, schnell ist alles verdrückt.
Ein anschließender Chai rundet die Mahlzeit ab.
Erschlagen von den Eindrücken des Tages falle ich, zurück in der Unterkunft, in einen tiefen Schlaf.
Song des Tages:
Siberian Meat Grinder - No Way Back
