Raus Raus Raus
Tag #36 Freitag, der 05.06. Von Bukarest bis Câlârasi Land: Rumänien Packen und einkaufen, inklusive neuer Zahnbürsten für mich und das Fahrrad, um den Tag über versorgt zu


Veröffentlicht: 07.06.2026






















Tag #37
Samstag, der 06.06.
Von Câlârasi bis Constanța
Land: Rumänien
[Anm.d.Red.: Achtung, langer Text! Nicko hat viel zu erzählen.]
Das war eine unruhige Nacht. Mein Wunsch blieb leider ungehört, kein Wunder bei der Lautstärke, die Leute im Nachbarcamp haben noch bis 3:00 gezaubert.
Und Unterhaltungen scheinen da keinen Platz zu haben. Oder die sind heute alle heiser.
Dazu das Gebelle von wilden Hunden, da haben auch die Ohrstöpsel nur bedingt Abhilfe geschafften
Im Gegensatz zu meinem Moskitonetz, eines für über den Kopf, das die Viecher fern gehalten hat.
Doch mein Wecker sorgt für einen zeitigen Start, da ich nach 10km eine Fähre mit vorgegebenen Abfahrtszeiten nehmen muss.
Entsprechend müde geht's los, doch für heute habe ich mir sowieso vorgenommen, es ruhig angehen zu lassen.
Die Überfahrt klappt problemlos und obwohl das Internet widersprüchliche Informationen geliefert hat, habe ich den Eindruck habe, dass die Fähre sehr regelmäßig verkehrt.
Egal, Hauptsache ich konnte übersetzen. Und kratze einmal kurz an der bulgarischen Grenze vorbei.
Und dann gibt es auf einmal wieder andere Radfahrer.
Neben einigen sportlichen Fahrer:innen begegne ich wieder einem Bikepacker.
Auf die Ferne denke ich noch, dass es ein Bauer mit seinem Wägelchen ist, doch es ist Jeff aus Schottland.
Er ist Deutschland in der Nähe vom Schwarzwald gestartet, das habe ich noch verstanden.
Noch immer Rätsel ich, von welcher Stadt aus, zu krass war der Akzent.
Auch die Unterhaltung ist deswegen für mich schwer.
Vielleicht geht's ihm mit mir genau so?
Er scheint schon sehr viel durch die Welt geradelt zu sein.
Wohlweislich weißt er darauf hin, dass bald die Zeit anfängt, in der man früh startet, eine Siesta macht, und abends wieder fahren kann.
Ich bin gespannt.
Kurze Zeit später treffe ich dann auf ein Pärchen aus Österreich, die vor kurzem ihre Rente angetreten haben und das mit einer Radreise zelebrieren wollen.
Okay, für die Rückreise nehmen sie, der Pension entsprechend, ein Kreuzfahrtschiff die Donau hoch.
Rente und Radreise, das hab ich doch schon mal gehört.
Hallo Dirk und Klaus.
Die entsprechend meiner Annahme, dass sie gemütlicher unterwegs sind als ich, vermutlich in ein paar Tagen, ebenfalls diese Strecke fahren werden, da meine heutige Route zum Teil dem EuroVelo 6 entspricht. Auch wenn ich den direkten Weg zur Schwarzmeerküste einschlage.
Zu dem üblichen wohin, woher, wie lange gesellt sich eine neue Frage.
Wie sind die Erfahrungen mit wilden Hunden?
Bisher bei allen nur unangenehm und man gibt sich Tipps.
Nach einem netten Austausch zieht es mich weiter, haben wir doch ein unterschiedliches Tempo, und man wünscht sich alles Gute.
Das einem weder der Himmel noch sonst irgendwas auf den Kopf fällt. Oder irgendwelche Drohnen den Weg kreutzen, nachdem gestern eine fehlgeleitete im Hafen von Constanța explodiert ist.
Für eine Pause finde ich einen Durchgang im Buschwerk neben der Straße und Platz unter den Bäumen am Hang.
Nur muss ich eigentlich noch dringend einkaufen und so zehre ich von meinen letzten kümmerlichen Resten.
Irritierte Blicke gibt es dann vom dem Pärchen, das dort Holunderblüten gesammelt hat, als ich wieder zur Straße komme.
Sowieso habe ich schon häufig beobachtet, wie in Rumänien die Früchte der Natur vom Straßenrand gepflückt werden.
Ein ewiges auf und ab durch eine landwirtschaftlich geprägte Gegend.
Weite Felder über ausgedehnte Hügel. Da gibt es dann auch wieder Kurven, die Abwechslung bringen.
Vereinzelt kommt mal ein Dorf.
Abzweigungen gibt es so gut wie keine und bereits seit der Abfahrt folge ich der Straße nach Constanța.
Verfahren unmöglich.
Essen, ich brauche Essen.
Ich merke richtig, dass das fahren anstrengend wird.
In einem Dorf finde ich einen "Tante Emma Laden".
Inklusive der Beiden aus der Muppet-Show davor.
Die abwinken, dass es unnötig ist mein Rad abzuschließen.
Ich vertraue ihnen und auf das, was Christopher schon gesagt hat.
Die Menschen in Rumänien seien sehr vertrauensvoll und das kann ich bisher bestätigen.
Ein paar Kilometer fahre ich noch, bevor ich Essenspause am Feldweg neben der Landstraße mache.
Es fehlt komolett an Bewuchs, der ausreichend Sichtschutz bieten würde für ein Nachtlager, also geht's weiter.
Irgendwann, so ist es ja schlussendlich ja immer, kommt ein Waldstück und ich gerate in einen Konflikt.
Den ich durch weiterfahren löse.
Das Navi zeigt 19:00 Uhr an und es sind nur noch knapp über 20km bis Constanța.
Bis zum Schwarzen Meer!
Also gib ihm, das will ich heute noch sehen.
Angekommen geht's auch erstmal durch bis zum Strand.
Zumindest bin ich darüber, und kann das Meer sehen, da die Küste steil abfällt.
Erst dann nehme ich mir die Zeit und suche eine Unterkunft.
Spontan folge ich meinem Gefühl und buche für zwei Nächte.
Eigentlich wollte ich es ja ruhig angehen lassen und sowieso erst morgen hier durch kommen.
Zu sehr verspüre ich den Drang mir einen Tag Pause zu gönnen.
Um anzukommen.
Um zu realisieren, wie weit ich es bisher geschafft habe.
Um schwimmen zu gehen.
Um auszuschlafen.
Das Fahrrad kann ich bepackt in die Erdgeschosswohnung schieben und ab an den Strand.
Es ist bereits alles dunkel und mindestens im Moment wird das Meer seinem Namen gerecht.
Das Abendessen genieße ich auf einer Strandliege, während ich dem Rauschen der Wellen lausche.
Es ist eine Herausforderung wach zu bleiben und eine letzte Aufgabe meistere ich noch.
Erfolgreich komme ich hundemüde und glücklich im Bett an.
Song des Tages:
Ween - Buenos Tardes Amigo
