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Die Huldra

Veröffentlicht: 24.06.2018

Heute Morgen von einem seltsamen Geräusch geweckt worden. Beim genaueren Hinschauen haben sich mehrere Felsbrocken, die ihren Platz in der 300 Meter hohen Wand offensichtlich als nicht mehr tragbar bzw. tragfähig erachtet haben, den Weg nach unten gesucht. Einschlagpunkt ca. 50 Meter hinterm Bulli. Es macht sich dann doch ein etwas ungutes Gefühl breit, wenn sich hinter dir etwas in der Größe eines Farbfernsehgerätes in die Wiese gräbt...aber gut, es ist ja nichts passiert.

Heute geht's mit der Flåmsbana 20 Kilometer weit und hoch in den Fjell und dann mit dem Fahrrad zurück. Die Flåmsbana ist eine der steilsten konventionellen Eisenbahnstrecken der Welt und, laut den einschlägigen Reiseführern, wohl auch jeden Øre der 520 NOK wert. Zu allererst muss ich aber noch die Horden von Kreuzfahrttouries abhängen, deren Schiff heute Morgen in aller Stille heimlich im viel zu kleinen Hafen festgemacht hat und die jetzt alle Richtung Bahnhof purzeln. Ein Glück liegt auf dem Weg zwischen Schiff und Zug noch ein Souvenir-Shop, damit hab ich locker zwei norwegische Pullies und ein Plüschrentier Vorsprung.

Die Fahrt an sich ist relativ unspektakulär. Es geht zwar stetig aufwärts aber von steil möchte man hier eigentlich nicht sprechen. Highlight der Fahrt ist eine kleine Darbietung von Studentinnen der norwegischen Ballettschule. Während eines kurzen Halts auf der einstündigen Fahrt (hier erhält der fotobegeisterte asiatische Tourist die Möglichkeit den zehnten Wasserfall der Fahrt mal nicht durch die Scheibe knipsen zu müssen) spielt jeweils eine bemitleidenswerte junge blonde Dame der Ballettgruppe eine Huldra, eine norwegische Waldfee, die laut der Sage die Männer durch ihren Gesang in den Fjell lockt. Das Ganze findet zu esotherisch angehauchter mittelalterlicher Musik statt. Schön...naja...witzig...auf jeden Fall. Der jubelnden Menge scheint's zu gefallen.

Die Huldra

Der Kjossfjossen-Wasserfall

Oben angekommen warte ich als einer der wenigen Fahrradfahrer erst einmal bis alle Züge ihre Passagiere gefunden und den Weg nach Oslo, Bergen oder eben wieder ins Tal angetreten haben, da sonst das Gleis nicht überquert werden kann. Zeit also, sich mit einem Kaffee und einer Zigarette die Gletscher der Umgebung anzuschauen. Nachdem dann auch der letzte Zug den Bahnhof verlassen hat, kann die Abfahrt ins Flåmstal beginnen. Der erste Kilometer bringt die Bremsscheiben dann auch gleich ordentlich auf Temparatur. Es geht über 21 Haarnadelkurven in kürzester Zeit massiv bergab. Die restlichen 19 Kilometer sind aber Fahrradsightseeing vom Feinsten und nach gut zwei Stunden steh ich wieder am Bahnhof in Flåm.

Bahnhof Myrdal

Flåmstal



Als krönender Abschluss des Tages darf ich dann noch einem Großereignis beiwohnen. Die Costa Favolosa verlässt mit ihren 3800 Passagieren den Hafen, wild beklatscht von einer kleinen Abordnung der 300 Einheimischen. Ob sie sich jetzt freuen weil oder dass sie abfährt lässt sich nicht abschliessend klären. Vermutlich von beidem etwas...


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