Roches de Condrieu
Hatten wir den Hafen von Roches de Condrieu bei unserer Fahrt in den Süden übersprungen, war es der Entfernung nach Lyon geschuldet, dass wir noch einen Zwischenstopp einlegten....


Veröffentlicht: 22.05.2025
Wir sind erst noch etwas unschlüssig, sollen wir fahren oder noch etwas warten, zuletzt setzt sich die Neugierde auf Lyon durch. Am Vorabend haben wir noch Gesellschaft bekommen und die beiden Herren wollten ebenfalls früh ablegen. Kurze Abstimmung mit den beiden, sie fahren schon mal los aber werden auf uns warten, damit wir zusammen schleusen können.
Wir waren dann doch schneller als erwartet und nach verlassen des Hafens war die Liberté nur 200 m vor uns. Bald zeigt sich, dass sie zwar schnell unterwegs sind, aber Gustav musste ich doch gewaltig einbremsen. Die Angabe der Liberté zu 10-12 km/h bezogen sich auf die Geschwindigkeit gegen Wasser, wir rechnen mit SOG. Bei der Strömung kam die Liberté gerade mal – 7-8 km/h SOG voran.
Das mussten wir nach der ersten Schleuse dringend ändern.
Diese kam dann nach wenigen Kilometern unterhalb von Vienne. In dem Bereich sperrt die Schleuse das ganze Tal und die Fahrt oberhalb, vorbei an Vienne, geht durch die Rhone, der übliche Schleusenkanal entfällt hier komplett.
Schnell gewinnen wir Abstand und auch die Bedenken meines ersten Offiziers, dass wir dann an der Schleuse in Lyon warten müssen, konnte ich schnell entkräften. Bei der Geschwindigkeitsdifferenz zwischen Gustav und Liberté von bestimmt 5 km/h kommen die circa 2 Stunden später wie wir dort an. Solange wird man uns nicht warten lassen.
Seit Valence sind auch wir merklich langsamer unterwegs, die Strömung auf der Rhone entspricht jetzt in etwa der des Rheines in der Loreley. Vor allem die letzten 10-12 km vor der letzten Schleuse, Écluse de Pierre-Bénite, unterhalb Lyons, haben es in sich.
An der Schleuse angekommen nimmt mein erster Offizier Kontakt auf, erst klingt alles optimistisch, die Kammer wird bereitgestellt und nachdem das Tor bereits geöffnet war, geht die Ampel wieder auf rot.
Upps,
da kommt bestimmt einer, der mehr als wir bezahlt und so war es dann auch. Ein Touriboot hat sich vorgedrängt und so durften wir dahinter in die Schleusenkammer einfahren.
Nach Verlassen der Schleuse sind es nur noch ein paar Kilometer bis zum Abzweig der Saône und dann nur wenige Kilometer bis zur Halte Fluviale LYON Confluence, so heißt das Ding in Lyon.
Der Hafen befindet sich im Lyoner Stadtteil La Confluence. Dieser entstand zwischen 1770 und 1850 durch Landgewinnung. Ursprünglich waren hier Industrie,- Handels- und Transportanlagen, Lagerspeicher und Umschlagplätze für Güter angesiedelt, diese mussten zwischenzeitlich weichen und es entstand ein architektonisches Highlight, eingefleischte Mainzer kennen das vom Zollhafen, Wohnraum für alle, den keiner bezahlen kann.
Ich will das nicht schlecht machen, der Stadtteil hat schon seine Reize, der gewachsene Teil von Lyon hat allerdings wesentlich mehr Charme und Tradition.
In der Halte Fluviale LYON Confluence wurden wir von der Hafenmeisterin mit wildem Geschrei und Gefuchtel der Arme empfangen, auf Grund der Lautstärke war mein erster Gedanke, ich mache etwas verkehrt, mein erster Offizier klärte mich dann allerdings auf, es war wohl ihre Freude, endlich mal wieder ein Schiff im Hafen zu haben. Wir waren das Einzige.
Anlegerbier, alle Schalter aus und dann noch die Formalitäten, schließlich hatten wir Lyon für einen längeren Aufenthalt auserkoren, 4-5 Tage sollten es werden.
