newzealandinspiration

„Orientierungslose Abiturienten machen sich ans andere Ende der Welt auf.“ Dieses Klischee eines neuseeländischen Backpackers erfüllen wir schon Mal komplett. Relativ spontan entschlossen wir uns Anfang August dazu, Work & Travel in Neuseeland machen zu wollen. Dass wir unbedingt ins Ausland wollten, stand zwar schon immer fest, dass es so weit weg sein würde, allerdings nicht. Von Oktober bis April 2020 waren wir also mit einem klapprigen alten Toyota Estima auf Nord- und Südinsel unterwegs, arbeiteten auf Kiwifarmen, gerieten in die Coronakrise und mussten am Ende mit der deutschen Rückholaktion nach Hause geflogen werden. Das Einzige, was wir an dieser ganzen Zeit bereuen ist aber, dass uns so viele Probleme erspart geblieben wären, hätten wir einige Dinge einfach vorher gewusst... Deshalb haben wir versucht, hier alles aufzuschreiben, was wir nur mit viel Mühe oder durch Ausprobieren herausgefunden haben. Wir hoffen, zukünftigen Backpackern damit eine Hilfe sein zu können. Außerdem teilen wir mit euch all unsere Erfahrungen und Erlebnisse. Auf und Für eine unvergessliche Zeit in Neuseeland! - Anna und Celina

-Kapitel 35- Kajaken mit "Rae Garvey 2.0"

Um den Abel Tasman Nationalpark zu besichtigen, kann man entweder den Great Walk machen, also drei Tage wandern; mit dem Wassertaxi fahren und an einem Strand abgesetzt werden, oder eben die üblichste Variante machen: kajaken. Wir wollten den Nationalpark nicht weglassen, und da kajaken sehr empfohlen wurde und die günstigste Variante war, wollten wir es dann auch ausprobieren. Wir fuhren so dicht es ging an den Nationalpark ran, zu einem Ort namens Kaiteriteri. An dessen tollen Strand gingen wir auch einen Tag baden.

Kaiteriteri Beach
Kaiteriteri Beach

Am Donnerstag, dem 29. Januar war es dann so weit. Punkt halb 8 saßen wir zu dritt in Floris Auto. Wir freuten uns, dass wir so pünktlich waren, und machten uns gechillt auf den Weg. Leider hatte ich noch was vergessen und wir mussten wieder zurück zum Campingplatz, so dass wir also doch zu spät waren. 

Flori bretterte wie ein Verrückter mit seinem Leichenwagen über die leeren Straßen, und da wir uns am Rande des Nationalparks befanden, schlängelte sie sich in unglaublich engen Kurven, die steilen Berge nach oben. Celina und ich, die zusammen auf einem Sitz saßen, mussten uns aneinander festhalten und aus dem Augenwinkel beobachten, wie Flori mit Basecap das Lenkrad umherwirbelte, stark beschleunigte und in den Kurven wieder abbremste, was ihn irgendwie wie ein Busfahrer auf Verfolgungsjagd aussehen ließ. Im Nationalpark angekommen, mussten wir erst Mal den richtigen Kajakverleih suchen. Wir wurden sofort durchgewunken und warteten dann in unserer Gruppe mit 6 anderen Leuten auf unseren Kajaklehrer, einem der unfreundlichsten Menschen, denen wir in Neuseeland begegnet sind. Er sah ein bisschen aus wie Rae Garvey, nur in blond und dünn. Hier unsere Vermutung: Er war früher Mal ein erfolgreicher Kajaker, nur jetzt kümmert sich niemand mehr darum und er verbringt seine Tage damit, nervigen Touristen wie uns kajaken beizubringen. Er zog seine Mundwinkel den Tag über nur einmal müde nach oben, als ein älterer Typ aus unserer Gruppe ihn etwas fragte, und sprach als würde ihn alles einfach nur ankotzen. Erst ratterte er monoton die Sicherheitseinweisung herunter, dann mussten wir in einem Kreis die Paddelbewegung üben, und noch weitere Grundübungen, wie das Kajak wieder umzudrehen, falls man kentert und so weiter. Celina und ich sind noch nie gekajakt, Flori nur einmal vor langer Zeit mit seiner Familie. Wir gaben unser Bestes, stellten uns aber ziemlich blöd an, und der Typ versuchte uns weitestgehend zu ignorieren. Als er allen Steuermännern erklärte, wie sie die Pedale einstellen mussten, stand er 5 Meter hinter Celina beim ersten Kajak. Die trotteligen Deutschen versuchten vergebens, Celinas Pedale zurückzuschieben. Als Rae rumkam, fragten wir ihn um Hilfe, worauf er antwortete: „Aber ich habe es doch eben erklärt.“ Erst als ich genervt „Okayyy!“ antwortete, machte er Anstalten, es Celina zu zeigen, aber „It's easy!“ konnte er sich wohl nicht verkneifen.

Ziemlich entmutigt und angespannt wurden wir nach dieser Einweisung, die sich insgesamt auf zwei Stunden gezogen hatte, zum Meer gefahren. (Rae half allen außer uns beim Tragen, so dass wir die Boote alleine auf den Wagen heben mussten). Es war Ebbe als wir ankamen, und der Traktorfahrer fuhr uns noch ein Stück übers Watt. Die Boote wurden ins Wasser gehoben, und wir sollten einsteigen. Das hat ja noch ganz gut geklappt, aber Rae war mit zwei anderen Kajakern schon 30 Meter rausgefahren, als Celina und ich in unserem Zweierkajak verzweifelt versuchten dieselbe Richtung einzuschlagen. Wir trieben am Ufer entlang und brüllten uns gegenseitig an, aber zu blöd waren wir trotzdem. Erst als ein Treckerfahrer ins Wasser gewatet kam, um uns ganz ruhig zu erklären, dass wir das Lenkteil erst ausklappen mussten, („ohh!“) konnten wir zu Rae und den anderen paddeln. Der hatte schon Mal mit praktischen Übungen losgelegt, die wir hektisch versuchten nachzumachen. Wenden, umdrehen, nach rechts drehen, nach links, wieder wenden. Wir mussten die ganze Zeit umdenken und uns absprechen, wer welche Seite des Paddels benutzen muss, und machten alles viel zu langsam. Diese Übung dauerte nicht mal fünf Minuten, weil Rae immer nur ein paar Sekunden ließ, um sie nachzumachen. Dann hörte ich, wie er sich von den anderen verabschiedete und ihnen erklärte, dass er mit uns noch mehr Zeit verbringen müsse. Das war richtig peinlich. Sichtlich genervt meinte er, dass er uns so nicht fahren lassen könnte. (Flori und ich dachten im ersten Moment, er wolle uns das Kajak nach der schrecklichen Einweisung wieder abnehmen und uns nach Hause schicken). Er fragte, wer denn am besten englisch könnte, um für die anderen zu übersetzen. Denn er war der Meinung, wir würden so schlecht kajaken, weil wir ihn nicht verstehen würden. Da hatte er sich getäuscht. Mit einem deutschen Rae wäre es mir nämlich genau so schwergefallen, rechts und links zu unterscheiden. Celina und ich hatten ein Dejavu von Tarons Kiwifarm. Niemand traute sich zu sagen, er könnte am besten englisch, denn was ist das eigentlich für eine fiese Frage? Unsere Englischkenntnisse sind alle gleich gut bzw. schlecht, wie man's eben nimmt. Zögerlich erklärten Flori und ich uns gleichzeitig bereit. Ab da redete er dann ausschließlich mit Flori (#metoo) und schrie nach jedem Satz „Translate!“ als könnten Celina und ich kein Wort englisch, dabei verstanden wir ja genauso viel wie er. Nach 5 Minuten entließ er uns endlich. Danach hatten wir eigentlich gar keine Probleme mehr mit dem kajaken. Wir kamen zwar nicht ganz so schnell voran wie die anderen, aber es machte sogar Spaß und wir fanden es auch nicht zu anstrengend. Nachdem wir eine Weile am Ebbestrand entlanggepaddelt waren, Flori immer vor oder neben uns, waren wir dann endgültig im Nationalpark. Wir konnten jede Menge wunderschöner Strände sehen, dazu gab es Dschungelgeräusche und dichten Urwald. Nach einer Stunde machten wir eine Mittagspause bei einem langen Sandstrand.

Unser nächstes Ziel war die Insel gegenüber vom Festland, bei der man Seelöwen sehen können sollte. Sie war weiter entfernt als es aussah, aber am Ende waren wir dicht genug dran, um einen riesigen Seelöwen zu sehen, der faul auf seinem Felsen lag und laut brüllte. Ein Stück weiter konnten wir noch andere sehen. Das war wirklich toll. Wo kann man sonst so nah Seelöwen sehen? Celina und ich paddelten wieder aufs Festland zu, im Glauben Flori würde uns folgen. Aber der fuhr noch weiter um die Insel und wir verloren uns. Eine halbe Stunde lang warteten wir an einem Strand auf ihn, dann machten wir uns langsam wieder auf den Rückweg, leicht in Sorge um Flori (ein paar Männer mussten uns in die richtige Richtung schieben, nachdem wir elegant ins Kajak gestiegen waren). Nach einer halben Ewigkeit kamen wir an einem 50 Meter weit entfernten Strand vorbei, an dem ein einzelner Mensch entlangging. Celina erkannte Flori sofort, und das nur am Gang :D Tatsächlich winkte er uns zu und wir warteten, bis er wieder in sein Kajak gestiegen war, und zu uns paddelte. (An diesem Strand fiel Flori sein Handy in den Sand und eine Welle schwappte darüber. Seitdem spinnt der Lautsprecher). Kurz vor dem Endpunkt hielten wir noch an einem kleinen Strand, den wir nur für uns hatten, und Celina wurde von einer Wespe gestochen.

Als wir nach 5,5 Stunden zusammen mit ziemlich vielen anderen Kajakern pünktlich am Ufer ankamen, wartete Rae schon mit ein paar anderen Leuten vom Kajakverleih. Wir räumten unser Kajak aus und wollten zurück zum Verleih fahren, aber Rae beachtete uns nicht. Stattdessen ging er einem Pärchen aus unserer Gruppe vom Morgen entgegen, die 10 Minuten nach uns angekommen waren, und hob deren Kajak auf den Wagen. Wir schleppten unser Kajak alleine zum Trecker, aber wurden weiterhin ignoriert. Als Celina und Flori das Kajak auf den Wagen heben wollten, meinte Rae ohne sie anzusehen „wait for the next“ und fuhr davon. Also saßen wir noch ein paar Minuten am Strand, nun fast alleine, weil alle anderen ja bereits auf dem Rückweg waren, und mussten den nächsten Trecker nehmen. Am Ende wuschen wir alles selbst aus, bevor wir gehen durften. Rae würdigte uns nicht eines Blickes.

Alles in allem war der Tag auf alle Fälle ereignisreich. Trotzdem sind wir uns nicht sicher, ob sich dieser Ausflug so richtig gelohnt hat...

-> Fortsetzung folgt

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