Panama City & San Blas Islands
Nachdem ich in Ecuador gefrühstückt habe, stieg ich ins Flugzeug nach Bogota. Bogota liegt in Kolumbien und stellte lediglich einen kurzen Zwischenstopp und eine Stunde...

Veröffentlicht: 02.05.2017
























Angekommen in Costa Rica nahm ich ein Taxi und fuhr ins nahe gelegene Ciudad Colon, sozusagen ein Vorort von San José. Ich wurde von Aria an einer Apotheke eingesammelt und spürte sofort, dass die Verbindung zwischen uns stimmte. Als wir dann an ihrem Haus ankamen, welches auf einem kleinen Berg liegt, stockte mir der Atem. Dieser Ort zählt mit Abstand zu den Schönsten und Zauberhaftesten, die ich jemals gesehen habe. Es ist eine Art Farm mit einem riesigen Farmhaus und in der Mitte des Hofes wächst ein gigantischer Mangobaum. Alles hier erinnert mich an die Elfenbücher, die ich früher gelesen habe. Es hat etwas Magisches. Überall stehen Leinwände, auf dem Boden liegen Bastelmaterialien, es gibt einen großen Sandkasten und überall hängen Schaukeln. Aria betreibt hier mit ihrem Mann und ihren 3 Kindern eine Art "Schule" aber so kann man es eigentlich nicht nennen. Die 10 Kinder, die hier täglich her kommen, entscheiden frei, was sie erkunden möchten. Sie sind alle zwischen 3 und 10 Jahren alt und erhalten die Möglichkeit, in der Natur ihre Kreativität frei zu entfalten. Sie entscheiden, wann und was sie lernen möchten, wann sie bereit sind, lesen oder rechnen zu üben. Alles kann, nichts muss getan werden. Es geht ums entdecken, ausprobieren und einfach machen. Man kann es vielleicht am ehesten mit einer Waldorfschule vergleichen, aber auch das trifft es nicht richtig. Hier nennen sie es "unschooling" und ich finde dieses Konzept großartig.
Aria hat mir die Farm gezeigt, wir haben zusammen Mittagessen gekocht, Eiscreme mit den Kids selbst gemacht und in der Bibliothek spanische Bücher gelesen. So toll. Am Nachmittag haben wir Cookies gebacken und danach Käfer gesammelt. Einen Frosch so groß wie eine Katze habe ich gesehen und mit Aria und ihrem Mann gemeinsam über das Reisen geredet. Am Abend wurde gemeinsam gegessen und gesungen. Es klingt vielleicht kitschig, aber ich möchte hier nie wieder weg. Die Atmosphäre hat mich komplett verzaubert. Ich denke, wenn man als Kind hier aufwachsen darf, umgeben von diesen weltoffenen Menschen in der Natur, zwischen Katzen, Vögeln, Hunden, Fröschen und Käfern hat man die besten Chancen, ein guter Mensch zu werden und seine Fähigkeiten uneingeschränkt zu entwickeln.
Am nächsten Tag unternahmen das lesbische Mädchen (sie ist auch hier untergebracht und heißt Ri- und ja, das Klischee bestätigt sich 😄) und ich mit Oliver, dem kleinen 6 jährigen Sohn der Familie einen Ausflug auf einen Berg direkt hinter der Farm. Es war kein leichtes den Kleinen dazu zu bewegen, den Berg mit uns zu erklimmen. Er blieb alle 5 Minuten stehen und brauchte einen Snack und eine Pause 😊 aber am Ende erreichten wir den Gipfel und hatten ein tollen Ausblick über die umliegende Landschaft und die Berge. Nachdem wir zurück waren spielten wir mit den Kindern und ruhten uns aus.
Am darauffolgenden Tag beschlossen Ri und ich den Braulio Carillo National Park nahe San José zu besuchen. Dort liefen wir durch den Regenwald und suchten nach Faultieren, die es dort massenweise geben soll. Alles was wir hörten, war das Gekreische von Affen in den Baumwipfeln, die sich leider so gut versteckten, dass wir keinen zu Gesicht bekamen. Der Trail war aber trotzdem total schön. Gegen Mittag began es wie jeden Tag hier in Strömen zu regnen. Das machte das Ganze natürlich noch spannender, denn die Regenwaldgeräusche und der prasselnde Regen, sowie das rauschen des Flusses direkt neben uns waren extrem eindrucksvoll. Nach etwa einer Stunde war ich so nass, dass ich wie ein Schluck Wasser durch die grüne Landschaft stapfte. Nass und dreckig beendeten wir diesen Ausflug und fuhren zurück nach Hause.
Am Sonntag hatten Ri und ich ein ganz tolles Erlebnis. Wir folgten einem Trail durch den Wald für ein paar Kilometer und sahen einen Affen durch die Baumwipfel schwingen. Wir beobachteten das Äffchen noch eine ganze Weile und waren erstaunt, welche verschiedenen Laute es von sich gab. Danach gingen wir zurück zur Farm und Aria bat mich ein Projekt für die Kinder auszuarbeiten. Ich entschied mich für etwas künstlerisches und malte die Mona Lisa auf ein großes Blatt Papier. Dies schnitt ich in 9 Teile und jedes Kind bekommt ein Puzzleteil und wird sein Teilchen dann auf ein großes Blatt malen. Am Ende setzen wir alle Teile zusammen und haben die Mona Lisa als überdimensionales Plakat, welches wir einrahmen werden. Aria fand die Idee super und wir werden es morgen mit den Kids ausprobieren. Danach fand etwas ganz besonders statt. Wir durften an einer Art religiösen Zeremonie teilnehmen. Die ganze Familie saß bei der Omi zusammen im Haus, alles war mit Blumen verziert und mit Kerzen geschmückt. Die Familie sagte religiöse Sprüche auf und las aus einem Buch vor. Danach gab es Sandwiches und das wohl beste Dessert, was ich je gegessen habe. Es bestand aus gebackener Mango in einem Haferflocken Oatmeal Crumble, glasiert mit Honig und Vanille Eiscreme über dem warmen Kuchen. Oh mein Gott das war so gut und ich werde es definitiv für meine Lieben zuhause nachbacken 😍