Wenn die Luft raus und alle Planung platt ist
Beim Frühstück wollen wir die morgige Tour auf den Monte Baldo buchen. Es gibt nur feste Ticketzeiten für Mountainbiker. Leider müssen wir enttäuscht feststellen, dass für...

Veröffentlicht: 01.09.2021














Sieben Uhr war Schluß mit schlafen, erbarmungslos klingelt der Wecker und erinnert uns, dass wir doch heute noch eine 60km lange Tour mit 800 Hm vor uns haben. Pünktlich halb Zehn sitzen wir im Sattel und radeln auf die Strecke. Es geht die ersten 16 Kilometer recht entspannt an der Küste des Gardasees entlang gen Süden. In Lazise bekommen wir einen ersten Eindruck von den überfüllten Orten in der Hochsaison. Der ganze Ort ist mit Autos, Motorrädern und Badetouristen verstopft. Auf dem Radweg ist fast kein vorankommen.
Das ist aber noch zu topen: in Peschiera kommen wir nicht schneller als die Fußgänger voran. Immer wieder fahren wir am See entlang endlos erscheinender Campingplätze. Dementsprechend voll und überlaufen sind die Wege und der Strand.
So richtig Luft holen können wir erst, als wir aus dem Ort heraus und einige Seitenstraßen weiter sind. Kaum ist man dem Trubel der Zentren entflohen, ist man fast allein auf den Straßen. Wir genießen die Fahrt durch kleine Ortschaften.
Lustig ist der Ort Cola - hat mit dem Getränk nichts zu tun, aber assoziiert dies uns doch allein schon durch den Namen. Ab hier werden die Wege schmaler, noch weniger Autos kreuzen unseren Weg. Auch werden wir zunehmend weniger von e-Bike-Fahren überholt.
Nach 33km meldet sich unser Magen und wir machen Nahe eines Spielplatzes halt. Noch bevor wir die Brötchen auspacken, mußte Christian unbedingt die kleine Rutsche am Spielgerüst ausprobieren.
Gestärkt geht es an die nächsten Kilometer. Wir kommen an einen Kanal, an welchem das Wasser uns scheinbar vom Tal nach oben entgegenkommt. Besonders Ulf als Technikfan kann es nicht lassen, sich permanent einen Wunderbeutel umzuhängen und Christian zu nerven, wie denn denn das sein kann. Vielleicht ist es doch nur eine optische Täuschung? Wir werden später das Internet dazu befragen.
Jetzt wird es ernst: Wir haben einen Anstieg um beinahe 200Hm auf 2km vor uns. Wir sind uns selbst dankbar, dass wir an dem gestrigen Tag uns nur eine kleine Runde „gegönnt“ haben. Wir kämpfen uns Meter für Meter nach oben. Als wir dachten, dass wir es geschafft haben, führte uns der Weg in den Wald auf einen steilen mit Geröll übersäten Pfad noch weiter steil nach oben. Ab hier waren wir ganz allein unterwegs. Zu hören war nur unser schwerer Atem und das Rauschen der Windräder auf den nahenden Gipfeln. Vom Monte Mesa aus hatte wir ein fantastische Aussicht in die umliegenden Täler und zu den Burgen „Wohlgemut“ und „Mollinary“.
Nachdem die letzten Meter des Singeltrails überwunden waren, ging es über gut befestigte Wege ruck zuck ins Tal zurück in Richtung Bardolino.
Hart bremsen mußten wir, als unzählige kleine stachlige Kugeln auf dem Weg eine rasante Weiterfahrt verhinderten. Eine Eßkastanie mit vielen Früchten hat schon begonnen, ihre stachelige Früchte vom Baum zu werfen. Einen Beutel voll mußte Ulf einsammeln, da half auch kein Jammern über das piksen und stechen der stachligen Hülsen.
Jetzt aber rasant bergab weiter zum See! Wir finden die gleiche Stelle wie gestern für unsere absolut notwendige Abkühlung.
Heute wollen wir nicht selber kochen und genießen wiederholt die italienische Küche im „el soreie“. Krönender Abschluss für Christian: der doppelte Nachtisch!
Morgen geht es dann schon wieder zurück. Um für die lange Autofahrt gewappnet zu sein, heißt es nun in diesem Jahr zum letzten Mal:
Zähne putzen, pullern, ab ins Bett!
