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Donnerstag 2022/09/22

Noch einmal eine kurze Geschichte. Deren erster Teil beginnt bereits 1908. 

Damals lebte der Maler Piet Mondriaan – ja der mit den gelben, blauen und roten Quadraten und den schwarzen Linien auf weissem Grund – für eine Zeit in Westkapelle nahe Domburg. In dieser Zeit malte und skizzierte er verschiedene Ansichten der Umgebung: Dünenlandschaften, Windmühlen, Kirchen, Bäume. Und den grossen Leuchtturm von Westkapelle, den t’ Hoge Licht (das grosse Licht). Das Bild ist weltberühmt und hängt im Kunstmuseum von Den Haag. Das war uns aber völlig unbekannt – man kann ja nicht jedes weltberühmte Bild kennen!

Und so beginnt der zweite Teil dieser Geschichte. Am vergangenen Sonntag machten wir eine Radtour von Vrouwenpolder nach Domburg (Blog vom 18. September «Wind & Wellen»). Von da aus ging es bei strengem Wind der Küste entlang weiter nach Westkapelle. Der Ausblick über die stürmische Nordsee ist schlicht atemberaubend. Vom äussersten Zipfel der Halbinsel fahren wir bis zum Ende des schmucken Städtchens Westkapelle – in Holland sind alle Städtchen schmuck. Dort steht ein 53 Meter hoher Turm, den man als Ortsfremder weder als Kirchturm, noch als Leuchtturm identifizieren kann. Ist aber besteigbar, was uns immer eine Zusatzanstrengung wert ist. Die Welt von oben hat nun mal eine andere Perspektive!

Auf halbem Weg, der Turm hat sechs Etagen, gelangen wir in einen lichten Raum, in dem reihum Ölbilder von einem einheimischen Künstler aufgehängt sind. Da steht noch ein Bild auf einem Holztischchen, das uns gleich ins Auge fällt. Darauf zu sehen ist ein Bild von einem Leuchtturm auf einer Malerstaffelei vor Wolkenhimmel. Es hat irgendwie etwas surrealistisches. Im Vorbeigehen noch schnell ein Blick auf die Preisliste, nur so interessehalber. Die Preise sind akkurat. Dann nach oben aufs Dach und die herrliche Aussicht über das Städtchen geniessen. Anschliessend zurück auf den Camping in Vrouwenpolder.

Beim Nachtessen kommt die Sprache auf das Leuchtturmbild, das wir in Westkapelle gesehen haben. Wäre doch schon ein tolles Ding und wir hätten dafür zu Hause gerade noch einen Platz frei, wo es hinpassen würde. Aber nochmals nach Westkapelle? Und wie das Bild, immerhin 70x70 cm gross, auf der weiteren Reise transportieren? Aber reizvoll wäre es schon… Ich beschliesse am Montagmorgen, kurz vor unserer Weiterreise nach Zevenhuizen, eine E-Mail an das Leuchtturmmuseum zu schicken. Einfach mal so, um zu schauen, ob vielleicht nach zwei, drei Wochen eine Antwort kommt.

Am Nachmittag, kurz nach unserer Ankunft in Zevenhuizen, kommt bereits eine Antwort: «Sie können das Bild gerne kaufen und entweder am Dienstag, Donnerstag oder Freitag bei uns abholen. Bitte teilen Sie uns mit, wann Sie kommen, damit wir auch den Künstler informieren können.» Wir entscheiden uns für Donnerstag.

Und so sind wir gestern nochmals die gut 150 km nach Westkapelle gefahren, um das Bild abzuholen. Wir wurden von den Damen, die das kleine Museum und die Bilderausstellungen betreuen, freundlichst empfangen. Und siehe da, auch Jan van Schalwijk, der Künstler, war zugegen. Die Übergabe hat reibungslos geklappt und wir haben von Jan noch viel über die Projekte erfahren, die er früher realisiert hat, unter anderem Bühnenbilder für die Oper in Amsterdam und Bühnendekors fürs niederländische Fernsehen. Wir haben uns dann freundlich verabschiedet und sind mit unserer Neuerwerbung zufrieden zurück nach Zevenhuizen gefahren. Nicht ohne vorher noch beim Leuchtturm t’ Lage Licht – auch Noorderhoofd genannt – einen Zwischenstopp einzuschalten, um ein paar Fotos zu schiessen. Denn schliesslich ist er derjenige der beiden Westkapeller Leuchttürme, der auf dem Bild drauf ist.

Übrigens: Piet Mondriaan war zum Malen in Domburg und Westkapelle wegen des unvergleichlichen Lichts, das es nur einmal auf der Welt gibt, nämlich hier auf Zeeland. Und wir sind überzeugt, dass auch etwas von diesem ganz besonderen Licht auf unserem Leuchtturmbild zu sehen ist.

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