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Eis schlotzen in den Bergen Montenegros

Veröffentlicht: 24.11.2018

Das Wetter verschlechtert sich nach Heidis Abreise deutlich und das Trampen wird dadurch unangenehmer. Deshalb steigen wir an einer Haltestelle in Dubrovnik blindlings in den nächsten Bus ein und landen in einem kleinen Dorf Mlini nicht weit von Dubrovnik entfernt. Dort verbringen wir ein paar Tage, in denen wir den Regen und das Gewitter draußen ließen. Wir misten unsere Rucksäcke weiter aus, damit wir mit ihnen auch Wandertouren unternehmen können und wir organisieren uns neu, und überlegen wie die Reise nun mit dem nahenden Winter weiter gehen soll. Wir schalten in einen sehr ruhigen und bequemen Modus, den wir aber nach ein paar Tagen unbedingt wieder verlassen wollen und deshalb planen wir in die Berge Montenegros zu gehen.

Mit dem Bus fahren wir nach Herceg Novi, wo wir am Abend noch bei einer Familie, wo wir wohnen, an einem orthodoxen Fest teilhaben dürfen. Die Gäste sind schon weg, aber es gibt noch reichlich Essen und zwar jede Menge Fisch und Aal in allen möglichen Formen, für Miriam eine echte Mutprobe. Von Herceg Novi führt ein Fernwanderweg über die Berge nach Kotor  (ca. 60km). Problematisch an dieser Strecke sind fehlende Einkaufsmöglichkeiten, da man sich fast nur in den Bergen aufhält und durch fast keine Dörfer kommt. Ausgerüstet mit 4 Laib Brot, einem fetten Stück Käse, einigen Schokoriegeln und 4 Flaschen Wasser wollen wir es einfach mal probieren und ziehen los in die Berge. Als wir anfangs ein kleines Bergdorf passieren, schließt sich uns ein lieber Hund an, der anscheinend genauso abenteuerlich unterwegs ist wie wir und er begleitet uns. Zwar sehen wir ihn auch oft einige Zeit nicht, da seine Neugier ihn ins tiefe Gestrüpp zieht, doch er wartet immer irgendwo auf uns. Als wir Pause machen teilen wir unser Brot mit ihm. 

Der große Rucksack wiegt schwer auf unseren Schultern und der Weg hat es in sich. Steil geht es berghoch und wir müssen über Felsplateaus klettern, was sich wie Treppensteigen anfühlt und mit dem Rucksack nicht einfach zu bewältigen ist. Die Aussicht ist es aber wert. Der Weg zum ersten Gipfel Subra auf 1679 Meter Höhe zieht sich in die Länge und wir denken oft, endlich haben wir es geschafft und dann taucht aus dem Nichts ein noch höherer Gipfel auf. Somit legen wir 1300 Meter Höhe zurück und als wir oben ankommen, haben wir eine atemberaubende Aussicht über die Wolken in der Abendsonne. Doch die tiefstehende Sonne bedeutet auch, dass wir dringend einen Zeltplatz suchen müssen und der felsige und schneebedeckte Gipfel sieht nicht so aus als können wir hier unser Lager aufschlagen. Wir steigen vom Gipfel ab, in der Hoffnung bald eine grasbedeckte Ebene zu finden, doch als der weitere Weg in Erscheinung tritt, lösen sich unsere Hoffnungen in Luft auf. Die beste Lösung ist es etwas unterhalb des Gipfels unser Zelt auf einen Felsvorsprung zu quetschen. Wir haben keine andere Wahl als auf 1600 Meter Höhe auf Schnee zu campen und in Voraussicht auf die eiskalte Nacht ziehen wir uns alle Klamotten die wir besitzen übereinander an. Wir machen uns Sorgen über den Hund, der uns kurz vor Sonnenuntergang verlässt und der irgendwo einen Unterschlupf finden oder im Dunkeln über Felsspalten zurückklettern muss. Unser Plan war eigentlich ihn mit ins Zelt zu nehmen. Direkt am Abhang zu campen gibt uns ein mulmiges Gefühl und am nächsten Morgen war unser Zelt zugefroren und mit Eiskristallen überzogen, aber wir haben die Nacht heil überstanden.

Unsere Freude darüber, dass die Nacht gar nicht so schlimm war wie gedacht, endet abrupt, als wir uns an den weiteren Abstieg machen. Der Boden ist komplett mit harten Eisplatten überzogen und eine steile Karstwand streckt sich hunderte Meter in die Tiefe. Immer wenn wir denken die schlimmste Stellen überwunden zu haben, kommt ein neuer kniffligerer Teil, der uns oft den Angstschweiß auf die Stirn treibt. Wir stellen fest, dass wir uns auf einem vereisten Klettersteig befinden und zum ersten Mal haben wir uns bei einer Wandertour überschätzt. Doch es gibt für uns kein Zurück mehr, denn die zurückgelegte Strecke hat schon eine Stunde gedauert und wir hoffen es bald geschafft zu haben. Manchmal versuchen wir uns auf allen Vieren den Hang hinunterzubewegen, wir ziehen unseren Rucksack ab und warfen ihn ein Stück voraus oder wir müssen Eisplatten mit dem Schuh zertrümmern. Dabei löst sich unsere letzte Wasserflasche, die mit lautem Krachen den Abhang hinunter fällt. Nun haben wir nichts mehr zu trinken, aber in dem Moment müssen wir einfach über die Situation lachen, in die wir uns gebracht haben. Nach vier Stunden, in denen wir im Scheckentempo vorangekommen sind, haben wir die gefährlichsten Passagen geschafft. Allerdings besitzen wir kein Wasser mehr und so essen wir den herumliegenden Schnee. Als wir den Wald erreichen, waren wir so erschöpft, dass wir unser Zelt aufbauen, ein Lagerfeuer machen und in unserem Topf Schnee schmelzen. Das Wasser schmeckt allerdings so rauchig und nach Erde, dass wir es nicht trinken wollen. So macht sich Jakob auf noch ein letztes mal ein Stück den Berg hinaufzusteigen, denn dort kann man mit einem kleinen Umweg eine Stelle erreichen, wo Wasser von den Felswänden tropft. Nach einer halben Stunde sind die Flaschen aufgefüllt und nach dem nervenaufreibenden Abstieg schmeckt uns das Wasser so gut, wie schon lange nicht mehr.

Wir beschließen den Fernwanderweg nicht weiter zu gehen, da ein noch höherer Gipfel vor uns liegt und im November die Wetterverhältnisse zu unberechenbar sind. Wir steigen in ein kleines Bergdorf ab, von wo wir zurück nach Herceg Novi trampen wollen. Erschrocken stellen wir fest, dass dieses Dorf wirklich sehr klein ist und die meisten Häuser unbewohnt wirken. Als das einzige Auto, dass wir weit und breit entdecken auf uns zu fährt, halten wir es an. Die zwei Frauen in dem Auto fahren tatsächlich wieder zurück und wir können einsteigen. Die Fahrt um die Berge dauert 45 Minuten und wir sind froh, dass wir nicht zurücklaufen müssen. Von Herceg Novi fahren wir mit dem Bus nach Kotor weiter. Dort suchen wir über eine Stunde in den verwinkelten Straßen nach der richtigen Hausnummer unserer Airbnb Unterkunft, fragen ein duzend Leute nach dem Weg und lassen einige auch für uns die Vermieterin anrufen. Schließlich finden wir die Nummer 444 und können uns endlich in unserem Zimmer ausruhen. Die Wanderung werden wir so schnell nicht vergessen. 

Antworten (2)

Ida
Wow, das klingt echt nach einem Abenteuer!

nononwil
Zum Glück ist alles gut gegangen. Tolle Bilder!

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