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Wieder in Chaitén - mit mehr Zeit und besserem Wetter

Die Busfahrt von Puerto Montt nach Chaitén über die Ruta Bimodal ist traumhaft schön. Insgesamt dauert sie 9h, davon verbringt man aber mehr als die Hälfte auf 3 verschiedenen Fähren (auf denen es übrigens auch kein Wasser zu kaufen gibt, nicht mal Tee! Powerade-Verschnitt und Kaffee sind die einzigen, käuflich zu erwerbenden Flüssigkeiten an Bord). Die Wettergötter meinen es mal wieder gut mit uns und so verbringen wir die Fahrten durch diverse Inseln, vorbei an Wasserfällen, Vulkanen und Bergen bei strahlendem Sonnenschein auf dem Meer. Hier hören wir auch vermehrt wieder Deutsch und wir müssen aufpassen, dass wir nicht wie sonst munter über unsere Mitmenschen plappern, da uns ja normalerweise eh keiner verstehen kann ;-) Doch Puerto Montt ist der Startpunkt der touristisch beliebten Carretera Austral, eine 1.350 km lange Straße die hinunter bis Villa O'Higgins führt, wo (zumindest aktuell) Ende ist und man erst mal auf argentinische Seite wechseln muss, um weiter in den Süden zu kommen. Viele Touristen aus aller Welt wollen diese Straße befahren, entweder mit dem Fahrrad, mit dem eigenen Auto oder auch als Tramper. Das erste Stück bis Chaitén legen wir also mit Bus + Fähren zurück. 

In Chaitén angekommen haben wir uns dieses Mal eine etwas schönere Unterkunft gesucht, mit außerordentlich liebenswürdigen (argentinischen) Besitzern. Wir haben sogar eine blitz-saubere, neue high-tech Dusche im Badezimmer, mit 3 verschiedenen Brausen. Ok, mal davon abgesehen, dass beim ersten Duschversuch das ganze Wasser unterhalb der Dusche wieder rausläuft, der Besitzer kommen muss, die Duschkabine einfach munter zur Seite schiebt (ok, ist wohl doch nicht ganz so high-tech...) und eine Viertel Stunde rumdoktort bis sie dicht ist, ist das doch gar nicht so übel :) In Chaitén bleiben wir 3 Nächte, um am 23.12. dann mit dem Bus nach Coyhaique zu fahren. Alles perfekt abgestimmt, denn dieser Bus fährt nur zweimal die Woche. Nachdem eine Reservierung der Tickets via E-Mail nicht möglich war und man diese nur in einem bestimmten Büro in Chaitén bekommt, ist das auch das erste was wir machen. "Es ist allerdings noch nicht sicher, ob der Bus wirklich fährt, er meldet sich gerade nicht bei mir", ist genau DIE Antwort, die man hören will. Also gehen wir am nächsten Tag erst mal wandern, in einem der schönsten Nationalparks die wir gesehen haben: Der Parque Pumalín. Der reiche US-Amerikaner Douglas Tompkins, Mitbegründer von Esprit und North Face, kaufte mit seiner Frau 825.000 h Land und machte es zum Nationalpark, um es so vor Abholzung und Zerstörung durch geldgierige Konzerne zu schützen. Es gibt einige Wanderwege im Park, zwei davon laufen wir. Und sie sind unbeschreiblich! Die Wege sind komplett aus altem Holz gebaut, es gibt Stege, Treppen, Hängebrücken die durch eine dschunglige Landschaft führen, so tief in die Natur durchdringen, wie sonst ohne Machete kaum möglich. Und trotzdem sind die Wege so gestaltet, dass die Natur dadurch nicht gestört wird. Wir kommen auch an hunderte von Jahren alten Alercen vorbei, die teilweise leider von der Dummheit einiger Menschen nicht verschont blieben. Das ist der Nachteil eines kostenlosen Nationalparks, in dem jeder frei, ohne Guide, herumlaufen kann. Traurig, aber wahr. 

Auf dem Rückweg werden wir von einem chilenischen Weihnachtsmann mitgenommen, der das ganze Auto voller Geschenke für seine Familie hat, uns aber trotzdem ein bisschen Platz schafft (und sich auch noch tausendmal dafür entschuldigt!). Als wir erzählen, dass wir aus Deutschland sind, freut er sich, denn er hat auch deutsche Vorfahren. Sein Nachname ist "Zwanzger" und er steht auf deutsche Musik! Keine Minute später trällert bayrische Humpdada Musik durchs ganze Auto und es wird fröhlich vom Oktoberfest gesungen! Sehr surreal.

In Chaitén erwartet uns eine freudige Nachricht: Der Bus am Sonntag fährt! Unsere Namen hat sie ohnehin schon notiert, wir fahren auf jeden Fall mit diesem Bus! Bezahlen können wir auch morgen, ganz wie wir wollen. Da wir nicht genügend Geld dabei haben, machen wir aus am nächsten Tag dann die Tickets zu holen, alles gar kein Problem.

Der kommende Tag wird anstrengend, denn wir leihen uns (nicht so gut funktionierende) Räder, um zu einem über 20km entfernten Wanderweg zu fahren, der uns auf den Krater des Vulkans "Chaitén" bringt, der 2008/09 gespuckt hat. Der Aufstieg ist (nach dem Radeln) sehr anstrengend und wir können es kaum erwarten, oben unseren Reis zu kochen. Doch es hat sich definitiv gelohnt! Neben uns dampft es und die Aussicht ist der Wahnsinn. Nach einem anstrengendem Weg zurück, erwartet uns heute eine nicht ganz so freudige Nachricht. Als wir gerade die Tickets für den Bus kaufen wollen, erfahren wir, dass der große Bus "angeblich" eine Panne hatte und es am Sonntag (also morgen) nur einen ganz kleinen Bus geben wird und HUCH, der ist schon voll. Die Leute, die ihre Tickets schon gekauft haben, sind drin und HUCH, wir nicht. Es gibt Momente, da wartet man darauf, bis gleich eine Kamera vom ZDF auftaucht und man uns in der Fernsehsendung "Verstehen Sie Spaß?" willkommen heißt. Wir schauen uns kurz um. Hmm, keine Kamera. Das hat sie jetzt nicht wirklich gesagt? Wir hatten doch Reservierungen? Sie druckst herum, telefoniert noch mal, aber ist wohl nichts zu machen. Der Bus wird morgen ohne uns nach Coyhaique fahren. Na gut, Planänderung. Wir schlafen morgen nicht aus, sondern stehen zeitig auf und werden uns an die Straße stellen. Irgendwie werden wir schon die 430km nach Coyhaique mit dem Daumen schaffen. Wir dampfen ab, laden unseren neuen Freund Dante noch auf eine Pizza ein und stellen uns ein, auf unseren ersten Teil "Trampen auf der Carretera Austral". 

--> Und wir hatten Erfolg! Siehe Beitrag "4. Adventsgrüße"

Chile

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