Vor mittlerweile drei Tagen bin ich wohlbehalten in Birmingham angekommen & nachdem ich von meiner workaway-Vorgängerin Tara in alles eingewiesen wurde, bin ich schon nach drei Tagen gänzlich in die Routine eingebunden. Als ich am Samstag ankam, waren Jan und Dave (meine Gastfamilie) auf einer Hochzeit, also lag es an Tara mir alles zu zeigen. Und alles ist viel. Die beiden haben eine Katzenpension, eine Hundepension, Schafe, Lämmer, Hühner, Enten, eine Ente-Huhn-Kombination (hupsi), eine Katze, einen Garten, ein Feld für das Hundetraining und eine riesige Menge Land hinterm Haus. Raus aus dem Flugzeug, rein in den Matsch. Kurz darauf habe ich bereits das erste Lamm in der Hand. Am Tag meiner Ankunft waren sechs Hunde in der Hundepension (was für eine Begrüßung!) und die müssen jeden Tag zweimal 40 Minuten bewegt werden (Ballspielen, in einem Feld hoch und runter). Stellte sich heraus, dass das mit sechs Hunden nicht einfacher wird. Die fränzösischen Bulldoggen kommen nicht hinterher, der Greyhound kann nicht genug kriegen, der Dalmatiner guckt lieber Schafe, der Boxer will Liebe und hängt am Rockzipfel. Am Sonntag ging Dave mit Star (einem ihrer Hunde) zu einem Wettbewerb, also haben wir uns auch da nicht näher kennengelernt. Dafür bin ich mit Jan und ihren drei Retrievern auf einen langen Spaziergang gegangen und hab die schöne britische Landschaft genossen (wie Jane Austen, nur mit Traktor). Mit Jan kann man sich super unterhalten, sie ist immer interessiert und erzählt gerne über ihr Leben. Weil ihre 92-jährige Mutter alleine lebt haben wir sie am Sonntag zum Mittag besucht und bei ihr tea time gemacht. Sie lebt in einer Art Rentner-Kommune (abgetrenntes Wohngebiet, das ausschließlich für ältere Menschen ausgelegt ist) und ihr Bungalow war so schön, dass ich am liebsten sofort 70 geworden wäre. Sie hat einen privaten Park hinter dem Haus! Sie ist eine 'lovely lady', interessiert und freute sich über Gesellschaft zum Mittagessen. Jan legt viel Wert darauf, dass ihre Freiwilligen wie ein Familienmitglied behandelt werden und ich hab mich gefreut, ihre Mutter kennenzulernen. Dave kam dann schließlich als Sieger nach Hause, Star und er sind jetzt erster Platz unter den Novizen in einem Jagdhundwettbewerd (der Hund muss verschiedene Aufgaben bewältigen und mit Dummies zeigen, dass er als Jagdhund was drauf hat. Anscheinend sehr britisch.) Sonntags gehen Jan und Dave gerne aus, und ich durfte diese Woche mitkommen. Gestern schließlich konnte ich die meisten Aufgaben schon alleine erledigen, denn Tara ist wieder nach Hause gefahren. Und als dann Sara aus Spanien kam konnte ich ihr bereits einige Aufgaben erklären. Denn viel zu tun gibt es. Um acht beginnt der Arbeitstag, dabei werden erst die Tiere versorgt bevor es Frühstück gibt. Das heißt um acht Wellies an und mit den Hunden ab auf das Feld, Ball spielen, hundeproduzierte Bälle einsammeln und bewegen. Danach ist die Katzenpension dran. Alles muss sauber gemacht werden, die Katzen gefüttert werden und ab und zu mal streicheln oder die Kletterkatzen von den Gittern klauben, weil sie zu doof sind wieder runterzukommen. Wir haben einen Langzeitbesucher, Truffles, der seit Dezember da ist und viel Liebe verlangt. Dann wird das Futter für die Hunde vorbereitet und sie werden gefüttert. Meist ist es dann auch schon um zehn und Zeit für Porridge. Dasselbe Programm steht abends nochmal an (ohne Porridge). In der Zwischenzeit gibt es verschiedene Aufgaben zu tun, gestern haben wir Lämmer mit ID-Tags versehen, ich hab quasi das erste Mal in meinem Leben ein Lamm gepierct. Die Kleinen sind keine zwei Wochen alt, die meisten nur drei Tage und einige Schafe sind immer noch trächtig. Es ist eine arbeitsreiche Zeit für Jan und Dave, sie müssen immer aufmerksam sein ob z.B. Mable, das momentan dickste Schaf auf der Farm, lammt. Jan will wieder anfangen den Garten zu bewirtschaften, also haben wir Beete umgegraben und gejätet, Lauch geerntet und gequatscht. Zwischendurch gibt es immer wieder Tee. Tee. Tee. Tee. Toilette. Tee. Tee. Dave hat uns heute gezeigt wie ein echter Engländer Tee macht: mit kochendem Wasser die Teekanne heiß machen (immer in der Kanne, ja keine einzelne Tasse!), dann Wasser nochmal aufkochen und den Tee aufgießen. Milch zuerst, dann Tee.

Jan hat Sara und mich heute mit zu einer Freundin genommen, die ein wunderschönes Anwesen bewirtschaftet. In ihrem Haus gibt es wohl einige 'Sehenswürdigkeiten', und wir durften die buttery anschauen, ein kalt gehaltener Raum in  dem früher Butter, Käse und  andere Milchprodukte hergestellt wurden. Er  ist wunderschön gekachelt, rund und abgedunkelt, sodass  die Sonne nicht hereinscheint.Heute hat sie uns mit zu ihrer Chorprobe genommen, was mir natürlich großen Spaß gemacht hat. Ein kleiner Chor mit einem Musiklehrer-Ehepaar, die den Chor leiten. Der besteht aus vielen liebevollen Dorothys und Ruths, die sich gefreut haben, dass Sara und ich mit waren und gesungen haben. Natürlich gab es Tee. Im Laufe der Woche möchte ich nach Leicester und Barwell, und gemeinsam mit Jan und Sara noch ein paar örtliche Sehenwürdigkeiten anschauen. Cheers!

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