Harry Potter and the Chaos of the Phoenix
Harry Potter and the Chaos of the Phoenix
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Schlüsselhalter sind Verräter

Veröffentlicht: 25.10.2023

Ich hab mich heute zum 2. Mal innerhalb von 2 Wochen ausgesperrt. Whats wrong with me. Das erste Mal war Mittwoch vor 2 Wochen. Es war der letzte Tag einer 3-tägigen Klimakonferenz und an diesem Tag war einfach Kolumbiens Vize-Präsidentin bei uns und hat eine Rede gehalten. Das Programm ging bis 14 Uhr und nachdem wir einfach ne riesige Party in dem Auditorium der Uni veranstaltet hatten, in dem das Ganze stattfand, wollten wir alle zusammen zu Mittag essen. Wir waren bestimmt 30 Leute, aber die meisten sind dann in ein Restaurant, das genau 3 Gerichte auf dem Menü stehen hatte und alle enthielten Gewebefetzen von gequälten und ermordeten kleinen süßen Babyschweinchen oder Hühnis, also bin ich mit ein paar anderen Leuten woanders hingegangen. Wir hatten alle nicht viel geschlafen und abends war die Abschlussparty, deswegen sind wir dann alle nach Hause gegangen. Mein Mitbewohner kommt immer so um 18 Uhr von der Arbeit nach Hause. Ich war also so um 15 Uhr zu Hause und als ich in mein Zimmer gekommen bin, hatte ich das Gefühl, ich hätte seit 27 Monaten nicht gelüftet (wir waren am Abend davor feiern) und habe erstmal ganz unwissend das Fenster aufgerissen. Dann habe ich meinen Schlüssel auf mein Regal gelegt. Was man noch wissen muss: meine Zimmertür muss man von außen aufschließen, wenn sie einmal zu ist, aber von innen kann man sie immer öffnen. Eigentlich hänge ich meinen Schlüssel immer draußen an so einen Henkel an meiner Tür, ABER der ist einfach aus dem nichts runtergefallen ein paar Tage vorher. Dieser Schlüsselaufhänger ist eigentlich der wahre Bösewicht dieser Geschichte. Ich wollte jedenfalls die paar Stunden bis zur Party ausnutzen, um Wäsche zu waschen. Wir hatten die ersten 3 Monate keine Waschmaschine und hatten erst ein paar Tage vorher eine gekauft und ich war soooo excited meine erste Wäsche zu waschen  (davor musste das meine Tante machen). Malt euch das jetzt bildlich aus: ich stehe in der Küche. Ich habe gerade eine Wäsche angemacht und freue mich schon darauf, diese eine Hose wieder anziehen zu können. Ich bin EUPHORISCH. Ich mache einen Schritt in Richtung Zimmer. Ich sehe. Und höre. Meine Zimmertür. Vor meinen AUGEN. ZUFALLLLLLLENNNNNN. In der ersten Millisekunde denke ich noch so: irgendwo muss ja der Ersatzschlüssel sein. JA, IN DEINEM SCHRANK DU DUMME NUSS (no front an Cashews). DER SCHRANK, DER IN DEINEM ZIMMER STEHT. Ich stehe also so 2 Minuten lang mit offenem Mund (keine Ahnung, ob er wirklich offen war aber klingt besser) vor meiner Zimmertür und in jeder Sekunde sterben mindestens 2 Tequila-Shots worth of Gehirnzellen, weil ich so angestrengt darüber nachdenke, wie ich in dieses zugeschlossene Zimmer reinkomme. Mein Handy ist natürlich auch in meinem Zimmer. Ich suche erstmal im Zimmer meines Mitbewohners nach einem Ersatzschlüssel, ging ziemlich schnell, er hat nicht so viel stuff. Dann frage ich mich, ob ich aus seinem Fenster in mein Fenster klettern kann. Guter Plan, ich hätte mir wahrscheinlich nur so 2-4 Knochen gebrochen. Also bleibt mir eigentlich nur eine Option: ich gehe runter zum Rezeptionisten (ja ich hab einen persönlichen Türoffner und Empfangsmann, er streut mir immer Rosenblätter vor die Füße, wenn ich das Gebäude betrete). Ich schildere ihm also meine Lage und er meint so ganz casually: ach ja, da nehmen wir immer diese Plastikflaschen, warte ich hole dir eine. Also die bewahren immer alte Plastikflaschen auf, um damit Türen zu knacken. Wieder was neues gelernt. Er schneidet mir diese Flasche mit einem Taschenmesser zurecht und erklärt mir, ich soll dieses Stück Plastik zwischen Tür und Türrahmen hoch- und runterschieben, dann geht die Tür schon auf. Er meint, er fragt sicherheitshalber mal bei so einem Türschlossknackunternehmen Dings nach, wieviel das kostet. Ich laufe hoch, schiebe diesen Plastikfetzen in meiner Tür hin und her und natürlich funktioniert es nicht, also muss ich erstmal kurz weinen. Weinen ist halt am Ende immer noch die beste Lösung für jedes Problem. Ich gehe wieder runter zu meinem Lieblingsrezeptionisten, tue so, als würde ich nicht weinen und sage ihm: Papa es geeht nicht. Ohne Papa. Er sagt, ich soll Öl an das Plastik schmieren. Mache ich. Meine Tür möchte nicht nachgeben. Mein Plastikfetzen ist schon ganz zerrissen. Ich schneide eine Colaflasche mit meinem neuen scharfen Messer auseinander und versuche es wieder. Funktioniert nicht. Ich stehe da bestimmt 40 Minuten und weine teilweise und manchmal lache ich auch. Mich aus. Und reibe Colaflaschen mit Öl zwischen meinen Türrahmen. Ich bin kurz davor, den Schlosstürdienst Dings zu rufen. Ich habe eine letzte glorreiche Idee. Fühle mich bisschen wie Wikie von Wikie und die starken Männer. Wer hat sich diesen Namen ausgedacht? *Der Rest der Geschichte passiert in Zeitlupe* Ich schneide eine Eispackung von meinem Mitbewohner auseinander (weil das Plastik ist dicker). Auf einmal spielt "Never an Absolution" im Hintergrund. Ich reibe billiges Pflanzenöl auf beide Seiten des Eispackungsfetzen. Ein letztes verzweifeltes Mal stecke ich das Stück Plastik zwischen Tür und Rahmen. Wie von Zauberhand...nein Spaß, ich stehe da 10 Minuten und es ist wirklich mit letzter Kraft, dass ich dieses Stück Vanilleeisverpackung gen Himmel schiebe. Plötzlich...geht diese fuuuuuckingggg Tür auf. Und ich war noch nie so stolz auf mich. Ich wollte dem Rezeptionisten alle seine Lebenswünsche erfüllen. Hab ihm ne Packung rote Schnüre geschenkt. Das klingt so lame omg es tut mir so leid. Allein das aufzuschreiben war so ein emotional rollercoaster. Ihr wisst gar nicht wie aufgewühlt ich jetzt bin. Okay und dann war das erste, was ich mit meiner neu gewonnenen Freiheit gemacht habe, meinen Ersatzschlüssel von meinem Schrank ins Badezimmer zu transferieren. Super Gefühl. Leute, raus mit den Ersatzschlüsseln aus euren Zimmern! Da bringen die gar nix. Ich kann jetzt jedenfalls jede Tür mit einer Colaflasche knacken. P.S: Das Titelbild zeigt den Original-Eispackungsfetzen vor dem echten Schloss des Geschehens!

So, heute morgen wache ich um 10:30 auf (normalerweise um 9, aber war müde). Ich bin um 11:30 verabredet, dusche schnell und dann ist es auch irgendwie schon 11:20, keine Ahnung wie. Carlos holt mich um 11:3o bei mir ab, also verlasse ich das Haus mit einem Fannypack, wo mein Geldbeutel und mein Schlüssel drinnen sind. Das ist eine Lüge. Mein Schlüssel liegt nämlich auf dem Regal. Das realisiere ich auch schon, als ich die Wohnung verlasse. Ups. Also gehe ich mit Carlos los, aber unser veganes Restaurant hat zu. Ich habe um 13 Uhr Uni, also gehen wir in meine Uni und wollen dort Mittagessen. DIE HABEN DAS VEGETARISCHE GERICHT GESTRICHEN. So ich bin schon bereit ab und zu was vegetarisches zu essen UND DANN VERKAUFEN DIE WIEDER NUR TOTE SEELEN. Also esse ich eine Zimtschnecke zu Mittag und Carlos isst eine tote Seele mit Flügeln. Carlos hat mir 2 Bier mitgebracht, die trinken wir dazu. Es ist 13 Uhr, ich habe erst eine Zimtschnecke gegessen und das Bier hittttettt. Ich gehe in den Unterricht und bin basically betrunken. Ich sitze aber ganz brav auf meinem Stühlchen und höre mir 3 Stunden lang erst eine Präsentation und dann eine Doku an. Ich bin doll in meine Dozentin verknallt btw. Dann kaufe ich mir 2 Bananen und irgendwas backiges (viel zu viel Gluten heute) und gehe noch zu so einem Palästina-Talk und dann ist auch schon halb 7 und mein Mitbewohner ist zuhause. Er lässt mich netterweise rein, nachdem ich 10 Minuten vor der Tür auf dem Boden verbracht habe, weil ich nicht wusste, dass er schon da war. Zum Glück konnte ich diesmal den Ersatzschlüssel aus dem Bad abholen. Da war ich auch ganz schön stolz auf mich. Das war mein Tag, er war super. Ich klebe jetzt erstmal diesen Schlüsselhalter wieder an meine Tür. Adios amiguis. 

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