2026 - 06 Die Perle der Nordsee
22.04. Mittwoch Wir ziehen die Option der Verlängerung und bleiben noch einen weiteren Tag. Das Wetter ist so gut, das man nicht wegfahren muss. Da nehmen wir uns mal Zeit

Veröffentlicht: 27.04.2026




















27.04.29 Montag
Montag ist Königstag. Und das ist in Holland der Nationalfeiertag schlechthin. Wir haben also erst mal den Platz bis über den Montag hinaus fest gemacht, um gar nicht in Verlegenheit zu kommen. Außerdem ist so ein Fest in einer großen Stadt wie Alkmaar bestimmt auffälliger als irgendwo im Feriendorf.
Und dann haben wir im Internet mal gelesen, was der Tag für die Niederländer bedeutet und und wie er so erlebt wird. Alter Schwede, da kommt was auf uns zu ….
Aber bis Montag haben wir ja noch drei Tage Zeit.
Und die vergehen wie im Flug bei herrlichstem Sonnenwetter. Ein Tag Shopping Tour in Alkmaar mit Käsemarkt, ein Tag Strandleben in Egmond aan Zee und noch ein Tag chillen und Strand mit Essen gehen in der Beach Bar „Zeezicht“ in Castricum aan Zee – der Name ist Programm.
Da geht es auch schon los mit dem Königstag. Es ist Sonntag Abend und morgen ist Feiertag. Da gehen alle Menschen mit Familie zum Essen. Wir können nur vor dem Strom bis 18.00 Uhr Essen, was dann auch entspannt funktioniert – die Ruhe vor dem Sturm.
Unser Plan ist übrigens vollkommen aufgegangen. Nicht nur, das der Campingplatz „Het zonnige Veld“ sich als Volltreffer herausstellte.
Auch das Wetter und die Temperaturen haben es gut mit uns gemeint. Jeden Tag schien die Sonne aus allen Rohren und die Temperaturen erlaubten an windgeschützter Stelle auch ein ausgiebiges Sonnenbad.
Am Strand stürzten sich sogar einige Wagemutige in die Nordseewellen – aber nur sehr kurz. Das ist noch deutlich zu frisch und fand in meinem Kopf auch überhaupt keinen Gedanken.
Aber die Strände und die Dünen in diesem Teil von Nord – Holland sind wirklich eine Perle. Die Dünenlandschaft erstreckt sich von Wijk aan Zee (vor dem Nordseekanal, der Amsterdam mit der offenen See verbindet) bis nach Schoorl (Schoorlse Duinen) auf eine Länge von ca. 20 km. Es ist eines der größten Naturreservate der Niederlande, welches aber für die Öffentlichkeit auf angelegten Wanderpfaden und Radwegen erschlossen ist.
Durch die Dünen erreicht man an ausgewählten Stellen die Sandstrände, alle großzügig und feinsandig mit Beach Bars, Strandhäusern und Wassersport.
Weil hier auch immer ein ordentlicher Wind weht, zieht es die Kite Surfer auch hierher.
Kann man gut aushalten.
Und dann kommt der Montag. Die Party beginnt eigentlich schon einen Abend vorher. Das kann man in Alkmaar dann auch ziemlich gut erkennen. Als wir gegen 14.00 Uhr hinfahren, ist noch alles ruhig. Die Einfallstraßen und das Zentrum um die Kirche sind gesäumt mit Flohmarktständen aller Art. Hier verkaufen sowohl Kinder und Mütter ihre ausrangierte Kleidung und Spielzeug. Auch größere Stände mit größerem Umfang an Klamotten und nützlich / Unnützlichem säumen die Straße.
An den Hotspots in der Stadt stehen die Bühnen und DJ`s lassen schon mal die Boxen warmlaufen. Aber noch ist alles ruhig und die Menschen bummeln durch die Straßen.
Nur der Müll und die Überreste des Vorabends sind noch vorhanden – und das stammt nicht vom Kinderflohmarkt oder vom Frühschoppen.
Fast alle Niederländer haben die Nationalflagge auf die Wangen geklebt, die Farbe Orange ist allgegenwärtig. Jeder hat sich ein orangefarbenes Kleidungsstück gesucht, die einen mehr, die anderen weniger. Aber da wo die Masse sich findet, wogt sie in orange.
Die Straßen sind voller Menschen. Eigentlich genauso voll wie am Freitag, als Käsemarkt war.
Heute ist kaum ein Geschäft geöffnet, nur die Kneipen – und die haben vorsorglich schon mal alles Inventar aus dem Inneren verbannt. So bekommt man mehr Leute ins Lokal, wenn sich die Party von draußen nach drinnen verlagert.
Im Hof von Sonoy finden wir am Nachmittag einen Platz zum Sitzen und chillen bei einem Kaltgetränk und einer Platte Borellhapjes (frittierte Kleinigkeiten).
Als wir wieder aufbrechen und durch die Straßen bummeln, hat sich die Stimmung verändert. Die Leute sind aufgekratzter (oder angetrunkener) und hetzen zu den Bühnen. Viele junge Menschen, die rücksichtslos durch die Straßen eilen und laut aufeinander einreden. An den Bühnen sammeln sich die Massen, es ist kaum ein Durchkommen. Jeder hat ein Bier in der Hand und singt aus voller Kehle. Der DJ oder die Live Band heizen ordentlich ein.
Die Thekenstraßen und die Kneipen haben jetzt richtig zu tun. Ausgeschenkt wird nur in Plastikbechern (weil`s wohl besser ist). Die jungen Leute, besonders die Mädchen, haben alle eine Dose mit mir unbekanntem Inhalt in der Hand. Scheint gerade besonders trendy zu sein, es wird jedenfalls in allen Taschen mitgeschleppt.
Und die Dosen? In den Niederlanden gibt es ein "Statiegeld" auf Getränkedosen (0,15 €). Das ist wohl zu wenig – die Dosen landen in den Ecken auf der Straße (gut für die Pfandsammler) oder im Wasser der Grachten (schlecht für die Pfandsammler und noch schlechter für die Umwelt).
Bevor hier alles drunter und drüber geht, setzen wir uns an einer Gracht in eine Pizzeria und essen genau so eine. Dabei ist es herrlich, die vorbeilaufenden Menschen zu beobachten.
Sie sind alle vom Nationalfieber befallen und bekennen sich durch Kleidung und Gesichts-Tatoo zu ihrem Land (und vielleicht auch zum Königshaus, denn der hat ja schließlich Geburtstag).
Ist das bei uns am 3. Oktober auch so?
Die Einheitsfeier findet ja in diesem Jahr in Bremen statt. Also können wir mal vergleichen.
Auf dem Weg zurück zum Fahrrad müssen wir noch durch eine Partyzone. Und da tanzt der Bär. Wir versuchen uns durchzudrängen. Schon nach 30 m gebe ich auf – ich will da nicht durch. Die Masse ist im Partymodus, Ballermann in Reinkultur. Alle betrunken und am Mitgröhlen – Rücksicht auf andere – Fehlanzeige.
Ich würde gern 1 – 2 Videosequenzen zeigen, leider kann ich die bei Vakantio nicht hochladen.
Wir haben genug und radeln zurück zum friedlichen Camping. Als wir gegen 19.30 Uhr ankommen, ist die Sonne schon weitgehend weg und es wird kalt. Also rein in die Laika und ans Berichten.
Morgen geht die Reise weiter.
