#08 Im Weinhimmel
Wo fang ich denn jetzt mal an.... Das Ziel der Reise war ja das Piemont mit seinen Spezialitäten und den ausgesprochen hochwertigen Weinen rund um den Barolo. Und in dessen...

Veröffentlicht: 12.04.2025
Der Abschied aus dem Barolo Tal ist nicht so einfach. Es ist einfach so schön hier und das Wetter spielt auch seine Rolle.
Hilft aber nix, die Reise geht weiter.
Unser nächstes Ziel heißt Cuneo, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Eine Provinz in Italien ist vergleichbar mit einem Landkreis in Deutschland. Und die Provinz Cuneo ist die viertgrößte Provinz Italiens. Sei reicht von der Weingegend rund um das Barolo Tal bis an die französische Grenze in den Seealpen. Und das ist ziemlich groß.
Bevor es aber auf die Landstraße geht, müssen wir noch zwei Dinge erledigen:
1. Toilette aus dem Wohnmobil entleeren. So schön wie es am Agriturismo war, es gab keine Möglichkeit der Entsorgung für die Chemietoilette. Dazu mussten wir einen der öffentlichen Stellplätze im Nachbardorf aufsuchen und dort die Entsorgungseinrichtung nutzen.
2. Weinkauf in der Winzergenossenschaft Terre del Barolo. Da sind wir dann mit dem Womo vorgefahren und haben die noch vorhandenen Lücken unter den Sitzen gefüllt.
Und dann geht`s endlich auf die Straße und das Womo trägt uns weiter voran. Wir bewegen uns auf den kleinen Straßen und erleben, wie sich die Landschaft schlagartig ändert, als wir die Hügelkette rund um das Weingebiet verlassen haben. Keine Spur mehr von Weinanbau, mehr Waldgegend (wachsen hier vielleicht im Herbst die weißen Trüffel?).
Und immer in Sicht voraus die schneebedeckten Gipfel der Alpenriesen. Wir steuern direkt auf die Berge zu und die Sicht ist phantastisch. Die Grenze zwischen Italien und Frankreich verläuft mitten durch die Berge und Nationalparks (Parco Naturale Alpi Maritime, Parc National du Mercantour, Parc naturel regional du Queyras usw.). Die Orte auf der anderen Seite sind mir durch unsere Rennrad – Alpenquerung 2017 (Tour des Grandes Alpes) noch gut in Erinnerung. Damals sind wir mit dem Rennrad über die Klassiker Col du Galibier, Col de La Madelaine, Col d`Izoard, Col d`Iseran u.a. gefahren.
Unsere weiteren Reisepläne nehmen die Weiterfahrt in den französischen Alpen ins Visier. Damit würden wir das Kapitel Italien und Piemont beenden.
Tatsächlich wird das Wetter am Sonntag hier überall umschlagen und eine breite Regenfront Einzug halten. Davon ist auch Frankreich betroffen.
Aber Sonntag ist noch 3 Tage hin und bis dahin wollen wir noch das gute Wetter in Italien genießen.
In Cuneo haben wir uns einen Stellplatz mitten in der Stadt ausgesucht – aber doch in der Natur am Fluss. Unterhalb der Stadt liegt ein Freizeitgebiet mit Schwimmhalle, Skaterbahn, Fußballplatz, Mountain Bike Strecke und einem Wohnmobilplatz (Area Camping Parco fluviale). Dort steht man für 8,- € mit Strom, Wasser, Entsorgung und nah zur Innenstadt. Um den Höhenunterschied angenehm zu meistern gibt es einen Schrägaufzug, der direkt in der Altstadt endet. Perfekt.
Cuneo selbst ist eine einfach zu erkundende Stadt. Sie ist schachbrettartig angelegt, alle Straßen verlaufen gerade und werden von anderen gerade gekreuzt. Die Hauptstraße heißt (wie überall) Via Roma und besteht fast nur aus Arkadengängen. Cuneo ist eine Stadt, bei der man im Regen beim Bummeln nicht nass wird.
Die Häuser und Plätze sind großzügig und imposant.
Aber irgendwie haben wir keine Lust mehr auf Städte. Man meint immer, dass man dies oder das gesehen haben muss. Tatsächlich gleichen sie sich dann aber doch irgendwie. Daher entscheiden wir beide, dass Turin von der Liste gestrichen wird. Das wäre alles nochmal in größer und hektischer.
Wir haben beide das Bedürfnis, mal nichts tun zu müssen und einfach in den Tag hineinleben zu können.
Als wir dann zum Abschluss des Bummels ein Eis auf die Hand nehmen und uns damit auf den großen Piazza Galimberti setzen, bekommt unser Gefühl neue Nahrung. Der große Platz scheint ein beliebter Ort für Auto – Posing aller Art zu sein. Die ganze Zeit rauschen PKW mit lauter Musik, dicken Auspuffrohren, Motorräder mit viel Lärm und Oldtimer ohne Abgasregelung rund um den Platz herum.
Das Schauspiel am Nachmittag heißt wohl „Sehen und gesehen werden“.
Damit ist unsere Entscheidung klar.
Morgen fahren wird auf der Nationalstraße SS 21 gen Frankreich. Der Grenzübergang liegt auf dem Bergpass „Colle della Maddalena“ auf 1991 m Höhe, soll aber gut zu befahren sein.
Aber vorher wollen wir noch auf der italienischen Seite einen Stellplatz in den Bergen suchen und den sonnigen Tag genießen.
Das gelingt uns perfekt im kleinen Ort „Sambuco“. Der Name ist ja Programm, hat aber nix mit dem bekannten Liqueur zu tun.
Auf dem Weg nach dort wundern wir uns über den ausgesprochen regen LKW Verkehr auf dieser Strecke. Es sind fast nur die großen Geschosse unterwegs und fahren so wie wir gen Frankreich oder kommen uns entgegen. In den engen Dorfdurchfahrten wird diese daher mit Ampelbetrieb geregelt – zwei von den LKW würden im Ortskern niemals aneinander vorbei fahren können.
Wenn dann diese ganzen LKW hier fahren, wird es auch für uns eine leichtes sein, den Pass zu erklimmen.
Das Tal war anfangs noch sehr breit mit Bebauung auf beiden Seiten. Das läßt dann nach und das Tal wird enger. Die wenigen Dörfer liegen auf Hochebenen, die mit steilen Straßen erschlossen werden. Das Dorf Sambuco ist auch ein solches. Am Ortsausgang weist ein Hinweisschild auf die „Area Camping“ hin. Auf dem sehr sauber und gerade angelegten Gelände steht ein weiteres Wohnmobil, wir haben also die frei Auswahl der vorhandenen 8 Plätze. Jeder Platz hat einen Stromanschluss, am Ende des Platzes ist eine Entsorgungseinrichtung, Frischwasser und eine Spülbecken für Geschirr. Das ist ja mal ein toller Platz. Und das Beste: die Sonne scheint hier den ganzen Tag, bis sie abends hinter den Bergen verschwindet.
Wir platzieren uns und holen die Campingstühle raus. Nichtstun ist angesagt.
Und das fällt an diesem schönen Ort nicht schwer. Man lässt sich von der Landschaft mitnehmen, betrachtet die schneebedeckten Gipfel (geht wahrscheinlich auch nur zu dieser Jahreszeit, später im Jahr wird der Schnee geschmolzen sein) und die beginnende Vegetation. Die Bäume sind alle noch kahl und durchsichtig. Erste Knospen sind erkennbar und werden von der Sonne nach draußen gezogen. Gelegentlich kommen Wanderer aus dem Wald und queren den Parkplatz.
Überall stehen hier auch die Hinweisschilder für Wanderrouten oder Bike – Routen. Die Gegend ist ein wahrer Hotspot für derartige Aktivitäten.
Unser Bewegungsradius beschränkt sich heute auf ca. 100 m rund um das Wohnmobil (und das ist ungefähr die Entfernung zur Müllentsorgung).
Wir haben uns heute Mittag noch fürstlich im Conad Hypermarkt eingedeckt und werden die nächsten Tage nicht verhungern. Heute wird nochmal gegrillt und ein fürstliches Wohnmobil Diner mit eingelegten Möhren, Carpaccio, Pellkartoffeln und Bratwust vom Grill gezaubert.
Draußen scheint der Mond fast voll und nachts soll es bis minus 3 Grad werden.
Oha, das ist ein Fall für die Heizung über Nacht.
