#07 La Dolce Vita
Jetzt stehen wir schon den 3. Tag hier und lassen das Leben auf uns zukommen. Der Campingplatz ist super, das Wetter noch besser und uns geht's gut. Mit 66 Jahren, da fängt das...

Veröffentlicht: 09.04.2025






















Wo fang ich denn jetzt mal an....
Das Ziel der Reise war ja das Piemont mit seinen Spezialitäten und den ausgesprochen hochwertigen Weinen rund um den Barolo.
Und in dessen Gebiet sind wir nun mittendrin.
Erstmal ein paar lobende Worte für unseren Agriturismo Cascina Rocca
Das familiengeführte Landgut liegt direkt an der Straße nach Barolo und bietet neben den 8 Wohnmobilstellplätzen auch 8 Zimmer mit Frühstück (B&B) an. Alles ist sehr sauber und anspruchsvoll. Der Pool im Garten macht allerdings erst im Mai auf. Der Ort ist der ideale Ausgangspunkt für die Entdeckung der Umgebung.
Bei unserer Ankunft gegen 13.00 Uhr konnten wir noch nicht auf die Womo - Wiese, weil die heute erst noch gemäht werden musste. Das Gras war wirklich sehr hoch und da warten wir doch gerne.
Deshalb sind wir mit dem Rad nach Barolo gefahren. Das geht nur mit der Bewältigung von ein paar Steigungen, um in den historischen Ort zu gelangen. Der präsentiert sich als sehr aufgeräumt und touristenfreundlich (hier will ja auch jeder hin). An jeder Ecke lockt eine Vinothek (oder Entotheka, oder Winery, oder Canina da vino ...) In jedem Laden stehen die Köstlichkeiten fein sortiert nach Rebsorten und Herkunft (Barolo, Barbera, Dolcetto, Barbaresco ...).
Der Barolo ist hier das Flaggschiff - kaum eine Flasche unter 30,- €, nach oben keine Grenzen.
Ist der wirklich so gut und diesen Preis wert? Ich trau mich da noch nicht ran. Was passiert wohl, wenn er wirklich so gut ist?
Wir trinken auf dem Platz vor der Burg erstmal einen Cappuccino und nehmen ein paar köstliche Kekse dazu.
Dieses Barolo (und natürlich auch alle anderen Orte ringsherum) liegt wirklich einmalig präsent auf einem der vielen Hügel, die hier aus der Landschaft wachsen. Rund um die Hügel liegen fein säuberlich die Weinberge. Da wir noch zu früh im Jahr sind, kann mal allenfalls die ersten grünen Triebe aus dem alten Holz wachsen sehen. Im Herbst sieht das bestimmt alles anders aus.
Zurück am Platz warten auch schon andere Wohnmobile auf das Ende der Mäharbeiten. Aber der Besitzer macht erstmal Pause und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.
Macht nix, wir haben ja Urlaub.
Morgen erkunden wir das nächste Dorf auf dem Hügel hinter unserer Unterkunft - La Morra.
Das kann man schön von hier unter sehen und hat eine Ahnung, das der Weg noch steiler ist als nach Barolo. Es ist auch nicht weit und Google maps berechnet für den Weg zu Fuß durch die Weinberge nur 3,3, km in etwas mehr als 1 Stunde. Das machen wir.
Simone ist nicht so begeistert und das bekomme ich bei dem sehr anstrengenden Fußweg deutlich zu spüren. Der Weg ist schon steil und geht nur in eine Richtung - hoch.
Als wir auch noch die letzte Hürde schaffen ...
sind wir auf dem zentralen Platz vor der Kirche. Geschafft.
La Morra ist deutlich zurückhaltender als Barolo. Die meisten Geschäfte und Vinotheken haben zur Mittagszeit geschlossen.
Trotzdem finden wir mehr aus Zufall eine Osteria (more e macine) die sehr unscheinbar in einer Nebenstraße liegt, aber gut gefüllt mit italienischen Gästen ist. Die Servicekräfte sind aufmerksam und richten uns gleich einen kleinen Tisch her. Die Speisekarte ist eine große Tafel, die von Tisch zu Tisch gereicht wird.
Und an der Wandtafel sind die Getränke zu wirklich humanen Preisen aufgelistet (Nebbiolo d`Alba 6,- €, Barolo 9,- €). Heute ist er dran, der Barolo. Und was soll ich sagen, phantastisch.
Die Osteria ist ein Tipp in der Region. Ein deutsches Ehepaar aus Friedrichshafen (auch mit dem Wohnmobil unterwegs) ist eigens wegen der Osteria mit dem E-Bike nach La Morra hochgefahren.
Und das hat sich in jedem Fall gelohnt.
Mit dem Vittelo Tonnato und einem Zabbaione Nachtisch konnte Simone die Strapazen des Aufstiegs vergessen - bis der Abstieg kam.
Von der Aussichtsterasse am Kirchenplatz suchte ich den kürzesten Weg durch die Weinberge, den wir dann auch genommen haben. Das das manchmal nur eine Geröllpiste zwischen den Feldern war, die auch noch steil nach unten führte, war dann nicht mehr so gut. Der Abstieg war vielleicht kürzer, aber eigentlich schlimmer als der Aufstieg.
Ok, wo ist die Belohnung?
Ein kühles Bier im Campingstuhl vor dem Womo bei bestem Sonnenschein.
Das Ehepaar aus Friedrichshafen empfahl eine Besichtigung von Alba, wo es eine schöne Altstadt mit außergewöhnlichen Geschäften gibt. Alba ist ja die Hauptstadt der weißen Trüffel - aber erst im Spätherbst.
Das wird morgen der 3. Ausflug, diesmal aber wieder mit dem Rad.
Alba ist ca. 11 km entfernt und somit gut mit dem Rad zu erreichen. Allerdings geht der Weg zunächst an der Hauptstraße entlang, bevor nach der Hälfte ein abgetrennter Radweg beginnt. Ab diesem Zeitpunkt ist es entspannt.
Dabei fällt irgendwie auf, das die Italiener zwar fleißig mit dem Rennrad unterwegs sind, andere Radfahrer sieht man jedoch nicht. Wir sind die einzigen Radler und wenn dann doch nochmal welche um die Ecke kommen, sind das garantiert Touristen aus Deutschland.
Na gut, jeder wie er will.
Alba präsentiert sich jedenfalls vom ersten Moment an sehr sauber und aufgeräumt. Die Altstadt ist eingebettet in alte Bausubstanz, die Geschäfte in den Straße sind niedlich und originell. Keine Ketten oder Einkaufstempel, sondern viele Spezialitätengeschäfte, Boutiquen und Restaurants. Das sieht gut aus.
Nachdem wir die Straßen einmal durch hatten, war Essen mit Weinbegleitung angesagt. Draußen sitzen bei 18 Grad und eine Pizza mit einem Glas Dolcetto - herrlich.
Auf der Rückfahrt musste noch ein Stopp an der Weingenossenschaft Terre de Barolo eingelegt werden.
Das nächste Paradies, hier sind wirklich alle regionalen Weine vertreten und das auch zu einem vernünftigen Kurs. Der Barolo ragt zwar trotzdem nach ober heraus, aber es gibt Alternativen.
Wir haben jedenfalls für die heutige Weinprobe eingekauft und werden bei Gefallen morgen mit dem Auto vorfahren.
So, das war`s für heute. Ich sitze im T-Shirt draußen (20.00 Uhr) und es wird langsam kalt.
Außerdem wartet die Weinprobe ....
Nebenan sind heute neue Nachbarn angekommen - aus Lüneburg.
Dann haben wir den norddeutschen Raum ja wieder beisammen.
