#06 Das Haus am See
… einer meiner Lieblingsgedanken (… meine 100 Enkel spielen Cricket aufm Rasen, wenn ich daran denke, kann ich`s eigentlich kaum erwarten...) Aber da müssen wir erst mal...

Veröffentlicht: 07.04.2025
Jetzt stehen wir schon den 3. Tag hier und lassen das Leben auf uns zukommen. Der Campingplatz ist super, das Wetter noch besser und uns geht's gut.
Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an….. Hallo Peter.
Wir sind gestern zum 2. Mal den Weg um die Halbinsel gelaufen und haben die Vegetation und die Häuser genossen. Im Ort war deutlich mehr Betrieb, zumal zum Wochenende auch die Busreisen zunehmen. Offensichtlich wird dieser Ort aus allen Richtungen (Deutschland, Schweiz, Frankreich) angesteuert und die Busladungen mit ihrem Pilgerauftrag rausgelassen.
Das macht sich dann auch in den Läden und gastronomischen Betrieben bemerkbar.
Dennoch finden wir einen guten Platz und bestellen Essen und Trinken. Gestern hatten wir die Diskussion, dass man besser zu Mittag/Nachmittag isst, statt erst am Abend.
So soll es heute mal sein, bei Spagetti und Penne d´arrabiata (sehr gut übrigens).
Dazu eine Flaschen Gavi (Weißwein aus der Region), der vorzüglich schmeckte und das warme Wetter sehr passend begleitete.
Dermaßen beseelt schlenderten wir zurück durch die Gassen und mussten einen Stopp beim Spezialitätengeschäft einlegen. Der Mitarbeiter hätte auch gut auf dem Kiez als „Koberer“ tätig sein können. Mit schönen Verlockungen zog er uns in seinen Bann und servierte erst mal Trüffelsalami und herrlichen Balsamico (das war echt ne Wucht).
Mit einer Trüffelsalami und einem geräucherten Kräuterfilet im Gepäck hatten wir also unsere ersten regionalen Spezialitäten ergattert. Die werden heute Abend aber noch probiert.
Zurück auf dem Camping galt es die Stühle neu auszurichten, immer der Sonne entgegen. Und dazu einen passenden Sundowner stilvoll mit Eiswürfeln.
Hatte ich schon auf den Titel dieses Berichtes verwiesen?
Und weil es so schön ist, bleiben wir einfach noch einen Tag länger.
Genau wie unsere Campingnachbarn mit dem Adria Kastenwagen aus Osnabrück. Die finden den Platz auch so chillig und angenehm, dass man ruhig länger bleiben kann.
So ist es auch. Es gibt hier zwar einige Campingplätze direkt am See, wo man in erster Reihe am Wasser stehen kann (sofern man Glück hat und ein solcher Platz frei ist). Aber man steht auch direkt an der SP 229, die hier als einzige Verbindung entlang führt. Was einen erhöhten Verkehrsfluss mit sich bringt.
Der Camping Cusio liegt zur anderen Seite der Straße etwas abseits und damit ohne direkten Seeanschluss. Macht aber nix, dafür viel ruhiger und familiärer. Da kann man wirklich sagen, hier ist man gut aufgehoben. Und die sanitären Anlagen, Entsorgung und Stellplätze sind hervorragend. Klare Empfehlung, wenn mal jemand in diese Richtung fährt.
Für Samstag wollen wir doch mal ausprobieren, ob man mit dem Rad fahren kann, ohne die Hauptstraße zu benutzen. Es war eigentlich die Idee, einmal um den See herum zu fahren. Würde aber bedeuten, sich auf der Hauptstraße zu bewegen. Nicht schön.
Also satteln wir am Samstag die Räder und fahren weiter ins Landesinnere – erst mal gegen den Berg. Das aber tatsächlich nur ein paar Kilometer bis zum nächsten Ort. Ab dann bleibt man auf der Hochebene und fährt ziemlich gerade von Ort zu Ort.
Das Highlight ist jedes mal, einen Blick von oben auf den See zu bekommen. Ansonsten sind die Orte nicht sehr interessant – eher ausgestorben.
Das ändert sich erst, als die Abfahrt beginnt und wir rasant gen Seeufer herunter sausen. Doch statt nun auf der Hauptstraße zurück zu fahren, machen wir einen Schlenker an den See und finden schöne Plätze, an denen bereits die ersten Sonnenanbeter liegen und wo wir in der Strandbar „Dolphins“ ein Bier zur Belohnung trinken.
Zurück am Camping beginnt die Vorbereitung – heute wird gegrillt. Anfang April kann man das ja wohl schon mal machen. Das Wetter ist dermaßen einladend, dass wir sofort beginnen.
Das Leben ist doch wirklich schön.
Morgen fahren wir aber weiter, da wartet doch noch die Weinregion des Piemont auf uns.
Am Sonntag morgen ist Aufbruch. Auch unsere Osnabrücker Nachbarn starten bereits vor 09.00 Uhr - da stehen wir gerade auf. Die wollen aber auch eine größere Strecke fahren (bis zur Amalfi Küste), wir wollen bloß in die Gegend rund um die Weinorte bei Asti. Das ist wohl dem Namen nach die Heimat des Asti Spumante (und wohl auch noch anderer Weine).
Der Weg führt zunächst entlang des Orta See und dann in die hügelige Landschaft südlich des See. Und was passiert wohl an einem Sonntag mit herrlichem Sonnenschein? Alle sind unterwegs. Die Motorräder kommen in Scharen um die Kurven gepeitscht, die PKW voll mit den Familien zum Sonntagsausflug und was mir besonders gefällt - die Rennräder sind reichlich unterwegs. Liebe Grüße an meine Crossini Rennrad Jungs aus Bremen - hier wird schon in kurz - kurz gefahren.
Das ändert sich erst, als wir weiter in die Po - Ebene vorstoßen. Das Terrain ist zum cruisen nicht mehr so interessant und auch wir nehmen die Region nicht sonderlich attraktiv wahr. Langsam machen sich Zweifel breit, was wir hier eigentlich wollen. Da muss noch was kommen!
Unser Ziel ist ein Agriturismo südlich von Asti im klangvollen Ort San Damiano d`Asti, das Gran Collina Cantina Agriturismo.
Fahrt niemals an einem Sonntag auf einen Stellplatz mit gut bewertetem Restaurant. Sonntags ist Familientag und die Italiener zelebrieren das auch. Mit Kind und Kegel kehren sie in den angesagten Locations ein und essen und trinken ausgiebig. Das zieht sich bis in den späten Nachmittag, dann verlagert sich die Gesellschaft nach draußen auf die Sonnenterasse und die ersten Plopp`s der geöffneten Spumanti Flaschen sind unüberhörbar.
Wir haben inzwischen einen Platz im Garten gefunden, der nicht nur von den Wohnmobilen sondern auch von den PKW der Restaurant Gäste genutzt wird. Neben unserem Womo ist noch ein französisches Paar mit Hund auf dem Platz.
Wann wollen die trunkenen Gäste denn endlich nach Hause fahren?
Ha Ha, doch nicht ohne Abendessen. Also die ganze Gesellschaft wieder ins Restaurant und weiter geht die Sause. Es wird lauter und lustiger dort oben. Als gegen 22.00 Uhr (endlich) zum Aufbruch geblasen wird, ist niemand mehr nüchtern.
Die Kinder sind genervt und vollkommen überdreht, die Mütter können sich kaum durchsetzen, die Männer sind nur am Lachen und finden kein Ende. Wer fährt denn wohl die Auto`s?
Will ich gar nicht wissen, irgendwann starten die Motoren und es wird ruhiger.
Am nächsten Morgen ist der Parkplatz leer und es stehen nur noch die Wohnmobile drauf. Und auch die fahren nach und nach weg.
Wir starten als letztes und müssen erstmal das Erlebnis verdauen. Das geht am besten mit Einkaufen im nahegelegenen Supermarkt mit italienischen Spezialitäten.
Das nächste Ziel ist das Barolo Tal. Und da muss ich an dieser Stelle mal Heiner Lobenberg zitieren, der sich ja als exzellenter Weinkenner einen Namen gemacht hat:
"Das wirkliche Aha-Erlebnis kommt aber erst, wenn man in das große, malerische Tal der Region Barolo/Barbaresco fährt. Es handelt sich um eine riesige Senke mit einem Bergkranz drum herum.
In der Mitte des riesigen Kessels wachsen einzelne große Hügel mit den malerischsten, kleinen Dörfern, die man sich vorstellen kann: Barolo, La Morra, Serralunga und viele mehr. Die Aufzählung kann man lange fortsetzen, es sieht hier aus wie im Märchen. Ein sehr spezielles, fast weich gezeichnetes Sonnenlicht, das zuweilen unwirklich verträumt erscheint, bestärkt diesen Eindruck eines wunderschönen Traumlandes."
Als wir dann hinter der Stadt Alba in diese Gegend eintauchen, muss ich neidlos anerkennen, wie recht er hat.
Ich glaube, wir sind angekommen.
Hier ist alles schön und sauber. Die malerischen Hübel mit den verträumten Dörfern oben drauf sind einfach nur herrlich.
Wir steuern einen Agriturismo 3 km vor Barolo an. Das ist ein Winzerhof mit Fremdenzimmern und allem erdenklichen Komfort. Auf der Wiese vor dem Anwesen sind 8 Womo Stellplätze mit Strom ausgewiesen und von diesen Plätzen sieht man direkt auf die umliegenden Hügel.
Das muss ich erstmal aufsaugen, dann berichte ich weiter.
Ich glaube, das dolce vita geht weiter.
