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Volubilis

Veröffentlicht: 30.12.2023

Ich bin ein Fan von alten Städten, das liegt einerseits an meinem Beruf und andererseits an einer Neugier, die befriedigt werden möchte. Wie haben die Menschen vor 2000 Jahren und früher gelebt, konnten sie doch wesentlich mehr, als wir ihnen heute zugestehen?

Wir haben schon viele Städte besucht, seien es Athen, Olympia, Emporium,  Paestum, Selinunte, Pompeji oder Herculaneum. Die Liste ist länger, aber das macht nichts, denn es geht nur um das Prinzip.

Jede dieser Städte hat einen eigenen Charakter, jeder Ort ist mit der Natur und den örtlichen Begebenheiten gewachsen, sei es wegen einem Fluss, einem Hafen oder einem Verkehrsknotenpunkt. Die meisten griechisch-hellenistischen Städte findet man natürlich am Mittelmeer, daher ist diese Stadt mitten im Land schon ein wenig anders, wenn sie auch eine schöne Wasserzufuhr mit Aquädukt zu bieten hatte.

Die Ebene und umliegenden Hügel bei Volubilis wurden zuerst in der Jungsteinzeit bevölkert, im Umland gibt es auch Höhlen, dazu kommt natürlich der Fluss, der hier wirklich für eine grüne Landschaft sorgt. Wir sind hier aktuell im Winter unterwegs, im August würde es bestimmt anders aussehen, ich fand es erstaunlich grün.  Das muss aber schon vor 3000 Jahren der Fall gewesen sein, die erste Erwähnung kommt aus punisch-karthagischen Quellen um 300 v. Chr. und sagt hier etwas von einer kleinen Siedlung.

Nach dem 2. punischen Krieg hatte Karthago viel Land und Einfluss an die Römer abgeben müssen, tatsächlich wird die Stadt vermutlich um 25 v. Chr. von einem mauretanischen König namens Juba I. gegründet. Das erklärt auch den römischen Charakter mit Eigenheiten, die wir eben aus z.B. Rom oder anderen Städten so nicht kannten.

Die Wasserbecken in den Säulengängen sind hier höher, die Häuser immer einen Tick luftiger und vermutlich auch in der Höhe ein wenig imposanter als auf dem italienischen Stiefel. Christian als Architekt hat mir dann bei den Läden mit Villen im Hintergrund eine andere Schließ- oder Türtechnik gezeigt, die ihn fasziniert hat, denn offensichtlich hatten die Tore der Händler kleine Türen, eventuell je nach Jahreszeit anders benutzbar. Theoretisch verkaufen Händler hier meist unter den Arkaden mehr, als sie es in ihren kleinen Läden tun, das hätte auch eine Tradition.

Dazu kommt, dass hier Forum und Basilika zwar da sind, aber im Vergleich zu anderen Städten nicht unbedingt riesig sind.

Mit dem Christentum unter Konstantin wurde die Stadt nicht verlassen, sondern einfach umgemünzt, die Basilika, eigentlich der römische Verwaltungssitz, wurde schnell mal eine Kirche.

Damit ist die Geschichte aber noch nicht vorbei, denn auch der Islam hatte dann in Volubilis Fuß gefasst, die Übergänge scheinen immer relativ unkompliziert verlaufen zu sein, dann aber kam eben das Erdbeben.

Die Ebene von Volubilis ist nach wie vor fruchtbar, der Olivenhandel und vor allem das Olivenöl haben die Stadt reich gemacht. Wie hatte die nette Dame der österreichischen Gruppe so schön gesagt, von der Ernte werde ich keine reiche Stadt, es ist die Vermarktung und die Verknüpfung der Handelswege. Als Bauer werde ich nicht reich, es sei denn, ich habe ein gutes Netz für meine Waren.....

Das ist hier alles der Fall gewesen, als Königsstadt hat sie natürlich einen besonderen Stand gehabt.

Uns haben vor allem die Mosaiken fasziniert, ich hoffe, dass die UNESCO bald darum bittet, dass die Ausgrabung ein wenig besser geschützt und die Mosaiken konserviert werden, denn in der teils erbarmungslosen Sonne ist sonst bald nichts mehr zu sehen....

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