Funkloch und Ankunft in Sulawesi / Rammang Rammang
Nach kurzer, internetloser Pause sind wir wieder zurück und haben einiges zu erzählen! Unseren (vorerst) letzten Morgen in Singapur starteten wir mit einem traditionellen...


Veröffentlicht: 02.03.2020
Die Fahrt im Nachtbus von Rammang Rammang nach Rantepao stellte sich als durchaus komfortable Angelegenheit heraus, für uns waren tatsächlich zwei richtige Betten mit Decken und Kopfkissen im hinteren Teil des Busses vorhanden. Allerdings verschieben wir das Fotos schießen auf den kommenden Morgen, wir werden ja noch genug Zeit dafür finden denken wir.
Womit wir uns getäuscht haben, denn geweckt werden wir am nächsten Morgen von einem lauten "Goooooood Morning" von Franziska unserer Homestaybesitzerin, die uns vom Bus abholt und uns erstmal aus diesem heraus scheucht.
Der Tag beginnt dann für uns so richtig auf der Terasse ihres schönen großen Hauses in Nonongan, einem Bergdorf im Torajahochland. Doch lange Zeit zum durchatmen bleibt uns nicht, denn für den späteren Nachmittag hat Franziska den Besuch einer traditionellen Beerdigungszeremonie in einem Torajadorf organisiert.
Flugs kleidet sie uns in traditioneller Kleidung, die angebracht ist, ein und als Gastgeschenk dient eine Stange Zigaretten, hier immer gerne gesehen.
Die Beerdigungsrituale der Toraja unterscheiden sich stark von den unsrigen. Verstirbt ein Toraja, so gilt er so lange als "krank" und verbleibt einbalsamiert im Wohnhaus, bis sich die Familie eine angemessene Beerdigungszeremonie leisten kann. Und die kann teuer werden, dauert sie doch je nach sozialem Status der Person zwischen 2-7 Tagen. Je mehr Büffel und Schweine dem Toten zu Ehren geopfert werden können, desto ehrwürdiger. Und natürlich sind alle Dorfbewohner und die aller umliegenden Dörfer eingeladen und angehalten ebenfalls ihrerseits Opfergaben mit sich zu bringen.
Die Dame auf deren Beerdigung wir zu Gast waren, ist stattliche 90 Jahre alt geworden, wie uns einer ihrer Söhne erzählt. Für die Familie der Verstorbenen sind wir Ehrengäste und werden von ihnen zunächst zum Kaffee und anschließend zum gemeinsamen Mittagessen eingeladen.
Nach dem Mittagessen wird der Sarg der Verstorbenen innerhalb des Hauses vom Obergeschoss in das Erdgeschoss getragen, symbolisch als Übergang in die Welt der Toten zu betrachten. Die Einladung von uns von der Verstorbenen im Angesicht zu Angesicht zu verabschieden lehnen wir dankend ab.
Bevor schließlich der Sarg vor das Haus getragen wird, womit die Verstorbene endgültig als verstorben gilt, wird eine Büffelkuh auf den Dorfplatz geführt und dort zeremoniell geopfert. Details hierzu ersparen wir uns an dieser Stelle, werden dann auf persönliche Nachfrage nachgeliefert.
Das Fleisch der Büffelkuh wird sogleich für die Festgesellschaft verwertet.
Am Nachmittag besichtigen wir die Felsgräber von Londa, in dem die Toraja ihre Toten bestatten, es gilt die Regel, je höher das Grab gelegen, desto höher das soziale Ansehen.
Unter den Felsgräbern befinden sich Höhlen in denen Kinder und Arme begraben werden. Den Verstorbenen hat man auf die letzte Reise noch Wasser und Zigaretten mitgegeben.
Zum Ende des Tages begeben wir uns in einen unserer Unterkunft nahegelegenen Wald zu einem Baum, in dessen Stamm verstorbene Babys begraben wurden (das letzte 1951), in dem Glauben, dass die Kinder im Baum weiterleben können.
Ihr merkt schon, bei den Toraja dreht sich viel um den Tod und den Umgang damit, wobei dieser viel mehr mit positiven Emotionen behaftet ist als bei uns. Trotz der christlichen Missionierung im 19. Jahrhundert durch niederländische und Deutsche Pastoren haben sich die animistischen Traditionen der Urreligionen erhalten.
Im Wald pflückt Franziska noch schnell eine Durian eine stachelige, große Frucht, in deren "Genuss" wir im Anschluss kommen. Das Fruchtfleisch erinnert geschmacklich an eine Mischung aus Orange, Knoblauch und Roquefort und hat dabei die Konsistenz von Schmierkäse. Lecker.
Am darauf folgenden Tag nehmen wir den Buntu Sopai, den Hausberg von Nonongan, in Angriff. Wir wandern durch etliche Toraja Bergdörfer, in denen die typischen Hausbauten in Schiffsform, die Tongkonan, ein echter Hingucker sind. Franziska kennt gefühlt jeden in jedem Dorf hält Schwätzchen und organisiert für uns ein Mittagessen bei ihrer Tante nach der Wanderung. In einem anderen Dorf schickt eine Mutter ihre Tochter kurz in den Regenwald, diese kommt mit frisch geernteten Bananen, Maracuja und einer Ananas wieder. Die Gipfelverpflegung ist damit auch gesichert.
Als wir diesen erreichen, offenbart sich uns ein wundervoller Rundumblick über das gesamte Torajahochland. Die vorhandenen Pausenhütten bieten sich dann nach einer kurzen fruchtigen Erfrischung für einen (Vor-)Mittagsschlaf an.
Nach dem gelungenen Abstieg werden wir von Franziskas Tante mit einem leckeren Mittagessen versorgt.
Im darauffolgenden Dorf stoßen wir zufällig auf eine Probe des örtlichen Blasmusikvereins, nur eben mit Instrumenten aus Bambus. Ein toller Klang!
Als wir auf den letzten Metern doch noch allnachmittäglichen Platzregen erwischt werden, zeigt sich, dass sich Bananenstaudenblätter vorzüglich als Regenschirme eignen.
Am Abend musizieren wir ein wenig gemeinsam, Franziska und Ebi führen uns ihren Kokosnusstanz vor.
An unserem letzten Tag im Torajahochland nimmt uns Franziska mit auf eine Rollertour in den Norden.
Natürlich geht es zunächst zu einer Stätte für Beerdigungszeremonien, in der einige Megalithe aufgestellt sind. Das funktioniert so ähnlich wie bei uns mit den Autos, je größer und dicker der Megalith, desto wichtiger der Verstorbene.
Das Rollerfahren gestaltet sich als eigentlich ganz angenehme Angelegenheit, als wir die Halbhöhenlage erreicht bietet sich uns ein wunderschöner Ausblick über die Reisfelder und das Hochland.
Und zum Abschluss darf natürlich die Besichtigung der Beerdigungsfelsen von Lembang nicht fehlen, bei der die Abbilder der Verstorbenen vor ihren eigenen Gräbern sitzen.
Nachmittags besuchen wir in Rantepao den Markt und essen gemeinsam eine leckere Suppe (mit sättigendem Jellyglibber drin).
Abends wird gemeinsam gekocht, Leonie versucht sich im Bananenstaudenstammhobeln, schwierige Angelegenheit, und wir kommen in den Genuss von Büffelfleisch (natürlich von einer nahen Beerdigungszeremonie abgegriffen).
Am nächsten Morgen setzen wir uns nach herzlichem Abschied von Franziska und mit einem ordentlichen Lunchpaket ausgestattet in den Bus nach Tentena. Die Fahrt wird nur ca. 13 Stunden dauern..