Canada Autumn 2021
A roadtrip from Montreal to Nova Scotia and back

Halifax - Peggy's Cove

Gestern war Halbzeit. Das fühlt sich komisch an. Auf der einen Seite bedeutet es, dass ich die Hälfte noch vor mir habe - auf der anderen Seite kommt es mir so vor, als ob ich schon ewig hier bin und ich nur noch kurz Zeit habe. Es waren einfach so viele Eindrücke. Ein wenig Herunterfahren ist angesagt, und so ist mein neues Quartier nur 50 km von hier an der Küste. Das heißt ich kann mir ganz viel Zeit lassen und mich bei diesem herrlichen Sommerwetter entspannen.

Als ich nach einem langen relaxten Vormittag um 11 Uhr über die Brücke in Halifax fahre, beschleicht mich dann doch die Wehmut. Ich hätte es hier länger ausgehalten, allerdings ist das auch ein Ort, den man eigentlich zu zweit erleben sollte. Zu verlockend sind die kleinen Bars und Restaurants, doch in COVID-Zeiten ist das Alleinereisen anders geworden. Durch die auch hier geltenden Abstandsregeln sitzt man an den Bars weit entfernt von möglichen Gesprächspartnern, und das ist schon ein deutlich anderes Gefühl im Vergleich zum letzten Mal. Da sind die Orte, an denen prinzipiell wenig los ist, dann leichter auszuhalten.

Ich fahre auf die Route der Leuchttürme, und will mir 2 davon anschauen. Der erste steht in der Terence Bay, und den kann ich nur zu Fuß erreichen, indem ich durch einige Grundstücke spaziere und ein paar Verbotsschilder ignoriere. Es ist schon seltsam. Der Leuchtturm steht imposant in dieser großartigen Landschaft, und ich bin der einzige, der sich darum bemüht, ihn wirklich anzusehen.

Das komplette Kontrastprogramm dazu ist der Leuchtturm bei Peggy's Cove, der der meistfotografierteste in Nova Scotia ist. Der Parkplatz ist total überfüllt, und ich muss 3 Runden drehen, bevor ich einen freien Platz ergattere. Dafür wird man aber mit einer Umgebung entschädigt, die schon ihresgleichen sucht. Der Turm ist rundum mit Felsen umgeben, auf denen sich die Besucher tummeln. Lustig ist, dass er heute neu gestrichen wird. Eine Frau fragt allen Ernstes, ob die Arbeiter mal kurz abziehen können - sie will ihn ohne sie fotografieren. Ich glaube wirklich, die meinte das ernst.

Ich mag meine Bilder mit angeseilten Anstreichern, ist schließlich nicht alltäglich und ohne kann ja jeder. Danach setze ich mich auf einen Stein, und auch wenn viele Menschen hier sind, so verteilt sich das Ganze doch so, dass man sehr für sich ist. Das Glitzern der Sonne auf dem Wasser ist faszinierend, und so vergehen einige Stunden, bis ich mich dann doch aufmache, meine nicht weit entfernte Unterkunft aufzusuchen.

Vorher überkommt mich noch der Hunger und ich mache bei Tom's Lobster Shack halt. Die Bilder im Internet sehen auch zu verlockend aus. Ich bestelle meine obligatoriche Lobster Roll und löhne den obligatorisch hohen Preis - ca. 20 Euro. Ich weiß ja nicht, ob ich das so einfach bei uns bezahlen würde, für ein Sandwich aus einer Pommesbude. Aber dafür schmeckt es noch eine Ecke besser als die gestern. Verdammt. Kann mir nicht Hummer NICHT schmecken?

Nach der Stärkung komme ich unerwartet an einer traurigen Gedenkstätte vorbei, die ausgeschildert ist. Vor 23 Jahren, am 2.9.1998 stürzte hier eine Swissair-Maschine mit Flug 111 ins Meer, wobei alle 229 Menschen an Bord ums Leben kamen. Der Gedenkpark ist wirklich schön angelegt, und 2 Gedenksteine erinnern an das Unglück. Ich kann mich allerdings nicht daran erinnern.

Mein Motelzimmer ist klein aber total liebevoll eingerichtet. Die Dusche ist in einer Kabine, und es fehlt die obligatorische Mikrowelle, aber ansonsten ist das hier wirklich ein schöner Ort. Am Besten ist der Blick aus meinem Fenster, direkt auf die Bucht und ich freue mich schon auf den Sonnenuntergang. Morgen geht es dann weiter bis zum südlichsten Punkt von Nova Scotia, diesmal eine Privatunterkunft, wie ich sie oft in Neufundland hatte. Mit Hund. Wow.

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