Canada Autumn 2021
A roadtrip from Montreal to Nova Scotia and back

Bay Saint Lawrence - Port Hood

Die Nacht pfeifte der Wind über das auf einer Anhöhe liegende Motel hinweg, aber gestört hat mich das nicht. Es war eher ein Wiegenlied. Als ich aufwache, ergießt sich die Welt vor mir in strahlendem Sonnenschein. Ich habe noch nie in einem Motel genächtigt, in dem der Blick so phänomenal war. Aber auch noch nie so teuer. Ich mache mir eine Kanne Kaffee aus meinen Wasserflaschen, da das Wasser bakteriell kontaminiert ist. Zum Zähneputzen nehme ich besser mal auch eine Flasche, und den Gesang unter der Dusche spare ich mir auch.

Ich kann mich zwar schwer trennen von dem Ausblick, aber der 2. Teil des Cabot-Trails liegt vor mir - und der hat es in sich. Dachte ich gestern, dass das eigentlich nicht steigerungsfähig wäre, so ist das heute noch eine Schippe drauf gelegt. Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich angehalten habe und die Bilder, die ich hier einstelle, können nur annähernd wiedergeben, was meine Augen erblickt haben. Die Schönheit dieses Weges ist einzigartig - und wer das alles an einem Tag macht, macht etwas verkehrt. Die Nacht dazwischen war genau richtig. Die Seele kann das alles gar nicht so schnell aufnehmen.

Um 11.30 mache ich Lunchpause im "Rusty Anchor". Ich sitze draußen auf der Terasse und gönne mir Austern und einen Chowder. Die Austern sind zwar klein, aber immens schmackhaft und bessere hatte ich bisher nur in Irland. Der Chowder fällt ein wenig ab, aber das wird durch den Ort wettgemacht, an dem ich ihn esse. Die Speisekarte ist voll von Leckereien - würde ich hier wohnen, würde ich mich arm essen.

Auch nach der kulinarischen Rast gibt der Weg noch einmal alles, und Bilder aus dem Internet öffnen sich jetzt vor meinen eigenen Augen. Und auch wenn im Verhältnis zu gestern mehr Touristen auf den zahlreichen Aussichtsplätzen stehen, ist es nie überfüllt. Ich will gar nicht ahnen, wie das hier in den Sommerferien ausschaut.

Nach 5 Stunden ständigen Anhaltens und Genießens wird der Trail dann flacher und nicht mehr so spektakulär. Er gibt dir dann die Ruhe, das Gesehene zu verarbeiten, während du maximal mit gemütlichen 80 km/h dem Ziel, in meinem Fall Port Hood, entgegenfährst.

Kurz vor dem Erreichen fahre ich bei der Glenora Destillerie vorbei, dem einzigen Ort in Kanada, an dem schottischer Single Malt nur mit Malz gebrannt wird. Den Rundgang durch die Brennerei spare ich mir, immerhin habe ich schon einige Destillen in Schottland besucht und letztendlich machen sie alle dasselbe. Bewundernswert ist aber das schöne Anwesen, welches der Gründer Bruce Jardine, der 1999 starb, hinterlassen hat. Ein Schmuckstück, in dem man auch essen und übernachten kann. Ich kenne jemand, mit dem ich das gerne machen würde.

Port Hood ist berühmt für seine Strände, die man auf einem Holzsteg ablaufen kann. Heute abend habe ich diese ganz für mich - kein Mensch ist hier. Und meine nette Gastgeberin Mary-Claire wies mich beim Einchecken darauf hin, dass hier die Sonnenuntergänge besonders schön sind. Sie hat nicht übertrieben, die Mary-Claire.


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