Fresno und Sequoia Nationalpark
Wir hatten als Unterkunft ein richtig cooles AirBnB in der Stadt Fresno, die zwischen dem Sequoia Nationalpark und unserem nächsten Ziel San Francisco liegt. Das ganze Haus war...

Veröffentlicht: 06.10.2023






















































Als nächstes ging es für uns also in die erste große Stadt in Kalifornien, San Francisco! Auf dem Weg zur Autorückgabe fuhren wir durch ein Viertel in der Innenstadt, wo ein Obdachloser neben dem anderen hauste. Wir hatten im Voraus schon davon gehört, dass es viel Armut in San Francisco gibt, aber das war krass zu sehen.
Nachdem wir das Auto abgegeben hatten liefen wir zu der ersten Touri-Attraktion, den berühmten „Cable Cars“, die einen über die steilen Hügel der Stadt transportieren. Es ging direkt an der Endhaltestelle los, wo die Straßenbahn sehr fotogen (per Hand) auf einer hölzernen Drehplattform wieder in die andere Richtung manövriert wurde. Die Fahrt dauerte relativ lange, wir fuhren steile Hügel hinauf und hinunter, stellten uns abwechselnd hin und fuhren wie im Film seitlich an der Bahn angelehnt durch die Stadt. Die letzte Haltestelle war das „Fishermans Wharf“, das Hafengebiet, an dem wir auch ausstiegen. Wir wärmten uns kurz in der Sonne am Strand auf, hielten die Füße in das eiskalte Wasser und beobachteten einige Schwimmer. Es war erstaunlich kühl, hatten wir uns doch die kalifornische Küste sommerlicher vorgestellt. Auf dem Weg entlang der verschiedenen Piers stolperten wir zufällig in ein richtig cooles Museum, in dem ganz viele alte Spielautomaten standen. Wir spielten Pac-Man, Flipper - für Philip gab es sogar extra einen von Indiana Jones - und noch andere lustige Spiele. Danach spazierten wir zum Pier 39, wo man eine Menge Seelöwen sehen kann und es viele Geschäfte und Restaurants gibt. Abends fuhren wir mit der Metro zurück zu unserer etwas außerhalb gelegenen Ferienwohnung.
Für den nächsten Morgen hatten wir uns Tickets für die Fähre nach Alcatraz gebucht. Ursprünglich diente die Insel als Militärbasis, danach war es ein Gefängnis für Kriegsgefangene und dann wurde es zu einem Hochsicherheitsgefängnis für die schwierigsten Häftlinge der 30er bis 60er Jahre. Aus allen Gefängnissen der USA wurden diejenigen dorthin geschickt, die schon einmal versucht hatten auszubrechen oder sich sonstwie nicht an die Knastregeln hielten. Damals herrschten hier besonders strenge Regeln, eisige Temperaturen und komplette Isolation durch die Lage auf der Insel. Zwar kann man San Francisco sehen und meint fast, es wäre ein leichtes hinüberzuschwimmen, aber das Meer ist so kalt und rau, dass daran schon Mehrere gescheitert sind. In den 60ern wurde Alcatraz dann geschlossen, da die Instandhaltungskosten zu hoch waren und heute ist es ein Museum. Im Gefängnis machten wir eine super interessante Tour mit Audio-Guide (sogar auf deutsch) und erfuhren einiges über die Regeln und Häftlinge. Unter anderem saß hier auch der berühmt-berüchtigte Al Capone, ein reicher Mafiaboss aus Chicago. Es gab einen Vortrag extra über ihn, der von einem Mitarbeiter des Museums gehalten wurde. So saß Al Capone mehrere Haftstrafen in unterschiedlichen Gefängnissen ab und schaffte es überall eine Sonderbehandlung zu bekommen. Zum Beispiel baute er seine Zelle zu einem Luxuszimmer um oder bestellte sich Essen aus der Stadt, das man ihm ins Gefängnis lieferte. Als Alcatraz in Betrieb genommen wurde, war er einer der Ersten, die hergebracht wurden. Damit er nicht während des Transports von seinen Komplizen befreit werden konnte, griffen die Beamten damals zu einem eigenartigen Mittel. Sie verschifften kurzerhand den kompletten Zug, mit dem Al Capone durchs Land gebracht wurde auf die Insel. Erst dort durfte er aussteigen und war so ohne Zwischenfälle auf „The Rock“, wie Alcatraz auch genannt wurde, angekommen. Trotz seiner üblichen Bestechungsversuche wurde er hier genauso streng behandelt wie alle anderen Häftlinge und musste sich mit der kargen Zelle und dem Gefängnisessen zufrieden geben.
Es wurde außerdem eine der wenigen Fluchtgeschichten erzählt. Drei Häftlinge hatten nach und nach Besteck beim Essen mitgehen lassen und damit einen Lüftungsschaft unter ihrem Waschbecken innerhalb von zwei Jahren so ausgekratzt, dass sie hindurch passten. Um sich einen Zeitvorsprung zu verschaffen, bauten sie ihre Köpfe mit Seife und Baumwolle nach und drapierten sie unter der Bettdecke, sodass ihr Fehlen dem Nachtwärter nicht auffiel. Bis heute weiß man nicht, ob sie es durch die kalten Wellen der Francisco Bay schafften. Die Ermittler gingen davon aus, dass sie ertrunken sind - jedoch wurden sie nie gefunden. Am Ende gab es noch eine Ausstellung mit aktuellen Zahlen und Problemen der amerikanischen Gefängnisse. Es war erschreckend zu lesen, dass bis heute Menschen mit dunkler Hautfarbe unverhältnismäßig oft verhaftet werden und was so eine Gefängnisstrafe selbst nach Absitzen der Zeit für Folgen hat. Zum Beispiel dürfen Ex-Häftlinge in den USA nicht wählen gehen, dürfen nicht zum Militär, können sich für die meisten Jobs nicht bewerben und erhalten keine Studentenkredite. Als Gegenbeispiel waren mehrere Länder aus Europa aufgeführt, in denen es offensichtlich besser läuft. Es zeigte sich, dass sich das Konzept der Resozialisierung und Prävention statt harter Strafen bewährt hat und zu weniger Folge-Inhaftierungen führt. Alles in allem ein sehr interessanter, aber auch denkwürdiger Besuch!
Danach liefen wir noch kurz durch Chinatown, schlürften einen Kaffee in Little Italy und machten die Shoppingcenter unsicher.
Den nächsten Tag widmeten wir voll und ganz der berühmten Golden Gate Bridge. Wir hatten Glück mit dem Wetter und die sonst oft im Nebel verborgene Brücke war glasklar im Sonnenschein zu sehen. Wir hatten uns Fahrräder geliehen - nein falsch, ein Fahrrad und ein Tandem! Philip und Sascha wollten nämlich unbedingt zusammen radeln 😄. Zuerst fuhren wir ganz entspannt entlang des Strandes, den Blick immer fest auf die Brücke gerichtet. Die lag jedoch ein paar Höhenmeter höher als gedacht und wir mussten am Ende ganz schön strampeln! Oben angekommen fuhren wir neben der Autospur bis auf die andere Seite und dort ging es dann bergab in das süße Örtchen Sausalito. Nach einem kleinen Mittagessen, einem kostenlosen Bierchen (dank Coupon vom Fahrradladen 💪🏼) und einem kurzen Versuch von Jana auch Tandem zu fahren - es war schrecklich - ging es dann wieder steil bergauf auf die Brücke. Während der goldenen Abendstunden radelten wir zurück zum Fahrradverleih, mit einem kurzen Zwischenstop bei der kurvigen und steilen Lombard-Street, die wir runterdüsten. Mit Muskelkater und ganz schön platt schlenderten wir noch ein letztes Mal den Hafen entlang und zur Metrostation.
Fazit: San Francisco ist ganz schön hügelig und eine ziemlich coole Stadt, die uns richtig gut gefallen hat.
Am nächsten Morgen hieß es San Frantschüssko für Sascha und wir brachten ihn zum Flughafen, denn die gemeinsamen Wochen waren leider schon wieder vorbei! Wir sind in 23 Tagen über 6300km durch 5 verschiedene Bundesstaaten und 7 Nationalparks gefahren und hatten eine wundervolle und lustige Zeit zu dritt!
Für uns beiden geht es jetzt mit einem neuen, kleineren Autochen entlang der Küste in Richtung Los Angeles.
