Israel 2018
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Tag 5: Ghetto Fighters Museum und die Altstadt von Akko

Veröffentlicht: 08.04.2018

Auch an diesem schönen Tag hatten wir viel vor, und wir trafen uns früh, damit wir zum Bahnhof gehen konnten. Wir kauften uns schnell noch einen großen Topf Hummus von und etwas Brot dazu, denn gefrühstückt hatten wir noch nicht. Als wir auf dem 10 minütigen Fußweg noch an einer Bäckerei vorbeikamen, sprangen wir schnell rein um uns noch kleine sowohl süße als auch herzhafte Kleinigkeiten zu besorgen. Am Bahnhof angekommen mussten wir ersteinmal wieder durch eine kleine Sicherheitskontrolle. Das Gepäck wird durchleutet und  wir müssen durch einen Detektor gehen. Aber daran waren wir ja schon gewohnt, das ist nämlich in Israel überall in öffentlichen Gebäuden (Museen, Flughäfen, Shopping Malls, etc.) so.

Als wir dann endlich am Gleis standen, staunten wir nicht schlecht. Denn vor uns standen die Waggons der Deutschen Bahn! Ja genau die! Etwas skurril war es schon genau die gleichen Züge wie Zuhause in einer völlig anderen Landschaft zu sehen. Beim Einsteigen wurden wir positiv überrascht, alles sauber und gemütlich! Selbst die Sitzpolster sind hier schöner. Und noch viel besser: Zugfahren kostet hier echt nicht viel Geld und es lohnt sich die Landschaft anzugucken.

Gute 25 Minuten später endete unsere Fahrt entlang des Wassers. Wir stiegen aus und wurden direkt von der knallen Sonne begrüßt und von einem Geräusch, dass wir zunächst nicht einordnen konnten. Es hörte sich an wie eine Krankenwagensirene, nur 10 Mal lauter. Das Geräusch klang schnell wieder ab, und unser Teamer erzählte uns, dass dies der Raketenalarm sei. Er erklärte uns auch, dass im Ernstfall jede Person eine Nachricht auf sein Handy bekommt und so gewarnt wird. Bei diesem Alarm handelte es sich zum Glück nur um einen Testlauf, der wohl in den israelischen Medien schon vorher bekannt gegeben wurden, wie wir später erfahren. Auch dies verdeutlichte uns nochmal ziemlich genau wie konfliktreich der Status von Israel ist.

Wir machten uns dann auf den Weg in das Ghetto Fighters Museum. Dort angekommen, kamen uns erstmal riesige Horden von Schulgruppen entgegen. Anscheinend ein beliebtes Museum. Wir meldeten uns bei der Info an, und gingen erstmal in einen anderen Teil des Gebäudes - das Kindermuseum. Wir bekamen Audio Guides und begannen mit dem Museumsbesuch.

Das Kindermuseum befasst sich mit dem Nationalsozialismus und vorallem dem Antisemitismus aus Kindersicht. So hörten wir am Anfang viele vertonte Tagebucheinträge von Kindern die den Nationalsozialismus erlebten. Begleitet wurde die Austellung durch Filmbeiträge von Kindern die überlebt haben und ihre Geschichten der Flucht, des Versteckens und der Angst erzählten.

Noch ein paar Worte zum Aufbau des Kindermuseums: die Ausstellung fängt im Ergschoss an, und geht immer weiter abwärts in einer Spirale. In einem Bereich ziehen sich Häuserwände bis nach ganz oben an die Decke. Alles steht dicht an dicht, es ist fast möglich sich hier zu verlaufen. In einem anderen Bereich geht man die Bahnschienen entlang, es ist düster und der Weg ist nicht klar erkennbar. Am Ende der Bahnschienen steht man auf einmal inmitten von Gittern, dies symbolisiert das Ende vieler Leben in den Konzentrationslagern die von den Nationalsozialisten erbaut wurden.

Nach dem Kindermuseum gehen wir zurück in das Hauptgebäude. Man sagt uns, dass es momentan eine Wanderausstellung zu Adolf Eichmann gibt. Wir fingen mit einer kleinen Austellung an, in der nochmal der komplette Ablauf des Nationalsozialismus kurz dargestellt wird. Hier wird der Fokus auf die Familie Frank gelegt, die sich bei einer Familie in Amsterdam hinter einem Wandschrank versteckete, bis sie verraten wurden und in das KZ Bergen-Belsen deportiert wurden. Allein der Vater der Familie überlebte und veröffentlichte das Tagebuch seiner Tochter.

Wir gingen eine Treppe weiter nach oben und fanden uns in der Ausstellung zum Widerstand im Warschauer Ghetto wieder. Hier werden die verschiedenen Personen und Gruppen vorgestellt, die sich gegen das nationalsozialistische Regime wehrten und somit ihr Leben aufs Spiel setzten. Es ist sehr interessant zu sehen, dass das ganze Museum den Fokus auf die Widerstand gegen die Nationalsozialisten legt. Ich konnten auch hier wieder viel Neues lernen.

Am Ende erwartete uns noch die Sonderausstellung zu Adolf Eichmann. Bevor man diesen Raum erreicht, gibt es noch eine Ausstellung zu den Rassentheorien und den medizinischen Experimenten der Nationalsozialisten. Beim Vorgbeigehen laufen einem Schauer über den Rücken.

Die Ausstellung zu Adolf Eichmann ist in einem kleinen Raum. Hier wird hauptsächlich der "Eichmann-Prozess" dargestellt. Eichmann war Leiter des Eichmannreferats oder auch des Judenreferats. Er organisierte die Vertreibung und Deportation der Juden. Er befasste sich auch mit der "Endlösung der Judenfrage". Adolf Eichmann ist verantwortlich für den Tod von Millionen von Juden und Jüdinnen.

Eichmann überlebte den Krieg und floh nach Argentinien. Er wurde 1960 von israelischen Agenten nach Israel entführt um ihn vor Gericht zu bringen. In der Ausstellung werden große Teile der Aussagen von Adolf Eichmann gezeigt. Seiner Meinung nach trage er nicht die Verantwortung seiner Taten, da er ja nur Befehle ausgeübt habe. Das macht mich wütend. Richtig richtig wütend.

Auf der anderen Seite können wir uns Aussagen von Überlebenden Juden und Jüdinnen anhören. Sie erzählen ihre Geschichten, was sie erlebt und gesehen haben. In der Mitte des Raumes befindet sich eine Projektion mit ganz vielen Gesichtern. Im Hintergrund laufen Tonaufnahmen von Personen die im Gerichtssaal anwesend waren. Die Gedanken kreisen, wie kann dieser Mann der da sitzt und so unscheinbar aussieht, so viel Leid über die Menschen gebracht haben? So gefährlich sieht der doch gar nicht aus, oder? Viele Fragen werden aufgeworfen, wenige davon beantwortet. Und wahrscheinlich die größte von allen: Warum?

 Mit vollem Kopf verlassen wir das Museum. Die Sonne tut gut und treibt die Kälte aus dem Körper. Wir verlassen das Gelände und fahren mit einem Bus in Richtung Akko. Wir spazieren noch etwas in der Altstadt von Akko umher, gucken uns den Markt an, bestaunen von den alten Stadtmauern aus den Blick über das Meer auf Haifa und essen noch etwas in der Gesellschaft streunender Katzen. Dann fahren wir mit einem Bus zurück nach Haifa.

In Haifa angekommen setzen wir uns in gemütlicher Runde zusammen und lassen den Tag ausklingen. Und uns erwartet eine schöne Überraschung! Eine der wenigen Frauen die wir bei dem Basketballspiel kennengelernt haben, die in der Nähe von Haifa wohnt, gesellt sich an diesem Abend dazu. Wir berichten von unseren Erlebnissen, tauschen uns über alle möglichen Dinge aus und verbringen einen super schönen Abend in bester Gesellschaft.

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