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9. Tag auf Rügen (12.10.2021 Dienstag)

9. Tag auf Rügen (12.10.2021 Dienstag)

Und heute ging es zum Königsstuhl. Die Kalkfelsen sind durch Kalkalgen, Wurzelfüßler und Muschelkrebse entstanden. Ihre Schalen und Skelette sanken nach ihrem Tod auf den Meeresgrund. Durch tektonische Veränderungen wurden diese  Kalkschichten vom Meeresgrund nach oben geschoben und nun arbeiten Winde und Wetter an dem permanenten Abbau. Kreidebrüche sind gefährlich.

Wie stießen auf einen großen Parkplatz mit dem Hinweis Königsstuhl und parkten. Als ich dann aber das Schild sah, dass ein 2,6 km langer Weg vor mir lag war ich eher entmutigt. Wir  machten uns auf den Weg, während Gabi nur lapidar meinte: " Das schaffen wir."

Nun denn, wir gingen los. Der Weg durch den Erlenwald war wirklich wunderschön. Überall im Wald gab es Feuchtbiotope, Pilze wuchsen aus dem bunten Herbstlaub, umgestürzte Bäume erweckten den Eindruck eines Urwaldes. Und sogar ein großer See lag inmitten dieser Idylle. An einem Schild wurde darauf hingewiesen, dass dies vielleicht ein Zauberwald wäre und das passte zu unserem "Rotkäppchenwald", der uns regelmäßig zur Hauptstraße führte. Wir hatten auch schon einen anderen Wald "Hänsel und Gretel Wald" getauft und ein weiterer war der "Rübezahl Wald". Doch egal, wie schön es hier war: Immer wieder quengelte ich, so wie es normalerweise Kinder machen und Gabi lachte mit mir und übernahm das Spielchen.

"Jetzt stell dir vor, wir kommen oben an und da gibt es einen Parklplatz," sagte ich. "Ja und?" meinte Gabi nur. "Dann beiß` ich mir in den Po." "Kannst du ja machen, aber dann hätten wir den schönen Wald verpasst." Endlich waren es nur noch 600 Meter und was sah ich nach kuzem: Eine Straße!!!! Nun denn, wir hatten es geschafft.  Und wie zum Hohn stand da jetzt auch ein Bus, der den Motor startete, um zu unserem Parkplatz zu fahren.

Jetzt ging es zur Kasse und die wollten wirklich zehn Euro, damit man auf den Königstuhl gehen konnte. Dazu gehörte noch ein Museum und ein Film. Da wir das beide recht unverschämt fanden, machten wir uns auf, um den kostenlosen Weg zu gehen, nachdem wir gefragt hatten, aber als wir das Gefälle und die Steigung sahen, entschieden wir uns doch für die zehn Euro. Dieser Weg war aber auch nicht ganz ohne und hatte etliche Stufen, die dem Knie von Gabi sehr zusetzten.

Wir bestaunten die umliegenden steilen Kreideküsten, wo die Erlenbäume bis an den Rand wuchsen und den Blick über das weite Meer, doch im Grunde genommen, war das wenig spektakulär, weil die Abschnitte, die man sehen konnte doch eher gering war. Um den Namen des Königstuhls ranken sich verschiedene Geschichten. Eine besagt, dass junge Männer den Felsen emporsteigen mussten und wer oben als Erster ankam, wurde zu König gekrönt.  Wir ließen schnell noch ein Foto von uns machen und begannen den Abstieg um uns dann in dem Bistro zu laben. Gabi sagte unvermittelt. "Ich glaube wir sollten doch mit dem Bus runter fahren, mein Knie spielt nicht mehr mit." Das war ganz in meinem Sinne, denn ich hatte schon angekündigt, dass ich oben den Hubschrauber rufen würde, weil ich nicht mehr könnte. Also ging es ab zum Bus, der auch wirklich unseren Parkplatz ansteuerte. Aber wo stand mein Auto? Ich hatte mal wieder voll die Orientierung verloren, kramte meinen Schlüssel heraus, um ein Lichtsignal meines Autos zu suchen, da sagte Gabi: "Irmi, da steht er doch." Wir lachten beide, denn ich stand meinem Auto genau gegenüber.

Auf dem Rückweg fuhren wir noch eine Runde durch Sassnitz und suchten danach das Hinweisschild für die Feuersteinfelder, doch irgendwie haben wir das wohl übersehen. In Sassnitz kam ich dann auf die glorreiche Idee, Siri nach einem Antiquitätenhandel zu befragen und siehe da, auf unserer Straße sollte in 900 Metern ein solches Geschäft kommen. Ich stöberte durch schmale Gänge und sah viele interessante Möbel, für die ich aber keinen Platz hatte und die ich ja auch nicht suchte. Und dann sah ich eine kleine alte Vitrine. War jetzt also nur noch die Frage, was sie kosten sollte. Wir wurden handelseinig und er trug mir das gute Stück sogar zum Auto. Hier würden meine Erinnerungen einen guten Platz haben. Ich war glücklich, auch wenn ich die Trauer spürte, zwei liebe Freundinnen in so kurzer Zeit verloren zu haben.

Wieder in unserem Feriendomizil angekommen, rief ich Norbert an, weil ich ja ein Prospekt von einem Lokal  mitgenommen hatte, in dem er schon gewesen war, aber bei all den Prospekten, die sich inzwischen  angesammelt hatten, unsicher war, ob ich das Richtige herausgefischt hatte. Das war aber so und  als ich dort anrief, erfuhr ich, dass es  neue Besitzer gab. Erst buchte ich uns einen Tisch, aber dann las ich die Kritiken und da es ein deutliches Gefälle in der Bewertung der letzten Monaten gab, sagte ich unseren Tisch ab und wir fuhren zum Essen los und fanden ein Hotel in Göhren , wo wir beide sehr lecker aßen und zufrieden und satt nach Hause fuhren.



Kommentare

Christa
Irmi, mit dem Laufen wird das wohl nichts mehr bei dir in diesem Leben. Memme! Gabi hat recht. Du hättest den schönen "Urwald" verpasst. Schön, dass du beim Antiquitätenhändler fündig geworden bist.

Helmut
Gut, dass ihr gelaufen seit. In der Natur ist die Luft einfach besser als im Auto und man erlebt etwas. Das macht Hunger. Schön, dass ihr noch ein gutes Restaurant gefunden habt.

Frank
Der Weg durch den Wald ist traumhaft und man sollte ihn nicht verpassen, alles richtig gemacht! Übrigens kommen wir gerade von unserer Morgenrunde mit dem Hund 9,66 Kilometer in 2 Stunden und 10 Minuten 😉

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