Um 6.45 starten wir aus der Haustür. Vorbereitet mit den riesigen Rucksäcken, Haare gewaschen und ich Zöpfe geflochten, um eine Haltbarkeitsdatum für fünf Tage herzustellen. Unser erster Track geht zum Busbahnhof BSI. Dort warten aufgereiht alle weißen Schiffe für Wanderer und Abenteurer, die auf Island starten wollen. Im Bus machen wir professionelle letzte Reiseplanung (alle Tipps zum Furten erscheinen eher besorgniserregend) und laden wir vorsichtshalber noch eine digitale Karte und genießen das kommende Höhenprofil.
In Skogar angekommen geht es los. Also fast. Eine von uns muss den Rucksack noch einmal aus und wieder einpacken. Derweil treffen wir auf eine Mädel, die die Wanderung schon gemacht hat. Sie berichtet von Sandstürmen, viel Regen, fehlenden Stöcken und Wasserschuhen (Check, haben wir!) und Neben, in welchem man nur mit GPS Track weiterkommt. Und beschleicht wieder das ungute Gefühl, dass wir nicht für jedes Wetter ausgestattet sind. Trotzdem starten wir unbeschwert und guter Dinge. Kurzer Fotospot am Wasserfall. Erst unten. Dann oben. Schon auf dem ersten Treppen beneiden wir die vielen Touristen um ihr Tagesgepäck. Macht nichts, wir haben Größeres vor, denken wir und machen uns auf dem Weg hindurch durch grüne Landschaften entlang der Wasserfallstraße. In der Höhe zieht sich der blaue Himmel immer weiter zu, die Sicht verschlechtert sich und es nieselt. Unangenehm aber nicht schlimm. Wozu haben wir die Funktionskleidung auch. Die 1000 Höhenmeter haben es in sich und wir sind froh über viele Pausen und Riegel, die uns helfen unsere Körper nach oben zu tragen. Das mag vor allem auch an den mindestens 15 Kilo Gepäck liegen, die jeder von uns hier hochwuchtet.Im späten Nachmittag kommen wir an der ersten Hütte vorbei. Einige Wanderer schlagen ihre Zelte im Nebel auf und wir sind froh, dass wir später in einer hoffentlich kuscheligen Hütte zur Ruhe kommen. Ab der Hütte ändert sich der Boden von Schotter zu schwarzem Sand (das erklärt die Sache mit den Sandstürmen). Wir sind fasziniert und dann erstaunt, weil wir erst jetzt merken, dass wir über einen Gletscher laufen. Es wechselt kurzzeitig zu besorgt, als wir eine nur noch sehr schmale Schneebrücke über eine Schneespalte nehmen. Ob die in ein paar Tagen noch Menschen tragen kann, weiß man nicht.Abenteuerlich geht es über den eisigen Gletscher. Der schwarze Sand ist ein Segen, um beim Abstieg genug Halt zu finden. Danach müssen wir einen steilen Sandberg hinauf. Erneut sind wir dankbar über die Stöcke, ohne die wir einfach wie die Käfer rückwärts den Hang hinunter schlagen würden.Oben angekommen sind wir kurzatmig aber stolz. Wir freuen uns über den Wegweiser - noch 1 km bis zur Hütte. Die Stimmung steigt erheblich, wir machen Quatsch und sind ausgelassen. Ein richtiger Siegestaumel mit schneller Ernüchterung. Die nah geglaubte Hütte liegt hinter einem Fluss. Es ist nebelig und kalt und die Stimmung ist sofort im Keller. Schuhe ausziehen möchte jetzt niemand mehr. Somit balancieren wir unter Herzklopfen und mit den Stöcken über die ausgelegten Steine. Es geht nicht gut, aber es geht. Das Adrenalin kickt sofort und schaffen wir kleine Anhöhe schweigend aber nicht beschwingt. Als sich vor uns im Nebel die kleine Hütte abzwicket sind wir einfach nur noch erleichtert. Vor der Hütte werden wir von Victor schon empfangen. Er hat uns schon durch den neben kommen sehen. Schuhe und Stöcke bleiben im Vorraum stehen. Und dann ist es einfach ein Raum, in dem wir mit 10 weiteren Wanderern den Abend verbringen, Kochen, Streckeninfos tauschen und später schlafen.
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