Las Vegas
Die Einreise in die USA in Houston gestaltete sich trotz aller Unkenrufe einfach und als man dann endlich dran war auch schnell. Dafür war der Weiterflug nach Las Vegas massiv...


Veröffentlicht: 12.01.2026







































Wir ließen Panamá-Stadt hinter uns, in einem ziemlich leeren Bus ging es in den Westen des Landes nach David, von dort aus wollten wir per Mietwagen herumreisen. Die Busreise auf der einzigen großen Hauptstraße des Landes verlief unspektakulär und mit erstaunlich wenig Verkehr, den mutmaßlichen Grund dafür verstanden wir erst später. Auffällig waren große Kontrollstationen beim Wechsel von einer Provinz in die andere, auch in unserem Bus gab es eine ausführliche Personenkontrolle, wohl um illegale Migrationsbewegungen (zumindest offensichtliche) zu verhindern.
Mit dem Mietwagen war unser Ziel die Provinz Bocas del Toro im Nordwesten am karibischen Meer, wo wir Freddys Geburtstag feiern wollten. Daraus wurde allerdings nichts. Nach einiger Zeit durch die kurvenreichen dschungeligen Bergstraßen war Schluss: ein vermeintlich umgestürzter Baum stellte sich als Straßensperre von protestierenden Bananenplantagenarbeitern heraus. Zwar hatten wir im Vorfeld kleine Randnotizen in der internationalen Presse zu anhaltenden Protesten wahrgenommen, im Zusammenhang mit als ungerecht empfundenen Rentenreform-Gesetzen, aber nicht damit gerechnet dass uns das in irgendeiner Weise tangieren würde. Jedenfalls gab es kein Fortkommen und keine eindeutigen Informationen, wann und ob die Sperren aufgehoben würden. Im Gegenteil - kaum jemand wollte überhaupt mit uns sprechen und die meisten duckten sich bei unseren Fragen ängstlich schweigend weg. Das war überraschend für uns, weil wir auf der Reise bisher immer auf Hilfsbereitschaft gestoßen waren (nicht immer proaktiv, aber nie ablehnend). Da wir das Risiko nicht eingehen wollten, auf dem Rückweg nicht mehr aus der Provinz herauszukommen (alternative Straßenrouten gab es nämlich nicht), selbst wenn diese aktuelle Sperre irgendwann aufgehoben würde, drehten wir schweren Herzens um. Dann fing es auch noch an, sehr stark zu regnen, was das Fahren sehr anstrengend machte. Irgendwann erreichten wir erschöpft die Pazifikküste statt des Atlantiks und tranken schnell noch bei Sonnenuntergang ein Geburtstagsbier am Strand, bevor der Regen so stark einsetzte, dass Strom (und Internet sowieso) in unserer Unterkunft ausfiel. Ein Zustand, den wir noch öfter erlebten. Aber früh ins Bett gehen hat ja auch was.
Nun musste also ein neuer Plan her, und wir beschlossen, wieder einen Teil Richtung Osten zu fahren in ein kleines Örtchen namens Santa Fé (auf dem Weg liegt San Francisco), wo es einige schöne Wanderrouten geben sollte. Auf dem Weg wurden wir erst mal von einem Verkehrspolizisten auf einem Motorrad angehalten, der behauptete, dass wir zu schnell gefahren seien (wir waren uns aber sehr sicher, dass das nicht stimmte). Seinem langen blumigen Monolog über Gesetze, dem wir halbwegs folgen konnten, war zu entnehmen dass er 50 Dollar haben wollte. Aber nicht mit uns! Bereit, mit ihm die Strecke abzulaufen, damit er uns das angebliche Verkehrsschild zeigt, protiestierten wir energisch, und erstaunlicherweise knickte er dann sehr schnell ein, gab uns den vorher eingezogenen Führerschein zurück und ließ uns verunsichert und Blickkontakt meidend ohne Strafe von dannen ziehen. Im Nachhinein lernten wir, dass die Panameños anscheinend keine großen Freunde von direkten Konflikten sind, speziell wenn diese von Frauen begonnen werden (obwohl er ja angefangen hatte!). Also noch mal Glück gehabt.
Schließlich erreichten wir nach einer ultraanstrengenden Fahrt (die Straßenbedingungen jenseits der erwähnten Hauptstraße waren unterirdisch und noch schlechter als die, die wir in Südamerika erlebt hatten) das verschlafene Santa Fé, in dem zwar ein bisschen basic touristische Infrastruktur vorhanden war, aber eigentlich hauptsächlich Einheimische zu finden waren. Obwohl wir nun weit weg von der "Krawallprovinz" Bocas del Toro waren, waren auch hier ein paar Auswirkungen zu spüren. So gab es zum Beispiel in Restaurants fast nichts, was auf der Speisekarte stand. Uns wurde erklärt, dass es mit Lieferengpässen zu tun hatte. Und die Leute hätten Angst, dass die Proteste sich landesweit ausweiten, und ihre Waren nicht verkauft werden können/nicht ankommen, daher würden viele gar nichts bestellen. Daher gab es auch kaum Verkehr auf den Straßen. Nichtsdestotrotz erlebten wir einige schöne Tage im Dorf.
Im Dorf wird Jesús Héctor Gallego Herrera sehr verehrt, ein kolumbianischer Priester, der sich unerschrocken für Landarbeiterrechte engagierte und die Organisation in Kooperativen begründete gegen den Widerstand der Militärjunta, bis er schließlich entführt und ermordert wurde, eine übliche Vorgehensweise, wie in den 70ern mit gesellschaftlichem Widerstand umgegangen wurde. Auch heute ist er noch identitätsstiftend und gilt als Vorbild für den gesellschaftlichen Fortschritt, ausnahmsweise mal von der katholischen Kirche kommend. Während unseres Aufenthalts jährte sich sein Todestag, und das Dorf geschmückt mit Girlanden und seinem Konterfei. Durch einen Tip von Locals erfuhren wir, dass es von Santa Fe eine ziemlich neue Straße bis zum Pazifik gibt, die es, obwohl schon vier Jahre alt, noch nicht auf Google Maps geschafft hatte. Sie ermöglichte Zugang zu Dörfern, die zuvor nur per Boot erreicht werden konnten. Eine wunderschöne Strecke die sich durch den Dschungel schlängelt, vorbei an kleinen Dörfern, oder nur einzelnen Siedlungen/Häusern, allerdings in Weiten Teilen ohne Stromversorgung. In Calovébora schließlich konnten wir das eifrige Treiben am Strand beobachten, wo Güter in kleine Boote verladen wurden, um sie in Dörfer auf Inseln/ auf dem Festland ohne Straßenverbindung zu bringen. Diese Orte mögen abgelegen sein, aber die Bierversorgung steht stabil!
Da unsere Zeit in Panamá insgesamt ja sehr begrenzt war, machten wir uns anschließend wieder auf den Rückweg. Wir mussten feststellen, dass alle etwas größeren Ortschaften/Städte wie Santiago des Veraguas oder David absolut reizlos und hässlich waren, und augenscheinlich fließt das meiste Geld des Landes nur in die Hauptstadt, während der Rest des Landes vernachlässigt wird. Die Landschaft war sehr schön, und wir verbrachten noch eine kurze Zeit in Las Lajas an der Pazifikküste, wunderschön ruhig und entspannend.
Dann war es schon wieder Zeit das Auto abzugeben, auch weil wir einen Tag früher als geplant nach Costa Rica abreisen mussten (unser Bus war gestrichen worden, vermutlich auch das Ergebnis einer Gesellschaft, die für den Moment in Teilen zum Erliegen gekommen war).
Panamá ist ein Land, das uns etwas gespalten / ratlos zurücklässt. Natürlich war der Zeitpunkt nicht günstig, das Land zu bereisen, und die Zeit einfach zu knapp. Die Panameños scheinen sehr zurückhaltend und nicht einfach zu knacken zu sein, aber das mag auch die besonderen Umstände begründet sein. Aber man konnte erahnen, dass sich das ändert, wenn sie etwas auftauen. Die Natur ist wunderschön, und es ist viel Ursprüngliches zu finden, aber man braucht Zeit und eine gewisse Affinität zu Schlaglöchern. Ein Land, dem wir uns vielleicht noch mal irgendwann mit mehr Zeit annähren möchten.
