Malang
Nachdem wir also wieder alle gesund waren und uns auf den neuen Flow auf der Insel Java eingestellt hatten, ging es weiter per Zug weiter Richtung Osten nach Malang. Die...
Veröffentlicht: 16.04.2026
































Von Malang aus ging es weiter Richtung Osten nach Lumajang, wo wir im Nirgendwo ein kleines Hostel bezogen. In der Gegend zeigten viele Wegweiser Richtung diverser Wasserfälle, wir beschränkten uns aber audf die bekanntesten - die Tumpak Sewu, übersetzt "tausend Wasserfälle". Und das war nicht übertrieben, das Wasser strömte überall und von allen Seiten. Ein kleiner Pfad - sehr indonesisch halb zerfallen und nicht immer eindeutig als solcher identifizierbar - führte in das Tal hinein. Immer wieder mussten kleine Flüsse und Wasserfälle durchquert werden, das machte die Wanderung mit unserer Schuhwahl (Schlappen) zumindest für uns anspruchsvoll, Indonesier scheinen ja unabhängig vom Schuhwerk und der Bodenbeschaffenheit überall problemlos langkraxeln zu können. Etwas fehl am Platz wirkten halbfertige (und schon wieder zerfallene) Treppenkonstruktionen, die im Nichts endeten, an den Steilhängen der gegenüberliegenden Seite des Talkessels. Es wurde uns erklärt, dass dort eine andere Verwaltungszone oder Gemeinde anfängt, die auch gerne was vom Profit des Tourismus abhätten. Hoffen wir mal, dass sich da alle einigen, ohne das schöne Tal weiter zu verschandeln. Unten angekommen waren wir wirklich beeindruckt, das fallende Wasser von allen Seiten erzeugte starke Winde und tosenden Lärm. Weiter ging es dann innerhalb des Tals zu den Goa Tetes, ein paar Höhlen, weiterhin überall von diversen Wasserfällen und Flussläufen umgeben, die durchquert werden mussten, und schließlich auf einem anderen Weg wieder aus dem Tal hinaus. Mega! Und wir hatten total Glück, antizyklisch zu anderen Touristen nachmittags da zu sein, daher waren wir die meiste Zeit ganz alleine.
Am nächsten Morgen ging es entspannt durch Dörfer und über Land zum Bromo-Tengger-Semeru-Nationalpark. Nachmittags konnten wir bei einem Spaziergang schon tolle Ausblicke auf die riesige Tenger-Caldera und das Sandmeer erblicken und die darin liegenden Vulkane. Tengger heißen übrigens auch die Menschen, die hier leben. Dann ging es früh ins Bett, denn morgens um drei wurden wir von einem museumsreifen Jeep abgeholt, um in wilder Fahrt und mit viel Gekurve wieder ein bisschen vor den Massen auf den Aussichtsberg Bukit Cinta zu kommen, von denen wir die Vulkane Bromo, Semeru und Batok beim Sonnenaufgang bewundern wollten. Es war sehr frisch, und wurde wirklich sehr voll, was uns aber nicht störte, da wir uns in erster Reihe einen schönen Platz gesucht hatten und dort in Ruhe unseren heißen Tee süppelten. Wir sind ziemlich sicher, dass auf diesem kleinen Berg zur Zeit des Sonnenaufgangs die höchste Toyota-Landruiser-Dichte der Welt herrscht, die mangels Parkplätzen am Wegesrand den halben Berg hinunter parken mussten und sich gegenseitig mit wilden Herumrangiereien behinderten. Abgesehen davon, dass die Straßen nach unserer Auffassung nicht unbedingt eines Jeeps bedurften und man das ganze natürlich effizienter gestalten könnte, werden so viele Jobs für Einheimische geschaffen. Hinter uns also viele andere Touristen, und vor uns ein wunderbarer Anblick. Nach und nach enstiegen die rauchenden Ungetüme aus der Dunkelheit, wie auf einem anderen Planten. Kurz bevor die Massen sich in Bewegung setzten, machten wir uns vom Acker und weckten unseren Fahrer, so dass wir smooth ohne Stau wieder vom Aussichtsberg kamen. Es ging zurück in die Caldera, um dann auf den grollenden Bromo zu steigen, auf den eine steile und gerade Treppe zum Kraterrand führte. Hier waren wir auch praktisch alleine, da die meisten anderen ja im Jeep-Stau feststeckten. Je höher wir kamen, desto lauter wurde das Grollen, Asche, Dämpfe und Rauch füllten die Luft. Das Innere der Erde wurde sichtbar und hörbar. Der Name Bromo stammt übrigens von der Gottheit Brama, der Berg gilt als heilig und ist ein wichtiges Pilgerziel. Blickt man vom schmalen Rand in den Krater und hört den Berg brüllen, erscheint ein bisschen göttlicher Beistand als gar nicht so schlecht, um die Naturgewalt im Zaum zu halten. Dann ging es erst mal zum Frühstück und danach weiter nach Banyuwangi ganz in den Osten Javas.
Von hier brachen wir um Mitternacht wieder auf, um auf den Ijen zu steigen. Zunächst mussten wir zu einer oberflächlichen körperlichen Untersuchung, bei denen Vitalwerte, Größe, Gewicht, Blutdruck gecheckt wurden, man einmal abgehört wurde, dann bekam man ein "Fit for Hike"-Zertifikat ausgehändigt. Am Ausgangspunkt der Wanderung wurde uns mitgeteilt, dass wir spätestens um 8:00h morgens wieder am Auto sein sollten, da wir sonst wegen weiträumiger Straßensperrungen für ein großes Radrennen festsitzen würden. Nur kein Druck, gell. Um 02:00 morgens ging es mit einem blutjungen obligatorischen Guide, der sehr um unsere Sicherheit bemüht war, los, ausgestattet mit Stirnlampen, Sicherheitsbrillen und guter Staubschutzmaske. Es war unglaublich voll, hunderte stürmten den Berg hoch. Im Stockdunkeln quasi Anstehen um laufen zu können. Die fleißigen Schwefelarbeiter boten "Fahrservices" mit ihren Lastschubkarren nach oben an, die erstaunlicherweise vor allem von sehr jungen Menschen genutzt wurden. Eigentlich war der Weg alles andere als geeignet dafür und störten den Betrieb zusätzlich. Nach ca. 1.5 h kamen wir oben am Kraterrand an, aber wollten natürlich auch runter in den Krater. Auch hier musste man Schlange stehen, um den schmalen Weg hinunterzusteigen. Zwischen uns Touristen kamen schwerbepackte Arbeiter entgegen, eigentlich eine ziemlich bizarre Situation. Nach dem steilsten Stück gab es mehr Platz und die Menschenmassen verteilten sich den Abhang hinunter bis zum Kratersee. Dieser ist einer der säurehaltigsten Seen der Welt, mit einem pH-Wert von 0,1 bis 0,3. Unser Guide erzählte uns, dass ein Arbeiter nach einem Sturz in den See nach 3 Tagen aufgelöst und weg war. Unfälle sind gar nicht so selten an diesem Ort, durch die hohe Schwefelbelastung, Gase aus dem See, auch Selfieabstürze kamen schon vor. Eine wirklich abenteuerliche und wieder außerirdische Szenerie. Bei jedem Windstoß wurde man in giftige Schwefelschwaden gehüllt, ohne die Maske nicht auszuhalten, unsere Augen brannten, wir husteten. Dazwischen die Arbeiter, die ohne nennenswerte Schutzausrüstung Schwerstarbeit leisteten, die Schwefelgase an Kondenstationsrohren verflüssigten und erkalten ließen, um ihn dann in große Stücke zu brechen und den steilen Weg bis zum Kraterrand hochschleppten. Von dort wurde er dann in den Lastschubkarren, die gerade noch Touristen transportiert hatten, ins Tal gebracht. Und dann sahen wir das sogenannte blaue Feuer - heiße Schwefeldämpfe, die aus der Erde treten uns sich an der Luft entzünden. Wieder ein starker Windstoß, der uns umhaute und uns fassungslos zurückließ, wie die Menschen das hier dauerhaft aushalten können, und verhinderte dass wir uns ganz bis zum Rand des Sees vorwagten. Auch so hatten wir mehr als genug, was für Urgewalten! Der Aufstieg zum Kraterrand war entspannt, irgendwie hatten sich die Touristenmassen gut verteilt, und auch der Sonnenaufgang war wunderschön. Auf dem Rückweg begriffen wir erst, durch was für eine atemberaubende Landschaft wir im Dunkeln hochgestiegen waren! Abgesehen davon, dass man die blauen Flammen nicht sehen kann, ist es ein Aufstieg, der sich mit Sicherheit auch im Hellen lohnt und es ist dann viel entspannter und leerer. Zurück im Hotel duschten und frühstückten wir, und dann ging es auf die Fähre nach Bali.
