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Singapur

Veröffentlicht: 24.01.2026

Endlich Asien! So schön die Amerikas auch waren, wir waren mehr als bereit für eine neue Welt und aufgeregt. Der Flug mit Korean Air war schon ein guter Einstieg, nicht nur sehr günstig, sondern auch mit super Service. Es gab viel zu viel Essen, leider für Flugzeugverhältnisse so gut dass man sich auch nichts entgehen lassen konnte.

Singapur empfing uns unkompliziert, die Einreise ging richtig flott via eGate und im Bus Richtung Innenstadt konnte man stressfrei tap-on mit Kreditkarte bezahlen. Wir kamen ganz früh morgens im verschlafenen Chinatown an, wo wir von pickenden Hühnern am Straßenrand begrüßt wurden, natürlich vor beeindruckender Hochhaus-Kulisse. Nicht das Bild, das wir in unserer Vorstellung vom klinisch reinen Singapur hatten, aber sympathisch (und ja trotzdem sauber)! Wir lagerten unser Gepäck in unserem Schrumshotel mit Zimmern ohne Fenster (aber dafür noch deutlich unter 100 Euro pro Nacht in einer guten Lage, ein Glücksgriff) und begaben uns in das nächstgelegenste Hawker Center, wo gerade die ersten Stände zum Frühstück öffneten. Und entdeckten gleich eins unser kulinarischen Highlights, mit dem wir auch die nächsten Tage starten würden: Toast mit Kaya (eine cremige Kokosmarmelade) mit weichgekochten Eiern mit Sojasoße und Pfeffer, dazu ein starker Kopi. Ein Traum! Glücklich mampfend beobachteten wir, wie die Stadt zum Leben erwachte.

Essen war in der Tat ein zentrales Thema und wir kamen kaum hinterher, die vielen Köstlichkeiten der malaysisch, indisch und chinesisch angehauchten Küche zu probieren. Einige der Hawkerstände hatten es sogar in den Guide Michelin geschafft, und das Essen durchweg so herausragend, dass wir zB diverse malaysische Gerichte später auf der Reise durchs Land nicht nochmal in solcher Qualität finden würden. Balsam für unsere geschundenen Foodie-Seelen! Denn auf das letzte halbe Jahr zurückblickend, suchten wir in Südamerika doch meist vergeblich nach richtig, richtig gutem Essen, das einen glücklich mit einem wohligen Gefühl zurücklässt.

Ansonsten ließen wir uns durch die Stadt treiben, bewunderten die moderne Architektur, auch wenn das ganze Blingbling-Entertainment mit beleuchteten Hochhäusern am Marina-Bay oder das Gardens by the Bay nicht so unseres ist. Aber Leute gucken macht ja immer Spaß. Es gab auch richtig gute Museen, besonders beeindruckt hat uns die National Gallery, in der wir wir fast einen kompletten Tag verbrachten. Eines der besten Museen, die wir je besucht haben.

Die Stadt, ursprünglich als Handelsstützpunkt der britischen Ostindien-Kompanie gegründet, hatte es seit der Autonomie von Malaysia vor 60 Jahren geschafft durch unternehmensfreundliche Politik, Technologieförderung, massiven sozialen Wohnungsbau und Bildung von einem armen, dreckigen Moloch ohne nennenswerte Ressourcen oder Industrie in eine reiche moderne Metropole zu verwandeln. Die Vorbereitungen für die 60-Jahrfeier, die wir allerdings verpassten, waren im vollen Gange, und auf Werbetafeln wurden zu diesem Anlass den Bürgern zusätzliche Geldzahlungen versprochen.

Im ersten Moment waren wir ganz euphorisch, wie gut diese Stadt funktionierte, wie modern alles war, wieviel Wert auf Bildung gelegt wird, wie friedlich und glücklich alle Kulturen zusammen zu leben schienen (und ja, wir waren auch ein bisschen high vom köstlichen Nachgeschmack der Jiaozi in Sichuan-Chiliöl auf unseren Zungen). Und malten uns ganz kurz aus, wie schön es wäre, in dieser Stadt zu leben. Die Ernüchterung erfolgte auf den zweiten Blick. Wir beobachteten, dass die soziale Kontrolle hoch zu sein schien, niemand durfte auch nur einen Schnipsel fallen lassen ohne von einem Mitbürger auf den Deckel zu kriegen. Leute mit niedrig bezahlten Jobs wie Reinigungskräfte oder Gärtner schienen sich möglichst unsichtbar verhalten zu sollen, alles Unliebsame oder was nicht der Norm entspricht, wird einfach weggefegt. Das spiegelt sich auch zB in der krassen BTM-Gesetzgebung wider, der Besitz von mehr als 500g Cannabis kann schon mit der Todesstrafe geahndet werden. Offenbar glaubt man hier nicht an Resozialisierung, sondern nur an Abschreckung durch völlig verhältnislose Strafen. Ist eine Gesellschaft, die solche Angst vor ihren Rändern hat, wirklich frei? Wir finden nicht, wenn man sich ein wenig näher damit beschäftigt, zB auch mit den Themen Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Und das ist alles gar nicht modern, sondern altertümlich und rückschrittlich.

Aber wir hatten eine gute Zeit, bis wir uns schließlich mit dem Bus auf den Weg nach Malaysia, genauer gesagt nach Malakka machten.

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