Nach der Wellness-Zeit in Lima waren wir erholt und wollten es noch ein letztes Mal wissen, was die Höhe und die Anden angeht. Also ging es wieder mit dem Bus kurvenreich und mühsam nach Huaraz auf 3100 hm, Ausgangspunkt für viele spektakuläre Wanderungen und Treks in der Cordillera Blanca. Huaraz ist vielleicht auch in
Deutschland einigen Menschen ein Begriff, hier wohnt der Bauer Saul Lliuya, der RWE verklagt hatte, sich wegen ihrer Mitverantwortung am Klimawandel an Vorsorgemaßnahmen gegen Überschwemmungen an seinem Haus zu beteiligen (Urteil ist in der Zwischenzeit gefallen, so oder so ähnlich lautete es: grundsätzlich können Unternehmen zwar haftbar gemacht werden, aber im konkreten Fall sei nicht nachzuweisen, dass das Überschwemmungsrisiko durch den Klimawandel maßgeblich gestiegen sei).Und das berühmte Paramount-Logo basiert wohl auf dem Berg Artesonraju hier in der Gegend.Mittlerweile hatten wir ja fast den langersehnten Mai, in dem die Regenzeit in
Peru vorbei sein und die wettertechnisch ideale Reisezeit beginnen sollte. Aber in Huaraz wurden wir gleich mal belehrt, dass es hier erst ab Juni schön sein würde. Verdammt! Und tatsächlich war das Wetter ziemlich össelig, und in der Stadt selber machte es auch nicht so viel Spaß da im Zentrum fast alle Straßen aufgerissen waren, diese Baustellen verwandelten sich bei dem Regen zu einem riesigen Matsch-Hindernis-Parcours. Aber egal, es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung, und so planten wir, 4 Tage lang den Santa Cruz-Trek in einer geführten Tour zu wandern, mit Zelt, vielen Höhenmetern bis auf knapp 5000hm. Bei geführten Touren gehörten wir ja nicht zu den schnellsten, aber bisher haben wir immer noch alles geschafft dachten wir.Zu Übungszwecken buchten wir vorher noch eine Tagestour zur Laguna 69, mit 800 hm laufen auf ca 4600hm. Und das war dann gar nicht mal so toll! Die Höhe an sich ist war nicht unser Problem, aber quasi alles drum herum. Mit uns auf dieser Tour waren lauter Anfang 20jährige, und der Zeitplan der Wanderung sah vor, dass man den Berg quasi hochjoggt. Wir fanden uns gar nicht so schlecht, aber man konnte weder links noch rechts gucken und obwohl wir das Gefühl hatten, ziemlich schnell zu sein, machte der Führer immer weiter Druck, damit wir am Ende bloß wieder rechtzeitig beim Bus sein würden. Zwischendurch regnete es immer in Strömen und es war kalt. Freddy wurde das dann zu blöd und er kehrte vorher um, um am Ende nicht so einen Zeitdruck zu haben. Marike schleppte sich den Berg hoch, aber oben bei der Lagune war es so kalt, dass ihre Finger einfroren und sie gar keine richtige Pause machen konnte, weil sie sonst zu sehr ausgekühlt wäre. Währenddessen hüpften 20jährige Checker als Mutprobe in das Eiswasser, so unterschiedlich können körperliche Verfassungen sein. Und auch auf dem Rückweg nur Gehetze, um gefühlt ohne vernünftige Pausen auch nur kurz vor Rückfahrt wieder unten zu sein.Auch wenn die Landschaft bei der Wanderung echt wieder wunderschön ist war, war dieses Erlebnis eher ernüchternd.Freddy wählte nach diesem Tag für sich den Santa Cruz-Trek ab, und auch Marike musste sich dann schließlich mit Blick auf den Wetterbericht (die nächsten zwei Wochen lang kalt, Wind, Regen) eingestehen, dass 4 Tage lang am Rande der körperlichen Leistungsfähigkeit mit Erfrierungserscheinungen irgendwelchen fitten Jungspunden hinterherzuhecheln ne Nummer zu groß für sie war. Eine Entscheidung, die sie immer wieder mal bereuen und darüber schimpfen wird, aber irgendwann müssen wir ja eh noch mal nach Bolivien, und auch mit Peru sind wir noch nicht fertig. Und dann werden wir das durchziehen!!Angesichts dieser Gesamtsituation gibt es in Huaraz leider nicht mehr viel zu holen, und wir hüpften ohne Trekking recht spontan in den Nachtbus weiter Richtung Norden.