Huaraz
Nach der Wellness-Zeit in Lima waren wir erholt und wollten es noch ein letztes Mal wissen, was die Höhe und die Anden angeht. Also ging es wieder mit dem Bus kurvenreich und...


Veröffentlicht: 19.07.2025

























Nach dem traurigen Abschied von den Anden düsten wir also über Nacht wieder ans Meer nach Trujillo - nach Lima und Arequipa die drittgrößte Stadt Perus.
Zur Abwechslung gönnten wir uns mal wieder ein richtiges Hotel mit Frühstücksbuffet, direkt am Plaza de Armas. Und weil es in Trujillo das beste Ceviche in ganz Peru geben soll, suchten wir uns auch gleich ein nettes und etwas gehobeneres Restaurant. Man gönnt sich ja sonst nichts! Nach unglaublich langer Wartezeit und hungerbedingt aufkommender schlechter Laune kam endlich das Essen. Es war zwar nicht komplett unlecker, aber der Fisch war zäh und irgendwie schmeckte es ein bisschen komisch. Unbefriedigt kehrten wir in unser Hotelzimmer zurück, und dann ging es auch schon los. Uns beiden wurde unglaublich schlecht, und die nächsten zwei Tage gaben wir uns nur noch die Badezimmer-Klinke in die Hand. Ceviche-Inferno vom feinsten! Monte Zumas Rache ist wirklich ein Witz dagegen. Keinem von uns ging es jemals in unseren Leben so schlecht! Wahrscheinlich hätten wir ins Krankenhaus gemusst, aber wir hatten gar keine Kraft auch nur darüber nachzudenken. Unser schickes Hotelzimmer entpuppte sich als Falle (na ja, wenigstens konnte man telefonisch an der Rezeption neues Klopapier bestellen), das Frühstücksbuffet oder der Pool waren natürlich auch sinnlos…
Auch der stärkste Sturm zieht vorüber, und so konnten wir - wenn auch sehr geschwächt - doch noch die Ausgrabungsstätten Huaca de la Luna und Chan Chan besuchen.
Weil wir so fertig waren, buchten wir eine spanischsprachige Tour direkt nebenan, mit dem Ergebnis dass wir zwar mit dem Bus direkt vor die Stätten gefahren wurden, aber dafür noch an für uns völlig uninteressanten Orten halten und außerdem immer auf eine bräsige und immerzu kichernde Truppe junger Frauen warten mussten, die regelmäßig zu spät zurück am Bus war. So ließen wir einen Park mit riesigen Plastikreplikaten eigentlich winziger Tonfiguren in verschiedenen Sexpositionen aus der Kultur der Moche (unsere lustige Mädelsgruppe verausgabte sich komplett beim Selfiemachen), eine Verkaufsvorführung von schlecht nachgetöpferten Musikinstrumenten von einem Kerl in stümperhaft bemalter traditioneller Kleidung und den Sonnenuntergang am völlig überfüllten und dreckigen Playa de Huanchaco, an dem Ceviche feilgeboten wurde (alles nur das nicht), über uns ergehen. Dem Mittagessen mit Marinera Norteña-Vorführung (ein berühmter lokaler Tanz) mussten wir uns verweigern, was zu großem Unmut führte weil der Guide keine Provision für uns bekam, aber unsere Mägen waren noch nicht wieder bereit für geschlossene Räume mit Essensgerüchen.
Trotzdem hat sich die Tour komplett gelohnt, wegen der Hauptattraktionen. Huaca de la Luna ist eine Tempelanlage mit Pyramide aus Lehmziegeln, die zwischen dem 1. und 8. Jhdt n. Chr. gebaut wurde und Teil der altertümlichen Hauptstadt der Kultur der Moche war. Die Moche waren übrigens eine hochentwickelte Kultur mit einem konplexen Sozialsystem und hohen technologischem Wissen, die mit Bewässerungssystemen schafften, den kargen Wüstenboden fruchtbar zu machen. Der Komplex wurde im Laufe der Jahrhunderte immer weiter in die Höhe ausgebaut und besteht somit aus verschiedenen mit Rampen verbundenen Ebenen mit Plätzen, Patios, Grab- und Opferstätten, auf denen religiöse Zeremonien durchgeführt worden. Teile der Mauern sind mit bunt bemalten Fresken verziert. Nach dem Untergang der Moche (Nachdem starke El Niño-Regenfälle die Bewässerungssysteme zerstört hatten, gefolgt von Jahren der Dürre, gaben die Moche ihre Städte auf und siedelten in kleinere Dörfer im Hinterland um) wurden die Anlagen zum Teil von den Chimu übernommen, bis erst die Inkas im 15. Jhdt und ein Jahrhundert später die Spanier die Kontrolle übernahmen. Ab diesem Zeitpunkt verwaisten die Stätten und die fragilen Lehmbauten waren ungeschützt Wind und Wetter ausgesetzt, und sind dadurch sehr stark zerstört. Eigentlich faszinierend, dass überhaupt noch was übrig ist, und man auch noch an einigen die farbigen Fresken gut erkennen kann. Im Zuge archäologischer Ausgrabungen werden manche Teile mit Dächern geschützt, aber das ist eher nur Schutz gegen den schlimmsten Regen und das ganze Ensemble scheint weiterhin immer weniger zu werden.
Ähnlich zerstört ist Chan Chan, das von den Chimu erbaut wurde, und wahrscheinlich mal die größte Stadt auf dem südamerikanischen Kontinent war. Sie entstand um 1300 und ist noch heute ca 28km^2 groß. Auch sie wurde aus Lehm (Adobe) erbaut. Es lebten einmal ca 60000 Einwohner hier mit einem großen Vermögen an Gold, Silber und keramischer Kunst. Sie bestand ursprünglich aus neun autonomen Bezirken, die jeweils von eigenen Herrschern, die wie Könige verehrt wurden, regiert wurden.
Natürlich geriet auch Chan Chan irgendwann in das Fadenkreuz der Inkas. Nachdem diese militärisch zunächst scheiterten, leiteten sie 1470 den Rio Moche um, die Wasserquelle der Stadt, und konnten sie in Folge der Wasserknappheit erobern. Anschließend verlor die Stadt an Bedeutung, wurde aber von den Inkas nicht zerstört. Das änderte sich mit Eintreffen der Spanier, die die Schätze der Chimu plünderten und nicht viel von der Stadt übrig ließen. Den Rest erledigt auch hier das Wetter und insbesondere die starken El Niño-Regenfälle. Auch hier wird an einigen Stellen versucht, die Gebäude zu erhalten/ rekonstruieren, aber der größte Teil der Stadt verschwindet immer mehr. In manchen Teilen haben Menschen sogar wieder begonnen, zu siedeln. Es tut ein bisschen weh, das mit anzusehen.
Wir fanden die Stätten jedenfalls unglaublich faszinierend und können nur empfehlen, da hinzureisen bevor die riesigen Sandburgen komplett verschwunden sind. Was den kulinarischen Teil angeht, sind wir eher zurückhaltend.
