4. Etappe Camino del Norte von Liendo nach Santona
Heute bin ich erst später losgegangen, weil in der Posada, in der ich übernachtet habe, das Frühstück erst ab 9:00 Uhr angeboten wurde. Was ich persönlich aber richtig cool...

Veröffentlicht: 06.06.2025
































































In der Posada, in der ich gestern genächtigt habe, war ich tatsächlich der einzige Gast. Ganz allein saß ich beim Frühstück. Ich habe mir für unterwegs noch ein Baguette fertig gemacht und bin dann zurück ins Zimmer gegangen. Ich hatte alles soweit gepackt und wollte mir nur noch die Schuhe zubinden. Mit Schwung bin ich hochgegangen und habe mir dabei den Kopf an einem Regal gestoßen. Ich sah Sternchen und mir kamen auch zeitgleich die Tränen. Boah, das hat wehgetan! Ich musste mich erst einmal aufs Bett setzen. Nach einer Weile ging es mir wieder besser. Ich habe mich von meiner Gastgeberin verabschiedet und bin rüber auf den Gehweg. Schon war ich wieder auf dem Camino. Auch heute hatte ich direkt zu Beginn zwei Möglichkeiten, um nach Noja zu laufen. Entweder über den Berg und an der Küste entlang oder an der Straße entlang. Ich entschied mich wieder für den Berg. Zur Wegbeschreibung: Es handelte sich um einen schmalen Trampelpfad, aus dem immer wieder Steine und kleine Felsen ragten. Der Weg nach oben war okay, allerdings haben mich die Sträucher mit ihren Dornen genervt. Aber die verschiedenen Ausblicke hatten bis dahin für eine gute Entschädigung gesorgt. Nach zig Fotos in alle Richtungen ging es nun hinunter. Der Weg wurde immer schmaler und ich musste fast unter den Sträuchern hindurchkriechen. Das war ein Alptraum. Ich weiß nicht, wie oft ich das F... Wort benutzt habe, aber das war mir egal. Es war ekelhaft. Immer wieder spürte ich Spinnweben auf meinem ganzen Körper. Ich wurde förmlich gezwungen, anzuhalten, da sich mein Schnürsenkel mit einem Strauch verheddert hatte. Fast wäre ich hingefallen. Der Abgang vom Berg war nicht toll, zumal man sich auch höllisch konzentrieren musste, damit man nicht stürzt. Als ich unten am Strand angekommen war, habe ich erstmal sämtliche Sachen die ich am Körper hatte in den Sand geworfen und mich am ganzen Körper abgeklopft. Nein, das war nichts für mich. Ich habe den Weg auf mehreren Fotos festgehalten! Bah, ich muss schon wieder schütteln ...
Zur Belohnung folgten dann fast sechs Kilometer durch Sand und Wasser. Es war traumhaft, dort zu laufen. Der Himmel war strahlend blau und die Sonne lachte vom Himmel. Ich hatte mich zwischendurch immer wieder auf den Sand gesetzt und aufs Wasser gestarrt. Es war fantastisch. Langsam bin ich bis Noja gelaufen und habe mir in einem Strandcafé erst einmal etwas Leckeres zu trinken gegönnt. Als ich zur Toilette musste, sprach ich den Kellner auf Englisch an, doch er erwiderte: „No Englisch”. Ha, dann warte mal ab, dachte ich und schmetterte auf Spanisch: „Wo ist die Toilette?” Der Kellner war begeistert, dass ich das konnte, und er deutete mit dem Finger Richtung WC. Ja, Daniela, wie du gesagt hast, das ist der wichtigste Satz, den ich drauf haben muss. :-)
Nach dieser schönen Pause ging es weiter. Diesmal führte die Route etwas weg von der Küste ins Hinterland. Immer wieder lief ich auf Wirtschaftswegen und durch winzige Ortschaften. Wie schon erwähnt, war es heute sehr warm, ja, es war sogar heiß. Mir lief der Schweiß am Körper entlang. Ich hätte eine Pause gebraucht, aber wie schon die Etappen zuvor kam keine Möglichkeit, irgendwo etwas zu trinken oder zu essen. Das ist echt schwach. In der nächsten kleinen Ortschaft, durch die ich gelaufen bin, bin ich vom Camino runter und ins Zentrum reingelaufen. Ich hatte Glück, denn dort gab es direkt mehrere Bistros. Fix und fertig habe ich mich gesetzt und Essen + Trinken geordert. Was habe ich diese Pause genossen! Als ich bezahlt habe, hat mir die Chefin eine Flasche Wasser und einen Anstecker geschenkt. Total glücklich über so viel Freundlichkeit bin ich dann zurück auf den Camino.
Puh, trotz der Stärkung war es bei der Hitze mega anstrengend zu laufen. Denn jetzt ging es gefühlt nur noch bergauf. Auf einer Weide waren mehrere Kühe. Als ich ein Foto von zweien gemacht habe, kamen auf einmal mehrere Kühe und stellten sich in einer Reihe auf. Das war witzig. Solche kleinen Highlights haben die Steigungen erträglich gemacht.
Ich war völlig fertig und habe auf meinem Handy nachgeschaut, wie weit es noch bis zu meiner Unterkunft war. Es waren noch knapp zwei Kilometer. Zum Glück zog es sich etwas zu und die Sonne verschwand immer wieder. Als ich in Güemes ankam, hupte neben mir ein Auto und hielt an. Arielle, Charlotte und Chris stiegen aus und begrüßten mich freudestrahlend. Chris hatte die beiden in Güemes aufgegabelt. Sie fliegen heute noch von Bilbao nach Madrid. Wir haben Nummern ausgetauscht und noch Fotos gemacht. Nach einem herzlichen Abschied bin ich zu meiner Unterkunft gewandert. Dort duschte ich erst einmal und spülte sämtliche Krabbeltiere von mir. Obwohl ich fix und fertig bin, wollte ich mir noch den Ort ansehen und bin nochmal rausgegangen und was soll ich sagen: Hier ist nicht viel los. Mich würde interessieren, wie viele Menschen hier leben. 10? Ich habe nachgeschaut, es sollen ca. 299 Menschen sein 😜. Kurz zur heutigen Etappe, die war knappe 20 KM lang!
Liebe Grüße
Anke