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1001 Kirche - nein, diesmal nicht!
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Chiang Mai - ähm?

Wat Jet YotWat Jet YotWat Phra SingWat Phra Sing

Warum man nach Thailand fahre und was man dort anschauen solle, sei ihm unbegreiflich, meinte unser lieber Freund (und Steuerberater) Toni, als ich ihm die Ziele unserer Reise aufzählte - aus dem Mund dieses erfahrenen, aufgeschlossenen und klugen Reisenden ein ungewohnt harsches Urteil. Bisher kann ich ihm nur eine Antwort geben: Man kann hier (immer wieder, aber keineswegs immer) wirklich hervorragend essen. Thailand ist für uns bisher Chiang Mai gewesen, und das war definitiv underwhelming.

Chiang Mai, so behaupten unser Reiseführer und ganz viele Internetquellen, sei ein so besonders netter Ort, um einige Tage dort zu verbringen. Man könne in der Altstadt so nett spazieren gehen und sich entspannen. Tatsächlich jedoch herrscht in Chiang Mai ein Höllenverkehr, man wird von den Autos und Mopeds richtiggehend an den Rand gedrängt, weil es meist keine Gehsteige gibt. Das gilt auch für die "Altstadt", in der außer in den Tempelbezirken kein einziges altes Haus mehr steht, sondern nur moderne größere und kleinere Klötze für Hotels, Massagestudios, Yogaschulen etc.

Es gab einen einzigen Tempel - oder sagen wir 1 1/2 - von ziemlich vielen, die die weite Reise in den Norden Thailands wert gewesen wären. Der Wat Jet Yot aus dem 15. Jhdt. hat noch viele seiner reizenden Stuckverzierungen: recht große Figuren von anmutig tanzenden Damen, deren Kleider lustig schwingen, und von würdigen Herren im Schneidersitz. Eine ähnliche, wenn auch nicht so alte und ziemlich renovierte Verzierung findet sich auf der kleinen, ganz reizenden Bibliothek, die zu einem der Haupttempel der "Altstadt" gehört. Alle anderen Bauten sind (zumindest nach dem Besuch von Bagan) eher bescheiden oder überrestauriert, auch wenn die Dächer der Tempel hier eine sehr attraktive, geschwungene Form haben.

Bleibt das Geheimnis, warum die Westler und -innen so gerne nach Chiang Mai kommen. Meine These: Hier können sie Exotik sehr schaumgebremst zu sensationell niedrigen Preisen bekommen. Schaumgebremst, weil hier alle seit Jahrzehnten an Touris gewöhnt sind, weil es Cafés im westlichen Stil (mit Brownies, Burgers und French Fries) gibt, weil hier samstags und sonntags riesige Märkte stattfinden, auf denen man Krimskrams kaufen kann, und weil die Lokale hier tendenziell bei der Zubereitung der Speisen für Touris gleich vorsorglich auf die scharfen Chilis und alles sonstigen kräftigen Gewürze verzichten. Wir essen gerne authentisch und kämpfen ständig damit, die (schlecht englisch verstehenden) Köche und Köchinnen dazu zu bringen, kein Tourist-Food für uns zu produzieren. Spricht man sie auf die Gewürze an, kommt sofort die Versicherung: no spicy. Gelingt die Kommunikation, ja dann, dann bekommt man scharfes, aber auch so richtig gutes Essen: Salate aus grünen Mangos,  Papayas oder Pomelos mit getrockneten Shrimps und allerlei anderem Fremdartigen (immer sehr scharf); mit Schweinsfaschiertem gefüllter Bambus (nicht sehr scharf); Suppe mit Jackfruit und Schweinefleisch (ein köstliches Obst übrigens; höllisch scharf); Wels in Bananenblättern gedämpft (mittelscharf); kurz gegrillte Krabbeneier (gar nicht scharf) ...


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