Geiranger-Fjord und Homlongsetra
Den folgenden Tag verbringen wir auf See und üben uns in ganz viel Nichts tun...nicht wirklich unsere Stärke. Aber wie im Sport sollte man die Dinge trainieren, die einem nicht...


Veröffentlicht: 22.05.2019








Nachdem der Wettergott Thor (in der norwegischen Mythologie zuständig für das Wetter, allen vorran Blitz und Donner) uns am gestrigen Tage mehr als hold war, zeigte er heute, dass er auch anders kann.
Ironischerweise ausgerechnet in dem statistisch regenärmsten Fjord des Landes schenkt er uns Regen, Nebel und tiefsthängende Wolken! Bisher (seit Asterix bei den Briten) dachte ich auch immer, dass es niemals gleichzeitig regnen und neblig sein kann!
Ätschikolätschi, wie Ida sagen würde!
Doch spätestens seit unserem dreiwöchigen Wetterakzeptanz-Kurs in Schottland letztes Jahr macht uns so ein bisschen Regen gar nichts mehr aus.
Außerdem...beim Kayak fahren wird man so oder so nass. Alles eine Frage der Einstellung also!
Der Wetterwechsel machte sich bereits am gestrigen Abend auf der Ausfahrt aus dem Geirangerfjord bemerkbar. Das Schiff schaukelte für unser Empfinden doch merklich. Witzig dabei ist ja dann das Geradeauslaufen. Denn es ist schlicht nicht mehr möglich...
Besonders amüsant ist es, andere dabei zu beobachten, wie sie, Flipperkugeln gleich, jegliche Ecken und Wände mitnehmen!
Zugegebenermaßen sehen wir dabei mitnichten besser aus!
Nach einer erstaunlich langen Nacht wachten wir erst gegen halb neun auf, wo frühere Vögel bereits dabei waren, das Schiff zu verlassen! Da unsere Kayak-Tour jedoch erst um 12 Uhr starten würde, hatten wir also genug Zeit für das Frühstück. Im Anschluss ging es dann auch für uns von Bord. Außreichend Puffer für einen Bummel durch Flåm hatten wir noch...
Sagenhafte fünf Minuten später ging es dann zum Bootshaus. Denn Flåm bietet außer einer Bahnstation für die Flåmsbahn und einem Hybridboot genauso viel Abwechslung wie Geiranger: Merino-Pullis, Merino-Mützen und Trollfiguren!
Wenn wir in FFM scheitern sollten, werden wir Schafzüchter in irgendeinem Fjord-Dorf! Wollbedarf scheint es hier immer zu geben...
Nach einer einstündigen Einweisung inklusive Kleidungswechsel und Bootsflucht im Kenterfall ging es mit unserem Guide Erwin (kein Witz!) endlich aufs Wasser!
Spätestens hier war uns der Dauerregen dann völlig gleich. Denn die Aussicht, bzw Position der Fjordbetrachtung war einfach unfassbar beeindruckend! Wie winzig wir doch sind, wenn vor einem knapp 700 Meter Felswand senkrecht zum Himmel zeigen. Wir haben Gänsehaut und das kommt nicht von der Kälte und Nässe.
Die Vorstellung, hier könnten vor Jahrmillionen Dinosaurier gelebt haben, fällt uns alles andere als schwer und wer Jurassic Park oder World oder was auch immer gesehen hat, wartet hier nur auf den nächsten Pterosaurus, der gleich majestätisch von einem der Berge stürzt und...uns wohl gefressen hätte!
Doch Erwin rettet uns gar flott aus unseren Gedankenspielen und malt in unsere Hirne direkt die nächste (deutlich realistischere) Vorstellung.
Die der Wikinger!
An einem Hügel mit Wasserfall im Hintergrund fallen uns neun Steine auf, die vor ca. 900 Jahren als Art Grabsteine dienten. Bewacht von steinschmeißenden Bergtrollen dürfen wir natürlich nicht zu nah ran.
Kleine Bestattungskunde am Rande:
Die Leichname selbst wurden je nach Rang des Verstorbenen entweder in Leinen gewickelt mit Steinen beschwert in den Fjorden versenkt oder aber auf einem Holzfloß ins Wasser gelassen, um dann mit brennenden Pfeilen beschossen zu werden.
Warum auch immer gab es dennoch Floße, die nicht getroffen wurden und auf der anderen Seite an Land gingen!
Und eben diese Toten wurden dann samt Holzfloß mit Steinen überschüttet. So entstanden die überall bekannten Hügelgräber der Wikinger. Weil die Stammeskrieger zu blöd waren, das Holzgefährt zu treffen...
Wie auch immer genießen wir die Fahrt und Informationsfülle und die erstaunliche Homogenität und Synchronität unserer Paddelschwünge lässt uns durch den rauen Fjord gleiten wie das berühmte heiße Messer durch die Butter. Oder war es das Messer durch die heiße Butter? Ne, dann wäre sie ja flüssig. Egal...
Durchnässt, aber selig und zufrieden kehren wir zurück an Land, wo wir aus unseren Neoprenkondomen schlüpfen (Kenner der Nackten Kanone 2 1/2 könnten hier unweigerlich an Leslie Nielsens denken) und den Weg zurück an Bord antreten!
Frisch geduscht und buffetgestärkt lassen wir den Tag bei Geigenklängen (natürlich live) bekannter Klassiker und Kaffee mit reichlich Schuss ausklingen!
(eine von 6 Treppen aus Swarowski-Kristallen)
Wer hier nicht an das Streicherquartett aus „Titanic“ denken muss...
„Gentlemen, es war mir eine Ehre, heute mit Ihnen spielen zu dürfen!“