Jurassic Park - das vergessene Reich im Norden
Nachdem der Wettergott Thor (in der norwegischen Mythologie zuständig für das Wetter, allen vorran Blitz und Donner) uns am gestrigen Tage mehr als hold war, zeigte er heute,...


Veröffentlicht: 15.09.2019












‚Wie? Ihr fahrt schon wieder in den Urlaub?‘
Ertappt. Wir sind Urlaubsfanatiker. Und wenn es der Alltag nicht zulässt, ausreichend intensive Familienzeit miteinander zu verbringen, dann müssen wir dem halt entfliehen.
Nachdem wir in den letzten Jahren zunächst mit dem Flieger, dem Kreuzfahrt-Riesen und dann dem Zelt unterwegs waren, haben wir uns dieses Mal für den Klassiker entschieden: Ferien auf dem Bauernhof.
Unsere Flucht führt uns ins idyllische Oberlaitsch in Oberfranken auf den Laitscher-Hof, einen Mitmach- und Ferienhof mit aktiver Landwirtschaft.
Auch wenn wir die einzigen Gäste der Familie sind, sind wir bei Weitem nicht allein. Den Hof bewohnen Kühe, Kälber, Katzen, drei gefleckte Schweinchen, Enten, Gänse, Hühner und der Hund Ronja. Pferde gibt es nicht, so dass wir bei unserer pferdenärrischen Tochter etwas Bedenken bzgl der allgemeinen Zufriedenheit hatten. Komplett unbegründet! In Nullkommanix war Ida aufgetaut, und hat mit allergrößter Begeisterung die temporäre Heimat erkundet. Besonders hoch im Kurs stehen die Kälbchen, aber auch Schweinerücken mit der Spülbürste zu massieren, oder Hühnerfedernsammeln lässt die Kinderaugen leuchten.
Bei Ankunft in Oberlaitsch kamen wir uns vor wie die lang erwarteten und vermissten hochherrschaftlichen Gäste: das ganze Dorf (ca 15 Leute) hing doch tatsächlich hinterm Gartenzaun und winkte uns zu. Nett, aber etwas befremdlich für uns, die die Anonymität der Großstadt zu schätzen gelernt haben.
Katrin, unsere Gastgeberin kam auf uns zu, und hat uns schnell aufgeklärt. Wir werden zwar erwartet, aber die Nachbarn hat der Kuhauftrieb aus dem Haus gelockt. Die neuen Schwarzen sollen die Weide wechseln. Auf dem Dorf immer wieder eine Gaudi. Und auch wir haben uns darüber gefreut, mit welchen Sprüngen die „Welsh Black“ über die Hauptstraße gehopst sind, während sich die braun Gescheckten nur mit Schrot und Strick haben überreden lassen.
Ehemals mussten 100 Milchkühe versorgt werden, so dass auf 101 ha Land Mais für die Silage, Gras, Getreide und noch Diverses andere angebaut wird. Glück für uns: am Anreisetag wird der Silo-Mais eingeholt und Ida und ich dürfen mit dem großen John Deere mitfahren. Das rumpelt und holpert gewaltig, ist aber in der warmen Septembersonne alle Beulen am Kopf wert.
Anders als bei uns, sind hier bei der Ernte Jäger anwesend, die an allen vier Feldecken nach Wildschweinen Auschau halten. Wegen der Schweinepest sind die zum Abschuss freigegeben. Das Spektakel ist uns aber Gott sei Dank erspart geblieben.
Heute versorgt die Silage nur noch ca 40 Milchkühe. Aufgrund der Trockenheit hat auch dieser Hof zu wenig Futtermittel für die vielen Tiere eingefahren (trotz vier Schnitt Heu), und nun die Wahl, teuer Futter zuzukaufen, oder den Tierbestand zu verringern. Mit dem Preisdruck im Markt, den hohen Investitionen (Stallsanierung, Tierarzt, Futter etc) und dem gehobenen Alter der Milchbäuerin war die logische Konsequenz auf Mutterkühe umzustellen. Die Milchkühe werden also Stück für Stück zum Metzger gebracht (immerhin ein Landschlachter nur 4km entfernt - also so wenig Stress wie nur irgendwie möglich), und durch Welsh Black Fleischkühe ersetzt, mit denen gezüchtet wird.
Auf unsere Frage hin, ob die Umstellung schwer fiele, gab es erst mal eine lange Pause. ‚Jein. Kälber schlachten fällt schwer, und zu sehen, welchen Preis ein Lebewesen nur noch hat, das tut weh. Aber nach 42 Jahren ist es auch gut loszulassen!‘
Es ist spannend, sich mit den Wirten zu unterhalten, wenngleich wir nicht alles verstehen. (Insbesondere, während der Trecker tuckert und die Melkmaschine läuft). Das Oberfränkische ist doch etwas eigen:
Wischkästla (Smartphone), Waggerla (kleines Kind) oder Aamerla (Eimer) sind nur wenige Beispiele.
Unseren ersten richtigen Urlaubstag verbringen wir erst mal draußen: der Kettcar-Fuhrpark muss getestet werden. Damit erkunden wir das Dorf, bevor es zur ersten großen Überraschung nach Sanspareil geht. Kennt Ihr nicht? Komisch, scheint es doch die halbe Welt zu kennen... vorm Ortseingang stehen mehrere Reisebusse und der gesamte Straßenrand ist zugeparkt. Ganze Horden Rentner hatten wir nicht erwartet. Eigentlich wollten wir doch nur zum Ponyreiten. Aber auch da mussten wir erst mal Schlangestehen. Um die 40 Pferde und zwei Langohren stehen bereit, um mit Kindern jeden Alters einen Spaziergang zu machen. Ida wurde der Opi Billy zugewiesen. Ein einäugiges Shetty mit leichtem Linksdrall, das sich sogar zum Traben hat hinreißen lassen.
Ein wirklich gelungener Start in den Urlaub, gekrönt von einer gemeinsamen Nachtwanderung. Unterwegs hatte die doch noch nicht wirklich große Ida dann aber Muffensausen. Was, wenn uns doch Wildschweine begegnen? Das wollen wir natürlich nicht riskieren, und stecken die kleine Kröte schnell ins sichere Bett. Gute Nacht, alle miteinander.