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Geiranger-Fjord und Homlongsetra

Veröffentlicht: 21.05.2019

Den folgenden Tag verbringen wir auf See und üben uns in ganz viel Nichts tun...nicht wirklich unsere Stärke. 

Aber wie im Sport sollte man die Dinge trainieren, die einem nicht liegen, und so bekommen wir den Tag mit Lesen, Gesellschaftsspielen und einem ausgiebigen Nickerchen ganz gut rum.

Im Alltag sehnen wir uns nach Faulenzerei, aber wenn man die Möglichkeit bekommt, dann kann man seinen Hintern darauf verwetten, dass in eben Diesem ein Schwarm Hummeln auftaucht, der einem das Sitzen unmöglich macht. Wirklich nicht nachvollziehbar.

Am Abend lassen wir uns vom Cirque de Soleil verzaubern.


 ‚Viaggio‘ ist zwar nur ein sehr abgespecktes Programm, steht den sonstigen Vorführungen aber in Nichts nach. Wie immer wissen wir nicht, wo wir als erstes hinschauen sollen und vergessen Zeit und Raum. Genau richtig also, für so einen Tag auf dem Wasser. Zu unserer Belustigung stellen wir fest, dass der Hauptdarsteller am Tag vorher mit im Fitnessstudio war und uns mit den Langhanteln geholfen hat. Biestig wie wir manchmal sind, haben wir uns noch über seinen Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Schnäuzer lustig gemacht (‚Für den gehört er verprügelt!‘). Hups - alles Teil der Show, für die mehr als nur ein Händeklappern fällig wäre.

Den ganzen Tag war es diesig, windig und kalt und nachts dann sogar richtig neblig und wir bekommen langsam Bammel, dass wir bei unserer geplanten Wanderung am Geiranger-Fjord auf die Aussicht verzichten müssen. Nur wirklich dunkel wird es nicht. Um 3:00 Uhr ist es immer noch dämmerig.


Doch Frau Holle meint es gut mit uns: pünktlich zur Einfahrt in den Geiranger-Fjord (übrigens seit 2005 UNESCO-Weltnaturerbe), kommt die Sonne raus.

Und wir kriechen aus unseren Betten, um die wirklich atemberaubende Natur mit Wasserfällen, steilen Hängen und schneebedeckten Gipfeln zu bestauen!




Schon eine gute Idee vom Herrn Unesco gewesen, hier der Welt was zu vererben...

Das alles erschwert die alltägliche Körperhygiene, das Anziehen und das Packen des Rucksackes natürlich umgemein. Denn alle zehn Sekunden kräht eine(r) von uns vom Balkon die nächste Wunderbarigkeit, die unbedingt gesehen werden muss!

Doch wer aufgrund der früh einsetzenden Helligkeit bereits um 6:30 Uhr aufsteht, hat natürlich für solche Augenblicke die ausreichende Zeit!

Die Frühstücksschlacht hält sich erfreulicherweise in Grenzen, sodass wir mit vier Stullen und Obst im Gepäck unsere Wanderung starten können!

5 km den Berg hoch bis zu einer alten Schäferhütte (Homlongsetra) und nochmal ein paar hundert Meter weiter zu einem Aussichtspunkt auf den Fjord! Wir sind gespannt und verlassen mit etwas Warterei beim Check Out als erste Heuschrecken die schwimmende Basis, ohne von Oma Erna aufgehalten zu werden (O-Ton Rezeption!!!!)... ;-)

Durchs kleine Fischerdorf gehts vorbei an der Webcam (ein ‚Hallo’ an die Kollegen in Oberursel), zig Souvenirshops, Cafés und Norwegerpulli-Läden (so viele Schafe kann es hier gar nicht geben, wie Pullover in der Auslage hängen) und ab in die Einsamkeit!

Und hier sind wir wahrlich erstaunt, bzw erfreut!

Der Krüstchensensor schlägt nicht aus, kein „mein Kind hat an Bord laufen gelernt“-Gesaller und kein Gedränge mehr!

Nur noch das Plätschern der Wasserfälle, das Kreischen der Möwen und unser eigenes Gebabbel!

Herrlich...

Während nämlich der Großteil unserer Mitpassagiere zum Bummeln im Dörfchen verweilt oder einen der Ausflüge ins Hinterland Geirangers gebucht hat (mit Sicherheit auch wunderschön, aber alles geht eben nicht), schlagen wir den Weg auf die andere Seite des Fjords ein. 


Erst flach entlang des Wassers bis zum Örtchen Homlong (wo man bei Gunnar Homlong campen kann - das ist doch wie bei Hinacks in Hinackhausen), dann steil den Berg hinauf in die Wälder!


Ein Wow-Moment reiht sich an den nächsten und wir sind froh, so viel Genuss-Zeit für unsere Wanderung zu haben.

Über teils nur rudimentär erkennbare Pfade kraxeln wir die Höhenmeter hinauf und können nur schwärmen; 




Einerseits von der fantastischen Landschaft, aber auch vom Wetter...die Sonne knallt und wir erfreuen uns an jedem, unseren Weg kreuzenden Wildbach über eine kleine Abkühlung!



An den Schäferhütten angekommen (eine für Frühling und Sommer, eine für Herbst und Winter) müssen erstmal die Socken getrocknet werden. 



Denn nicht jedes Schneeschmelze-Rinnsal macht sich wandererfreundlich bemerkbar. So entpuppt sich eine harmlose Wiese schnell als Sumpfgebiet.

Und damit sich der eine nicht über den anderen lustig machen kann, stehen wir beide laut lachend knöcheltief im Morast!

Hinter den Hütten folgen wir einem weiteren Weg bis ans begehbare Ende des Berges, welches direkt am Abgrund in den Fjord endet! Weiter will man wirklich nicht.


Fasziniert, aber auch ehrfürchtig (anderes Wort für beängstigt) stehen wir nur 2-3 Meter vom Abgrund entfernt, machen ein paar Fotos und wandern zurück nach Homlongsetra, wo wir uns über unseren Proviant hermachen.


Gestärkt geht es an den Abstieg, welcher uns mehr abverlangt als erwartet, lässt die Konzentration doch allmählich nach.

Doch bis auf erneut nasse Füße kommen wir heile in Geiranger an und stürzen uns wieder in die Menschenmenge zum Boarding!

Den restlichen Tag lassen wir in Wolldecke und dicker Jacke auf dem Balkon ausklingen und genießen die Ausfahrt aus dem wunderschönen Geiranger-Fjord!


Morgen geht es etwas weiter südlich in Flåm mit einem 2er-Kajak durch die kleinen Nebenflüsse des Aurlandsfjord!

Bis dahin...

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