Geschichten vom roten Rucksack

~~ein Jahr unterwegs~~

Vancouver Island vom 29.08. bis 04.09.2020 und die restlichen Tage in Vancouver

~ Einundzwanzigster Tag ~

Elk Lake, Victoria – Strandparkplatz in Chemainus

Morgens starten wir mit einem Tim Hortons Kaffee. Julian will durch den Drive Thru fahren. In Deutschland ist das der Drive In. Erstmal fährt Julian zu weit und fährt an der Sprechanlage vorbei. Ich lache mich schlapp und Julian fährt ein zweites Mal durch den Drive Thru. Mit zwei Douple Douple ausgestattet machen wir uns auf den Weg nach Victoria in die Innenstadt. Wer sich fragt, was ein Douple Douple ist: Es ist ein Filterkaffee mit zwei Stück Zucker und zwei Schuss Sahne oder Milch. Und als echter Kanadier bestellt man dann seinen Kaffee indem man nur Douple Douple sagt. In Victoria gehen wir erst ins Besucherzentrum und machen anschließend einen Spaziergang zum Parlamentsgebäude, zum Government House mit seinem großen Park und zum Craigdarroch Castle. Ich wäre gerne durch das Schloss gelaufen, aber wir haben noch weitere Punkte, die wir sehen wollen. Der nächste Stopp ist wieder in der Innenstadt: Wir gehen in die Old Spaghetti Factory. Es ist ein Restaurant, in das Julian schon länger gehen wollte. Wir bestellen ein All Inclusive Gericht. Das bedeutet, es gibt zum Beginn ein frisch gebackenes Brot mit Butter und Kräuterbutter, einen Salat oder eine Suppe, danach das Hauptgericht, das man sich ausgesucht hat und zum Nachtisch ein Vanille-Schoko-Pistazien-Eis und einen Kaffee. Nach einem richtig leckeren Essen, laufen wir weiter Richtung Chinatown. Es soll sich um das älteste Chinatown in Kanada handeln. Wir laufen durch eine enge Gasse und bestaunen die Gegend. Eigentlich wollen wir ins Royal BC Museum, aber wir werden nicht rein gelassen. Man muss die Karten und die Uhrzeiten vorher buchen und heute sind alle Uhrzeiten ausgebucht. Also entscheiden wir uns dafür, Karten für den 03.09. zu kaufen. Am Ende fahren wir kurz nach Walmart, weil wir eine Reisetasche für unseren Flug nach Ontario kaufen wollen, und danach weiter nach Chemainus. Hier wollen wir übernachten. Es ist ein Parkplatz mit einer Slipanlage. Das ist der Fachbegriff für eine Rampe oder schräge Ebene, mit der man sein Boot zu Wasser lassen kann. Ich beobachte die unterschiedlichsten Arten, ein Boot ins Wasser zu lassen - es geht von elegant bis unelegant -, bevor es endlich ruhig genug ist, dass wir im Auto übernachten können.

Victoria - Wale aus Pflanzen
Victoria - Wale aus Pflanzen
Parlamentsgebäude
Parlamentsgebäude
Park beim Governmentgebäude
Park beim Governmentgebäude
Schloss
Schloss




~ Zweiundzwanzigster Tag ~

Strandparkplatz in Chemainus – Wildcampingplatz am Kennedy River

Morgens beobachte ich die Möwen und Raben, wie sie im sandigen Bereich während der Ebbe auf Jagd sind. Unser Auto ist immer noch so dreckig und ein Regenschauer wird der Kruste auch nicht mehr Herr. Also fahren wir nach Nanaimo in eine Waschstraße. Nach der Wäsche ist das Auto immer noch so dreckig, aber dazu auch noch nass. Es hat nicht so wirklich viel gebracht! Also schieben wir noch eine Autowäsche per Hand hinterher. Danach sieht das Auto viel besser aus.

 Endlich geht es weiter und unser nächster Stopp ist eine kleine Wanderung zu einem Punkt, der Hole in the wall heißt. Früher lief hier ein großes Rohr durch den Wald und über den Teil des Baches. Da dieses Rohr aber entfernt wurde, ist hier jetzt ein kleiner Wasserfall und ein Loch in der Wand zurück geblieben. Im Wasser haben viele Besucher Steinhaufen gebaut. Nach der kleinen Wanderung halten wir in Port Alberni kurz an und halten Ausschau am Ufer des Flusses. Hier soll man bei Ebbe Bären an der anderen Seite des Flusses beobachten können. Leider sind wir zur falschen Zeit hier! Es ist weder Tiefstand, noch sehen wir irgendwelche lebenden Tiere. Nur ein paar Sportboote fahren an uns vorbei und anschließend treiben ein paar tote Fische im Wasser. Da haben die Angler wohl die Überreste einfach ins Wasser geworfen! Nicht mal die Möwen wollen das essen. Wir beschließen bei unserer Rückfahrt noch einmal in Port Alberni zu einer besseren Uhrzeit zu halten. In einem kleinen Nationalpark halten wir, um Lachse zu beobachten. Erst sieht man in dem reißenden Fluss gar nichts! Aber wenn man richtig hinschaut, dann sieht man plötzlich eine unscheinbare Bewegung. Und tatsächlich! Im Wasser sind viele große Fische, sie scheinen in dem beruhigteren Bereich im Fluss zu warten und es sieht so aus, als ob sie Schlange stehen. Nachdem der eine Fisch es gegen die Strömung versucht, rückt ein nächster nach. Ich halte meine Kamera auf die Stelle im Fluss und ein Mann spricht mich an, was ich denn da fotografiere. Nachdem ich die Stelle beschreibe, sieht er die Fische auch! Der letzte Stopp an diesem Tag ist unser Wildcampingplatz am Kennedy River. Wir sind diesmal recht früh dran. Aber leider spielt das Wetter nicht mit. Es fängt an zu regnen. Aber der Platz ist wirklich besonders! Wir fahren erst an allen vorbei, da der Ort schon gut besucht ist. Eine ganze Partytruppe scheint hier schon seit längerem zu campieren und hat ein richtiges Lager aufgebaut. Wir fahren zum Anfang der Schotterpiste zurück und bauen dort unser Zelt im Regen auf. Das heißt: Beeilung! Bevor alles im Zelt unter Wasser steht. Danach müssen wir noch kochen! Julian macht ein Feuer unter den Bäumen, um ein bisschen Regen geschützt zu sein. Gegenüber ist eine Frau, die uns zu sich einlädt! Sie heißt Stephanie und kommt aus Quebec. Sie ist Flugbegleiterin und hat zurzeit frei. Daher hat sie einen Roadtrip alleine gestartet und ist jetzt in Vancouver Island angekommen. Sie lädt uns unter ihre Plane ein, die sie über ihr Lagerfeuer gespannt hat. So werden wir wenigstens nicht mehr nass. Außerdem teilt sie sich eine Wassermelone mit mir. Julian gibt ihr daraufhin ein Bier ab. Sie erzählt uns von ihrer Reise und von diesem Ort. Sie ist einen Tag eher angekommen und hat die letzte Nacht auf unserem Platz übernachtet. Heute ist sie auf ihren neuen Platz „umgezogen“. Der ist wirklich cool! Hier haben einige Vorgänger eine Küche aus Ästen und Stämmen zwischen den Bäumen gebaut. Es sieht richtig professionell aus. Deshalb dachten wir auch am Anfang, dass Stephanie hier schon länger wohnt. Die Schotterstraße liegt nicht nur im Wald, sie liegt auch direkt an einem breiten Fluss. Sie erzählt uns, dass man in dem Fluss baden kann und es einen Wasserfall gibt. So gehen wir auf Erkundungstour am Fluss und sind richtig überrascht! Bevor das Wasser den Wasserfall herunterstürzt, sind viele Felsen und Steine im Flussbett, so dass sie teilweise kleine Pools anstauen, in denen man im Sommer sicherlich hervorragend baden kann! Später im Dunkeln – wir sitzen schon wieder am Feuer – kommen zwei Autos angefahren und Stephanie ist sehr erfreut: Es sind nämlich drei Deutsche, die sie gestern in dem Lager schon kennen gelernt hatte. Sie setzen sich zu uns und wir reden ein bisschen. Der eine hat einen besonderen Metall-„Stock“. Wie ein Teleskop kann man ihn auseinanderziehen. Er ist hohl wie ein Strohhalm. Damit pustet er Luft direkt aufs Feuer, damit es besser brennt. Julian ist natürlich direkt begeistert. In der Nacht hört es nicht auf zu regnen. Aber wir sind sehr froh, dass das Zelt trocken ist. Nur an einer kleinen Stelle kommt ein bisschen Wasser durch, aber wir bringen  eigentlich mehr Wasser mit unserer Kleidung ins Zelt. Bevor ich mich in meinen Schlafsack lege, denke ich noch, dass ich eigentlich aufs Klo müsste. „Ach naja! Das halte ich auch bis morgen früh aus!“ Mitten in der Nacht gibt mir das Geprassel des Regens auf das Zelt den Rest. Im Stockdunkeln und im halben Starkregen tapse ich raus. Julian fragt verschlafen, was ich vor habe. „Einen Spaziergang… was sonst?“

Port Alberni
Port Alberni
Hole in the Wall
Hole in the Wall
Hole in the Wall
Hole in the Wall
Der Weg der Lachse
Der Weg der Lachse
Wimmelbild: Wer findet die Lachse?
Wimmelbild: Wer findet die Lachse?
Wasserfall
Wasserfall am Kennedy River
der natürliche Pool
der natürliche Pool



~ Dreiundzwanzigster Tag ~

Wildcampingplatz am Kennedy River – Parkbucht in der Nähe von Ucluelet

Da Julian ein bisschen eher aufgestanden ist, hat Stephanie ihm zum Frühstück eingeladen. Das wird mir später noch zum Verhängnis. Aber dazu später mehr. Morgens bauen wir unser nasses Zelt ein. Außerdem hat es endlich mit dem Regen aufgehört. Julian hatte sich gestern mit einem der Deutschen verabredet Gold im Fluss zu waschen, wie er es in Dawson City gelernt hat. Also schnappt er sich meine Spülschüssel, die eigentlich eine Salatschüssel ist und die ich bis jetzt immer vor Julians Goldwasch-Aktionen bewahren konnte. Während ich mit Stephanie rede und ihr helfe ihre Sachen einzupacken, beobachte ich Julian, der auf einem Felsen im Fluss sitzt und nach Gold sucht. Nachdem er leider nichts gefunden hat, fahren wir nach Tofino. Das ist unser eigentliches Ziel auf Vancouver Island. Wir legen einen Stopp beim Long Beach ein. Hier sind so viele Surfer unterwegs. Tofino wird auch als Hawaii von Kanada bezeichnet. Aber die wilden und hohen Wellen, sowie die Strömungen sollte man nicht unterschätzen! Überall wird man gewarnt, dass das Wasser so kalt ist, dass man nur mit Neoprenanzug ins Wasser gehen sollte. Danach holen wir uns ein paar Infos beim Besucherzentrum ab. Wir fragen nach Möglichkeiten, ein Kajak auszuleihen. Aber wir werden direkt gebremst: Es gibt eigentlich nur Touren mit einem Guide, weil die Strömungen hier so schwierig sind. Heute wollen wir eh nur in der Stadt bummeln. Also fahren wir ein paar Minuten weiter und sind in dem Städtchen. Beim Bummeln bekomme ich auf einmal einen Kreislaufzusammenbruch. Dr. Dr. Julian hat natürlich direkt eine Vermutung: „Es liegt nicht daran, dass du heute noch nichts Anständiges gegessen hast, außer zwei Gummibärchen zum Frühstück?“ Ja, Mensch! Kann sein… Mir hatte Stephanie halt leider kein Frühstück gemacht. Wir machen einen Halt bei einem süßen Laden, in dem man die Kajak-Touren buchen kann. Und so buchen wir für morgen eine Sea-Kayak-Tour. Dabei handelt es sich um eine spezielle Art von Kajak-Boot. Nach einem Kaffee fahren wir zum Wildside-Grill. Auf einem großen Parkplatz stehen mehrere Buden, bei denen man Essen kaufen kann. Julian bestellt Fisch Tacos und ich nehme den Fisch Burger. Beides ist wirklich lecker! Als wir zu unserem Schlafplatz fahren, ist hier erstmal nicht so viel los. Es ist eine kleine Bucht direkt neben der Straße, die jedoch von hohen Gebüschen verdeckt ist.

Bummeln in Tofino
Bummeln in Tofino
Fisch Taco und Burger
Fisch Taco und Burger



~ Vierundzwanzigster Tag ~

Parkbucht in der Nähe von Ucluelet – Parkplatz mit Gratis-WLAN

Als wir morgens wach werden, stehen richtig viele Autos hinter uns! Scheinbar ist dieser Platz bei allen beliebt, die einen kostenlosen Schlafplatz suchen. An den Autos hängen zum Teil Neoprenanzüge zum Trocknen. Scheinbar sind wir in einem „Surfer-Camp“. Nach einer kleinen Aufräum- und Spül-Aktion geht es zurück nach Tofino. Auf dem Weg dorthin läuft ein kleiner Schwarzbär über die Straße. Es gibt also tatsächlich auch Bären auf der Insel. Unsere Kajaktour beginnt um zwei Uhr nachmittags. Als wir auf unseren Guide warten, schauen wir aufs Meer und entdecken zwei Robben im Wasser. Vielleicht haben wir ja Glück und sie sind noch da, wenn wir auch im Wasser sind. Der Guide heißt Neil und wir sind uns am Anfang nicht sicher, ob er lustig oder verrückt ist. Aber er ist einfach eine witzige Mischung aus beiden. Nach einer Einweisung und Unterweisung, wie wir uns aus dem Kajak befreien, wenn es umkippt ("Es ist eigentlich nur Schwimmen, aber mit Anziehsachen!"), sollen wir Rettungswesten und Crooks anziehen. Außerdem packen wir unsere Kamera in einen wasserdichten Seesack. Wir werden auf die Boote verteilt. Julian und ich, sowie ein anderes Paar kommen jeweils in ein Zweier-Kajak. Während zwei andere in jeweils Einzel-Kajaks kommen. Der Mann kennt sich mit Kajaks aus und sagt selbst, dass er immer im Einzel-Kajak gefahren ist. Die Frau, die auch alleine unterwegs ist, hat nicht so viel Erfahrung, aber traut es sich trotzdem zu. Noch halb auf dem Trockenen üben wir das Lenken. Das Besondere an den Kajaks ist nämlich, dass sie sehr schmal sind und hinten eine Steuerflosse haben, die mit den Fußpedalen bedient wird - tritt man den linken Pedal, macht das Boot eine Kurve nach Links, tritt man rechts, fährt es nach rechts. Im Zweier-Kajak hat der Vordere zwar auch diese Fußpedale, aber man kann mit ihnen nicht lenken. Das kann nur derjenige, der hinten sitzt. Auf unserer Tour lenkt Julian, der den hinteren Sitz ergattert hat, uns das ein oder andere Mal in eine andere Richtung, weil er die Pedale vergisst und versehentlich ein Bein ein bisschen mehr ausstreckt, als das andere. Als wir zwischen den hohen hölzernen Bootsanlegern üben, fällt uns direkt auf, dass das Meer schon ziemlichen Wellengang hat. Die Frau, die alleine in dem Kajak sitzt, kommt mit der Lenkung nicht klar, sodass Neil ein Seil an ihrem Boot anbringt und sie abschleppt. Auf unserer Tour sehen wir einige Seesterne und sogar einen Weißkopfseeadler. Außerdem erzählt Neil einiges über die Umgebung, als wir zur Felice und Stubbs Island paddeln. Die größere Insel – Stubbs Island – umrunden wir nicht, weil wir zu langsam sind und die Strömungen und Winde zu anstrengend sein könnten. Nach zwei Stunden kommen wir zurück an Land und fahren zu einer Stärkung erneut zum Wildside Grill. Da wir in den nächsten Tagen schon wieder nach Vancouver müssen, fahren wir zurück und erkunden schnell Ucluelet. Wir sehen uns den Leuchtturm an, dem man recht nah kommen kann. Er ist recht klein, damit er den Winterstürmen standhalten kann. Danach fahren wir noch bis in die Dunkelheit zu unserem nächsten Schlafplatz, der nur ein Parkplatz ist. Aber hier gibt es Gratis Wlan.

Bevor unsere Kajaktour beginnt
Bevor unsere Kajaktour beginnt
Auf dem Meer
Auf dem Meer
im Zweier-Kajak
im Zweier-Kajak
in Action
in Action
Leuchtturm bei Ucluelet
Leuchtturm bei Ucluelet
Nebel bei Ucluelet
Nebel bei Ucluelet



~ Fünfundzwanzigster Tag ~

Parkplatz – Rutledge Park, Victoria

Wir frühstücken am nächsten Morgen und erkunden den Fluss, der direkt neben dem Parkplatz fließt. Die Farbe des Wassers ist wieder richtig schön und klar. Und bei unserer Erkundungstour entdeckt Julian einen Frosch auf dem Weg. Da er sich nicht bewegt, denke ich schon, dass er möglicherweise tot ist. Aber Julian stuppst ihn vorsichtig an und der Frosch hüpft wie ein Kamikaze-Frosch über den Weg ins Wasser. Na, der ist wohl doch quicklebendig! Auf einer Infotafel lese ich dann, dass das Übernachten hier verboten ist. Wir fahren weiter Richtung Victoria und halten an einem Platz an, bei dem man gratis duschen kann. Weil es so warm und sonnig ist, packen wir unser Zelt zum Trocknen aus. Es ist immer noch ein bisschen nass von vor drei Tagen. Wir legen das Zelt auf dem Parkplatz aus, weil hier die Steine von der Sonne richtig aufgeheizt sind. Als eine Rangerin vorbeikommt, fragt sie uns, ob wir hier zelten wollen. Wir erklären ihr, dass wir nur unser Zelt zum Trocknen ausgelegt haben und unser Auto aufräumen wollen. Sie ist mehr als erleichtert und sagt, dass wir das gerne tun können. Währenddessen packen wir unser Auto komplett aus und fangen an, Sachen, die wir nicht mehr benutzen, schon in unsere Reisetasche für den Flug zu packen. Dieser Stopp ist auf jeden Fall sehr hilfreich und so können wir alles nochmal ordnen. Bereits vor ein paar Tagen habe ich gelesen, dass es eine sehr schöne Street Art Gallery in Nanaimo gibt. Hier hat es mir ein ganz besonderes Kunstwerk angetan, das ich heute unbedingt sehen möchte. Dabei handelt es sich um ein riesiges Bild von Flügeln, vordem Julian mich fotografieren soll. Als wir dort ankommen, sehen wir viele schöne Bilder, aber die Flügel finde ich erst nicht. Doch dann erkenne ich, dass jemand das Bild übermalt hat oder eher gesagt mit einem hässlichen Schriftzug übersprayt hat. Ich bin richtig motzig und maule Julian die ganze weitere Fahrt die Ohren voll, wie man denn so bescheuert sein kann und so ein schönes Bild zerstören kann. Wir fahren weiter zum Rutledge Park in Victoria. Wir kochen und essen in dem Park, bevor wir uns ins Auto setzen. Plötzlich kommen Polizeiautos angefahren und es ist Geschrei in der Nachbarschaft zu hören. Der Park und die kleinen Wohnhäuser herum sind sehr schön und die Umgebung scheint sehr ordentlich und ruhig zu sein. Das ist sicherlich nur eine Ausnahme mit dem Polizeieinsatz. Als es schon sehr spät ist, geht Julian noch einmal durch den Park bevor wir schlafen wollen. Ich habe ein paar Gläschen Wein getrunken und merke die Müdigkeit schon in meinen Knochen. Plötzlich kommt Julian wieder und greift nach seinem Handy und den Autoschlüsseln: „Da brennt ein Auto. Ich rufe die Feuerwehr.“ Dann ist er wieder verschwunden. Ich denke mir noch: „Ja… genau… ein Feuer…“ Als ein paar Minuten später zwei laute Explosionen zu hören sind. Voller Panik werden mir Julians Worte bewusst! Da brennt ein Auto. Ich springe aus unserem Auto und renne durch den Park. Dabei rufe ich immer wieder Julians Namen und sehe auf der anderen Seite des Parks das Feuer, das mittlerweile recht groß ist. Aber Julian antwortet mir nicht. Ich rufe weiter und laufe in Richtung des Autos. Aber da wird er doch wohl nicht sein. Plötzlich sehe ich im Dunkeln eine Person in sicherer Entfernung zum Auto. Es ist Julian, der auf die Feuerwehr wartet. Die Explosionen waren die beiden vorderen Reifen, die wegen der Hitze des Feuers geplatzt sind. Die Feuerwehr löscht das Auto ziemlich schnell und wir gehen zurück zu unserem Auto. Ich fühle mich nicht mehr so wohl und suche im Internet erstmal nach Ursachen für einen Fahrzeugbrand. Mein erster Gedanke ist nämlich, dass das Auto angesteckt wurde. Aber selbst, wenn es so ist: Ein Täter würde wohl nicht ein zweites Mal an derselben Stelle zu schlagen. Außerdem dürfen wir eh nicht mehr fahren. So versuche ich mich zu beruhigen und zu schlafen. Nach ein paar Minuten schrecke ich erneut hoch! Ein lautes Geräusch ist direkt neben unserem Auto zu vernehmen: die Sprinkleranlage des Parks zur Bewässerung ist gerade losgegangen. Die Sprinkler sind im Rasen versteckt, sodass man sie gar nicht erkennen konnte. Was für eine Nacht!

Fluss
Fluss
Street Art
Street Art
Street Art
Street Art
Street Art
Street Art



~ Sechsundzwanzigster Tag ~

Rutledge Park, Victoria – Elk Lake, Victoria

Am nächsten Morgen, ich fühle mich leicht verkatert und habe wahrscheinlich dunkle Augenringe, fahren wir zum Royal BC Museum. Schließlich haben wir die Karten schon gekauft. Die Ausstellung ist so spannend und interessant. Es fängt mit einer Fotoausstellung an: Wildlife Photographer of the Year 2020. Die Bilder sind unterteilt in unterschiedliche Rubriken und unterschiedliche Altersklassen. Neben der Beschreibung des Motivs, stehen auch die Daten der Kamera und der Ort des Motivs. Leider darf man von den Bildern keine Fotos machen. Danach geht es weiter in den Bereich Naturkunde und den Bereich über die indigenen Völker Kanadas. Ich möchte dabei erwähnen, dass Julian sehr tapfer alles anschaut. Zur Belohnung gehen wir danach in eine Brauerei und essen und trinken eine Kleinigkeit. Danach fahren wir zum Elk Lake, machen dort ein Mittagsschlaf nach der verrückten letzten Nacht und packen die letzten Sachen in die Reisetasche.

Wer hat Lust aufs Museum?
Wer hat Lust aufs Museum?



~ Siebenundzwanzigster Tag ~

Elk Lake, Victoria – Vancouver

Am nächsten Tag fahren wir zum Fähranleger. Diesmal müssen wir nicht so lange warten, bis wir auf die Fähre kommen und so erreichen wir entspannt Vancouver. Wir dürfen in unserem alten Zimmer in dem Apartment übernachten und feiern den Abend mit unseren ehemaligen Mitbewohnern. Wir erzählen so einige Geschichten vom Roadtrip und sind sehr glücklich über unsere Erlebnisse und unsere Erfahrungen, die wir gemacht haben.

Fazit zu Vancouver Island: Wir haben festgestellt, dass wir für Vancouver Island eigentlich noch ein paar Tage mehr gebraucht hätten. Aber wir sind froh, dass wir die Tage abgezwackt und uns für eine Fahrt nach Vancouver Island entschieden haben. Ich habe vorher nicht gedacht, dass es hier so viel zu sehen gibt. Julian hat das Örtchen Tofino am besten gefallen. Hier hatten wir ein richtiges Urlaubsfeeling. Mir hat die Kajaktour richtig Spaß gemacht und ich hätte gerne noch den nördlichen Teil der Insel erkundet.


~~ Ende ~~


Das war er also: unser erster gemeinsamer Roadtrip. 

Wir haben so viel erlebt und gesehen, dass ich sehr froh bin, diesen Blog zu schreiben.

Es ist schon erstaunlich, was man alles in einem Auto unterbringen kann. Es gab am Ende eine bestimmte Ordnung im Auto, sodass alle Sachen einen festen Platz hatten und die Fläche somit optimal genutzt wurde. Mit wenigen Handgriffen hatte man immer das, was man gerade benötigte. 

Ich musste bei dem Trip feststellen, dass Autofahren doch auch anstrengend und ermüdend sein kann und dass es manchmal nicht so einfach ist, einen Schlafplatz zu finden, wenn man Wildcamping macht. Für die langen Autofahrten haben wir Musik und Hörbücher von den Drei ??? gehört. Die Lieder konnten wir am Ende fast alle mitsingen oder ich habe darüber meine eigenen Zanke-Texte gedichtet – meist zum Leid von Julian. 

Ich bin sehr froh, dass ich meine Ski-Jacke mitgenommen habe, damit ich abends nicht frieren musste oder gut bei Regen geschützt war. 

Ich glaube ich hatte noch nie so viele Mückenstiche. Leider musste ich feststellen, dass der Stoff meiner Jogginghose an manchen Stellen recht dünn ist, sodass die Mücken durch die Hose gestochen haben. Aber ich habe auch richtige Jäger-Skills entwickelt, fange Mücken mittlerweile blind im Flug und bin zu einem echten Mücken-Schreck geworden. 

Das Zelt, dass man laut Anleitung mindestens zu zweit in zehn Minuten aufbaut, kann ich jetzt auch alleine in zwölf Minuten aufbauen. Ich bin mehr als glücklich über meinen Schlafsack, der mich einfach immer warm gehalten hat. 

Julian, der Lagerfeuer-Experte der Reise, war sehr happy, dass wir Grillanzünder dabei hatten. Damit waren die Lagerfeuer immer sehr schnell an. 

Außerdem haben uns die Kajak-Abenteuer sehr gut gefallen. Da haben wir ein neues Hobby für uns entdeckt.

Es ist sehr interessant und lehrreich mal eine kurze Zeit ohne "festen Wohnsitz" zu reisen. So lernt man so vermeintlich normale Sachen, wie das eigene Badezimmer und den Wlan-Router zu schätzen. Aber es zeigt mir auch, dass man auf viele Sachen verzichten kann.

Mein größter Wunsch für den nächsten Roadtrip ist – neben den eingepackten Sachen in der Reisetasche – eine Spülschüssel und eine Luftpumpe. Julians größter Wunsch ist ein Pfannenwender und mehr Platz, das heißt weniger Sachen und Kisten dabei zu haben.


Und so geht es in Vancouver weiter:

Nach dem ganzen Trip sind wir trotzdem erstmal froh, dass wir wieder ein paar Nächte in einem richtigen Bett haben.

Nach der Nacht bei unseren Freunden sind wir für die restlichen Tage ins Hilton Hotel gezogen. Morgens haben wir unsere Rucksäcke und die Reisetasche am Hotel abgegeben. Die Rezeptionistin war sehr überrascht, wie viele Sachen wir dabei hatten. Danach brachten wir den Mietwagen zurück zum Flughafen und fuhren mit den Skytrain zurück in die Innenstadt. Das Hotel haben wir richtig genossen und sind zweimal in den Jacuzzi gegangen. Wegen dem Virus war leider der Frühstücksbereich geschlossen und so haben wir morgens nur einen Frühstücksbeutel mit einem großen Muffin, einem Apfel und einem Müsliriegel und einer Flasche Wasser bekommen. Aber der Muffin war immer sehr lecker. An den Nachmittagen und Abenden haben wir uns dann mit unseren ehemaligen Mitbewohnern getroffen, sind ausgegangen und Essen gegangen. Außerdem habe ich von Khushbu ein vorzeitiges Geburtstagsgeschenk bekommen. Und so ist unsere Zeit im Westen Kanadas zu Ende gegangen. Der Flug zu unserem nächsten Abenteuer war nämlich schon gebucht! Am 08.09.2020 haben wir den Flieger nach Toronto genommen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Bye bye Vancouver!

Hotelzimmer
Hotelzimmer
Schlemmen
Schlemmen
Bye bye Vancouver
Bye bye Vancouver


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